Ohligs

Schädlingsbekämpfer erntet Shitstorm nach Tötung von Taubenküken

Bei einem Auftrag in Ohligs hat Schädlingsbekämpfer Thomas Nachtigall zwei Taubenküken getötet. Daran gab es viel Kritik. Foto: Christian Beier
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Bei einem Auftrag in Ohligs hat Schädlingsbekämpfer Thomas Nachtigall zwei Taubenküken getötet. Daran gab es viel Kritik.

Schädlingsbekämpfer Thomas Nachtigall wehrt sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei

Solingen. „Ich habe damit gerechnet. Aber dennoch ist es natürlich ein beruhigendes Gefühl, nun schwarz auf weiß zu haben, dass ich mich richtig verhalten habe“, sagt Schädlingsbekämpfer Thomas Nachtigall erleichtert, nachdem er das Schreiben der Staatsanwaltschaft Wuppertal erhalten hat: Die Ermittlungen gegen ihn seien eingestellt.

Eine Solingerin hatte vor einigen Wochen Strafanzeige gegen den Schädlingsbekämpfer wegen der unerlaubten Tötung von Taubenküken gestellt und diese Vorwürfe auch gegenüber dem ST erneuert. Sie habe beobachtet, wie Nachtigall kürzlich bei der Beseitigung eines Taubennestes an einer Hausfassade an der Düsseldorfer Straße in Ohligs zwei Küken auf grausame Weise getötet hat, indem er sie lebendig in eine Plastiktüte stopfte und dann erstickte. Dagegen habe sie vorgehen wollen.

Diese Version der Geschichte verbreitete die Tierschutzaktivistin auch über ihre Facebook-Seite, woraufhin im Netz ein veritabler Shitstorm über Thomas Nachtigall hereinbrach. „Da gab es im Internet übelste Beschimpfungen gegen mich und unter dem Imageschaden, der uns durch diese Sache entstanden ist, leidet das Unternehmen noch immer. Leider hinterfragen viele Menschen so einen Post nicht, sondern verbreiten ihn einfach weiter.“

„Ich habe die Tiere nur von ihrem Leid erlöst.“

Thomas Nachtigall, Schädlingsbekämpfer

Fakt ist, dass Thomas Nachtigall tatsächlich zwei Taubenküken im Rahmen eines Auftrags getötet hat, was er auch einräumt. Dabei sei er aber keineswegs so vorgegangen, wie es bei Facebook die Runde machte. Vielmehr sei er – basierend auf seinen langjährigen Erfahrungen als Schädlingsbekämpfer – zu dem Schluss gekommen, dass sich die zwei im Nest verbliebenen Küken ohnehin bereits in einem kränklichen und morbiden Zustand befanden und in dem Nest quasi keine Überlebenschancen gehabt hätten. „An der Stelle, an der sich das Nest befand, kamen die Elterntiere nicht richtig an die Jungen heran und konnten sie nicht ausreichend versorgen. In einem solchen Fall wären die Tiere leichte Beute für Raubvögel wie zum Beispiel Eichelhäher oder Raben gewesen“, erklärt Nachtigall, der auch mit dem Solinger Naturschutzbund (Nabu) zusammenarbeitet. „Die Natur ist grausam und unerbittlich. Insofern habe ich die Tiere nur von ihrem Leid erlöst und mich für das Tierwohl entschieden. Ich würde immer wieder so handeln – leichtgemacht habe ich mir diese Entscheidung aber ganz sicher nicht.“ Zudem prüfe er in der Regel auch Möglichkeiten, ob die Tiere in Obhut genommen werden können, was im vorliegenden Fall wegen des kränklichen Zustands der Küken aber nicht möglich gewesen sei.

Solingen: Gutachten bestätigte rechtmäßiges Vorgehen

Auch sein Vorgehen bei der Tötung legt Nachtigall offen: Er habe die Küken durch einen sekundenschnellen Genickbruch getötet. „Das Tier ist dann bewusstlos, bevor ein Schmerzempfinden einsetzen kann. Für mich ist das A und O bei meiner Arbeit, dass ein Tier nicht leidet.“ Eine Untersuchung der Kadaver durch das Bergische Veterinär- und Lebensmittelamt (BVLA) bestätigte, dass Nachtigalls Schilderung der Wahrheit entspricht. Zum einen verfüge der Schädlingsbekämpfer über die erforderliche Genehmigung und Sachkunde für die Tötung von Wirbeltieren – zum anderen sei der Schritt hier tatsächlich geboten gewesen, berichtet Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal, die sich bei ihren Ermittlungen auf ein Gutachten den BVLA stützte. „Deshalb wurde das Verfahren eingestellt.“

Seine Erfahrung will Thomas Nachtigall auch öffentlich machen, um die Botschaft zu vermitteln, dass Schädlingsbekämpfung und Tierschutz sich nicht notwendigerweise ausschließen müssen. „Gerade beim Thema Tauben gibt es viel Unwissenheit. Einige Leute füttern die Tiere und sorgen damit dafür, dass die hohen Bestände sich weiter unkontrolliert vermehren. Sinnvoller wäre es aber, beispielsweise ein Taubenhaus in Solingen einzurichten und die Eier in den Nestern durch Attrappen zu ersetzen. Dadurch würde man zumindest die Geburtenkontrolle verbessern.“

Denn für die Taubenproblematik in den Städten seien nicht die Tiere, sondern allein der Mensch verantwortlich – eine Entwicklung, die etwa durch Taubenzucht sowie durch den verbreiteten Einsatz von Hochzeitstauben begünstigt werde. So finden viele frühere Brieftauben etwa bei Wettflügen nicht mehr in ihren Schlag zurück und verwildern in der Natur. „Ich wünsche mir beim Tierschutz weniger Schwarz-Weiß-Denken.“

Das rät der Nabu

Taubenfütterungen in den Städten sind untersagt – der Nabu Solingen rät allerdings auch aus Tierschutzgründen davon abzusehen. „Lebensmittelabfälle sind kein Futter für Tauben“, betont die Nabu-Vorsitzende Edeltraud Krüger.

Wer unerwünschte Taubennester vermeiden möchte, sollte die Vögel durch bauliche Maßnahmen wie Netze vom Nisten abhalten. Auf Spikes solle man hingegen mit Blick auf die Verletzungsgefahr für Tiere verzichten.

Grundsätzlich gebe es schon länger Überlegungen, in Solingen ein Taubenhaus zu errichten, so Krüger. Wer sich diesbezüglich engagieren möchte oder andere Fragen zum Umgang mit Tauben hat, kann sich an den Nabu wenden. Tel. 0212/ 64 58 583 oder per Mail an

kontakt@nabu-solingen.de

Kommentar

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Von Kristin Dowe

Für die einen sind sie „die Ratten der Lüfte“, für die anderen sind sie ein Friedenssymbol. Auf beiden Seiten der Lager ist die Diskussion über den Umgang mit Tauben im öffentlichen Raum oft ideologisch aufgeladen – und das ist Teil des Problems. Der Mensch hat durch vielfältige Verhaltensweisen selbst dazu beigetragen, dass die Taubenbestände in vielen Städten zu hoch sind und dies als Belastung empfunden wird. Derweil ist Tierschutz eine komplexe Angelegenheit und bedeutet nicht, das Leben eines Tieres um jeden Preis zu retten, sondern der Natur so gut wie möglich gerecht zu werden. Dazu brauchen wir die Bereitschaft, konstruktiv über den besten Weg zu streiten. Vorbeugende Maßnahmen wie ein Taubenhaus wären da schon ein Anfang, damit das Zusammenleben von Mensch und Tier wieder harmonischer wird.

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