Mein Blick auf die Woche

Solingen setzt sich mit Worten und Taten für die Kriegsopfer in der Ukraine ein 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der so viel Leid verursacht, beschäftigt die Menschen in unserer Stadt. Wenn die ukrainischen Flüchtlinge in Solingen ankommen, werden sie auf großherzige und hilfsbereite, empathische Solingerinnen und Solinger treffen, ist sich ST-Chefredakteur Stefan M. Kob sicher.

Solingen. Worin unterscheidet sich eine Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine von einer gegen die Pandemie-Maßnahmen? Nun, zuerst einmal dadurch, dass alle Maske tragen. Doch nicht nur das. Wie grotesk im Grunde die Proteste gegen eine angebliche „Corona-Diktatur“ sind, wird erst so richtig deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, weswegen Bürger - auch in Solingen - jetzt zu Hunderten auf die Straße gehen: um gegen das unfassbare Leid und den Schmerz der Menschen in der Ukraine aufzubegehren und den Stopp des Kriegs zu fordern. Wer hierzulande auf einer von der Polizei beschützten Demonstration von einer „Diktatur“ spricht, ist einfach nur armselig - wenn gleichzeitig in Moskau das Niederlegen einer Blume vor der ukrainischen Botschaft reicht, um für unbestimmte Zeit einfach weggesperrt zu werden. Unsere Sorgen hätten diese Menschen gerne. 

Wer allerdings geglaubt hätte, dass angesichts der blutigen Ereignisse dieser Tragweite eine Einkehr oder gar Umkehr bei Spaziergängern und Querdenkern stattfindet, sieht sich getäuscht. Obwohl die meisten Einschränkungen in wenigen Tagen fallen werden und mit Novavax ein neuer Impfstoff nach altbewährtem Prinzip zur Verfügung steht, meinen immer noch viele, gegen ein Virus protestieren zu müssen, das gerade im Begriff ist, seinen Schrecken zu verlieren. Hoffentlich auf Dauer.

Derweil macht sich unsere Stadt auf, den aus dem Osten zu erwartenden Strom zu kanalisieren und den verzweifelten Flüchtlingen, meist Frauen und Mütter mit ihren Kindern, einen sicheren Hafen zu bieten. Das macht Mut, denn das werden unsere Stadt und ihre Bürger gut hinbekommen, so viel steht fest. Das bewährte Netz zwischen den städtischen Koordinierungsstellen und den Solinger Wohlfahrtsverbänden und Kirchen wird auch dieser Belastung standhalten, wie es das in der Vergangenheit stets getan hat. Die ukrainischen Flüchtlinge werden auf großherzige und hilfsbereite, empathische Solingerinnen und Solinger treffen, die sie schon immer waren. Das zeigt sich wieder einmal an der Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft, die schon längst ins Rollen gekommen ist. Und wenn diese verzweifelten Schutzsuchenden zufällig einmal während ihres Aufenthalts in Solingen auf wütende und frustrierte Montags-Querdenker treffen, werden diese hoffentlich vor Scham im Boden versinken.

Kooperationen auf Augenhöhe sind mit Wuppertal nicht immer ganz leicht

Derweilen passieren in unserer Stadtverwaltung auch seltsame Dinge, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Gerade in Solingen wurde man nicht müde, den Geist der bergischen Gemeinsamkeit zu beschwören, um den es zuletzt wahrlich nicht gut bestellt war. Daher war man stolz, mit der gemeinsamen Feuerwehrleitstelle, der Volkshochschulzentrale und ja - auch dem Bergischen Handballclub BHC - zumindest mit dem Nachbarn Wuppertal Einigkeit demonstrieren zu können. Und gleichzeitig auch noch Kosten zu sparen. Remscheid hielt sich zum Ärger der beiden Großen da fein raus. Nur beim Bergischen Servicecenter, der gemeinsamen Telefonzentrale der drei Großstädte, waren alle drei an Bord - und ausgerechnet dort will Solingen jetzt wieder aussteigen. Es mag gute Gründe für den Sinneswandel geben. Und ja, die Erreichbarkeit und die Qualität ließen zuweilen, gerade in den Pandemiezeiten, oft zu wünschen übrig. Und nochmals ja: Mit dem oft selbstgefälligen Wuppertal sind Kooperationen auf Augenhöhe nicht immer ganz leicht, ein wirklich gutes Vertrauensverhältnis haben die beiden Oberbürgermeister bis heute noch nicht zueinander aufgebaut. Vergnügungssteuer fällt dafür jedenfalls nicht an.

Aber sich jetzt an dieser Stelle wieder auseinanderzudividieren, ist eine ganz schlechte Idee, die teure Folgen in der Zukunft haben kann. Und damit ist nicht gemeint, dass eine eigene städtische Telefonzentrale vielleicht etwas besser, aber im Zweifel auch kostspieliger werden kann. Schlimmer sind die Flurschäden, die die Ausstiegsdiskussion jetzt schon angerichtet hat. Denn ein Bruch wäre der endgültige Beweis dafür, dass die Bergischen durch nichts, aber auch durch gar nichts zusammenzubringen sind. So wird das nie was mit der bergischen Einigkeit. Genau die braucht es aber mehr und nicht weniger, um Themen wie Wirtschafts- und Tourismusförderung nach vorne oder auch Gewicht gegenüber einer Metropolregion Rheinland auf die Waage zu bringen. 

Unsere weiteren Themen dieser Woche

Sorgenkind Innenstadt: Trotz aller Bemühungen, die Einkaufssituation zu verbessern, sind die Fortschritte noch überschaubar.

Tolle Aktion der Stadt für mehr Bäume: Grundstückseigentümer können sich melden, wenn sie kostenlos einen Baum pflanzen lassen wollen.

Solinger Bahnhöfe fallen in Qualität, Sauberkeit und Sicherheit immer weiter zurück.  

Im O-Quartier zieht bereits Leben ein, aber auf den zwei anderen Baustellen von Kondor Wessels in Wald und in der Innenstadt tut sich auch bald etwas.

Größer, schöner, besser: Ohligs hat wieder ein neues Bürgerbüro.

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