Wupperverband

Sicherheit bei der Wasserversorgung hat oberste Priorität

Im Winter bei idyllischer Landschaft und mit Blick auf den leicht eingeschneiten Diederischstempel ist das Problem nicht zu sehen, im Sommer dafür umso größer: Immer mehr muss sich der Wupperverband damit beschäftigen, dass die Wupper bei Trockenheit genug Wasser führt. Foto: Christian Beier
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Im Winter bei idyllischer Landschaft und mit Blick auf den leicht eingeschneiten Diederichstempel ist das Problem nicht zu sehen, im Sommer dafür umso größer: Immer mehr muss sich der Wupperverband damit beschäftigen, dass die Wupper bei Trockenheit genug Wasser führt.

Die Corona-Pandemie und die zunehmende Trockenheit bestimmen die Arbeit des Wupperverbands.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Das vergangene Jahr stand für den Wupperverband ganz im Zeichen von Corona und Trockenheit. Und daran könnte sich in absehbarer Zeit wenig ändern. Hauptziel des Verbandes sei es auch weiterhin, die wasserwirtschaftliche Versorgungssicherheit in der Region gewährleisten zu können, sagte Vorstand Georg Wulf bei einem Pressegespräch.

Dabei ist nicht zuletzt die Veränderungen des Klimas ein entscheidender Punkt. Man habe 2020 das dritte trockene Jahr in Folge erlebt, machte Wulf deutlich. So seien zwischen 2017 und 2020 rund 700 Liter weniger Regen je Quadratmeter gefallen als im Durchschnitt. Allein in diesem Zeitraum fehle also etwa ein halber Jahresniederschlag.

Das treffe nicht zuletzt die Große Dhünntalsperre, die einen Großteil des Bergischen Landes mit Trinkwasser versorgt, berichtet der Wupperverband-Vorstand. Wirklich voll sei die zuletzt im Juni 2006 gewesen: „Die Talsperre erholt sich immer wieder, aber sie erholt sich auf niedrigem Niveau.“ Deswegen begrüße der Wupperverband den Plan, die Remscheider Eschbachtalsperre wieder zu ertüchtigen. Die erste Trinkwassertalsperre Deutschlands war 2004 stillgelegt worden, soll nun aber wieder in Betrieb genommen werden. Wulf: „Das ist aus unserer Sicht richtig und wichtig.“

Aber auch die Brauchwassertalsperren, allen voran die Wupper- und die Bevertalsperre, hätten sich im vergangenen Jahr „anstrengen“ müssen, sagt Georg Wulf. Sie sorgen in trockenen Zeiten dafür, dass die Wupper genug Wasser führt. Das sei wichtig, weil dort gereinigte Abwässer eingeleitet würden, so Wulf. Sei deren Anteil zu hoch, sei das „für die biologische Entwicklung der Wupper nicht gut“.

„Ein ganz spannendes Projekt.“
Vorstand Georg Wulf zum Phosphor-Recycling

Neben der Versorgung mit Trinkwasser und der Entsorgung von Abwässern kümmert sich der Wupperverband auch um eine Vielzahl von Gewässern in seinem Einzugsgebiet. Die zu renaturieren oder zumindest in einen naturnäheren Zustand zu versetzen, gehöre ebenfalls zu den Aufgaben des Verbandes, betont Wulf. Rund 25 Prozent der Wasserkörper des Wupperverbandes seien bereits in einem guten Zustand. Das liege deutlich über dem Bundesschnitt von etwa acht Prozent.

Weitere Bauprojekte in und an den Fließgewässern stehen in den kommenden Jahren an. So sollen die Arbeiten am Löwenteich am Heintjesmühlenbach bis Juni abgeschlossen sein. Andere Baumaßnahmen sind unter anderem an der Bever geplant, wo ein neues Betriebsgebäude entstehen soll. Zudem gibt es ein Projekt zu Sicherung der Ufermauern entlang der Wupper.

Mit Partnern zusammen plant der Wupperverband außerdem den Neubau ein Klärschlammverbrennungsanlage. Erste Planungen dazu lägen inzwischen vor, berichtet die Verbandsratsvorsitzende Claudia Fischer. Anhand derer habe man nun entschieden, das Projekt fortzuführen – so lange es sich als wirtschaftlich erweise. Die neue Anlage könnte 2028 entstehen, das geschätzte Investitionsvolumen liegt bei 80 Millionen Euro.

Darüber hinaus nimmt der Verband an einem Forschungsprojekt zum Phosphorrecycling teil. Ziel sei es zu klären, ob man den wertvollen Rohstoff Phosphor, der unter anderem als Dünger genutzt wird, aus der Asche der Klärschlammverbrennung gewinnen könne, erklärt Vorstand Wulf: „Ein ganz spannendes Projekt.“

Wirtschaftlich sei 2020 trotz der Corona-Krise gut gelaufen für den Wupperverband, sagt Georg Wulf. Zwar habe es in einigen Bereichen leichte Erhöhungen der Beiträge gegeben, doch umgerechnet auf die Zahl ihrer Bürger seien die Zahlungen, die die 22 Mitgliedskommunen zu leisten hätten, seit 2011 stabil. Eine weitere geplante Beitragserhöhung werde man aussetzen, kündigte der Vorstand an: „Das würde direkt aus den Steuerhaushalten der Kommunen finanziert, und die sind ja schon stark belastet.“

Hintergrund

Gegründet: Der 1930 gegründete Wupperverband nimmt die wasserwirtschaftlichen Aufgaben in seinem mehr als 800 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet über kommunale Grenzen hinweg war.

Talsperren: Dabei kümmert er sich unter anderem um 14 Talsperren, elf Kläranlagen, zahlreiche Regen- und Hochwasserrückhaltebecken sowie rund 2000 Kilometer Flüsse und Bäche.

Mitglieder: Die mehr als 160 Mitglieder des Verbandes, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, sind Kommunen und Landkreise, Wasserversorgungsunternehmen und Gewerbebetriebe im Einzugsgebiet. Mehr als 350 Menschen arbeiten für den Wupperverband, darunter 17 Azubis.

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