Hausnotruf

Senioren setzen auf Hilfe im Notfall

Jörg Lünstroth, Abteilungsleiter Hausnotruf beim Solinger DRK, präsentiert die mobilen und stationären Hausnotruf-Geräte. Foto: Christian Beier
+
Jörg Lünstroth, Abteilungsleiter Hausnotruf beim Solinger DRK, präsentiert die mobilen und stationären Hausnotruf-Geräte.

Die Hausnotruf-Systeme der Solinger Anbieter haben in der Corona-Pandemie großen Zulauf.

Solingen. Ein Sturz, plötzliches Unwohlsein oder andere Notfälle können schnell schwere medizinische Folgen haben. Weil alleinstehende oder ältere Menschen sich dann oft nicht mehr selbst helfen können, vertrauen viele von ihnen auf Hausnotruf-Geräte, bei denen mit einem Knopfdruck Rettung alarmiert werden kann. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie sei die Nachfrage danach deutlich gestiegen, so die Solinger Anbieter.

Um zehn Prozent auf jetzt 1050 Kunden gestiegen ist die Zahl im vergangenen Jahr beim Solinger Deutschen Roten Kreuz (DRK). „Viele Kinder oder Enkel besuchen aus Infektionsschutz derzeit ihre älteren Angehörigen nicht mehr, sie möchten aber weiter sichergehen, dass es ihnen gut geht“, nennt Jürgen Lünstroth, Abteilungsleiter Hausnotruf beim Solinger DRK-Kreisverband, einen der Gründe. Mit drei Hauptamtlichen und sechs jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr betreut das Team die Solinger.

Dabei setzen sie auf moderne Technik. „Neben einem Handsender gibt es auch ein stationäres Gerät für die Wohnung“, erklärt Jörg Lünstroth. Mit dem mobilen Teil könne man deutschlandweit „Alarm“ auslösen – und auf zwei Meter genau geortet werden.

„Die Geräte sind also nicht nur interessant für Senioren, die nur noch in der Wohnung sein können“, so der Fachmann. Immer häufiger interessierten sich dafür auch ältere oder alleinstehende Menschen, die etwa eine Sicherheit beim Spaziergang wünschen. „Es ist schon ein Solinger Wanderer nach einem Sturz an der Zugspitze von der dortigen Bergwacht gerettet worden, oder die entrissene Handtasche einer älteren Frau, in der sich der Handsender befand, konnte im Gebüsch geortet werden“, schildert Lünstroth eher ungewöhnliche Einsätze. Natürlich haben sich auch die Hygienebestimmungen in der Corona-Zeit geändert. Lünstroth berichtet von der regelmäßigen Desinfektion der Fahrzeuge und der FFP2-Maskenpflicht für Mitarbeiter. Zudem sei die Beratung auch kontaktlos möglich.

Solingen: Ohnehin strenge Hygieneregeln wurden nochmals verschärft

Das betont auch Bettina Heuschkel, Referentin Ehrenamt bei den Maltesern Solingen. Auch dort sei die Nachfrage an Hausnotruf-Anschlüssen in den vergangenen Monaten gewachsen. Auf über 1200 Anschlüsse in Solingen ist die Zahl der Hausnotruf-Kunden bei den Maltesern im vergangenen Jahr „deutlich gestiegen“.

Neben fehlenden Kontakten zu Angehörigen hätten viele Ältere auch das Problem, sich nicht mehr so fit zu fühlen, erklärt Bettina Heuschkel. Bewegung, aber auch Strukturen im Alltag, fehlten – von der Bewegungsgruppe über den Singkreis bis zum Kaffeekränzchen. „Vielen gibt der Hausnotruf da ein Gefühl der Sicherheit.“

Auch bei den Maltesern sind verschärfte Hygieneauflagen sowie kontaktlose Beratung und Neuanschlüsse an der Tagesordnung. „Bei Einsätzen geht es natürlich nicht immer kontaktlos, wenn etwa jemand gestürzt ist und man ihm aufhelfen muss“. Neben den Festangestellten sind auch Mitarbeiter aus dem Bundesfreiwilligendienst im Einsatz. „Da sind wir immer offen für Interessenten“, so Heuschkel.

„Auch der Arbeiter-Samariter-Bund hat beim Hausnotruf in den letzten Monaten viel Zulauf gehabt“, erklärt Sandra Stimac, Personalleiterin in der zuständigen Geschäftsstelle Bergisch Gladbach. Der ASB ist in der gesamten Rheinisch-Bergischen Region, in Solingen mit 20 Kunden, vertreten.

Die Johanniter haben in Solingen etwa 500 Kunden. Vom einfachen Notfall-Rückruf bis zur Schlüsselhinterlegung oder einem Angebot mit wöchentlichen persönlichen Anrufen gibt es ein großes Angebotsspektrum. Derzeit finden noch bis Ende März Hausnotruf-Sicherheitswochen statt. „Es gibt viele Interessenten und so können sie das Angebot vier Wochen kostenlos testen“, erklärt Saskia Koll, Kommunikationsreferentin bei den Johannitern Bergisches Land.

Angebote

Technik: Alle Anbieter haben einen Notrufknopf, der über einen Sender am Handgelenk oder als Kette um den Hals ausgelöst werden kann. Einige bieten eine Taste zur täglichen Meldung.

Preis: Je nach Umfang liegen die Preise zwischen 25 und 55 Euro monatlich. Je nach Pflegestufe werden Teilkosten übernommen.

Im Live-Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt

Von Leon Hohmann

leon.hohmann@solinger-tageblatt.de

Es ist ein sehr trauriger Grund, der hinter dem Anstieg der Hausnotruf-Kunden steckt: Viele ältere Solinger halten sich wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus von ihren Verwandten und Freunden fern, sind vielleicht auch geschwächt, weil Bewegungskurse nicht stattfinden können. Das kann zu Problemen und Verunsicherung in Notfällen führen. Denn was ist, wenn sie nach einem Sturz nicht mehr aufstehen können? Wer kann da helfen? Beispielsweise die Festangestellten und Bundesfreiwilligen des Hausnotrufs. In der Krise zeigt sich noch einmal, wie wichtig dieses Angebot für Senioren ist. Die Mitarbeiter kommen in Notfällen auf Tastendruck vorbei, sind auch sonst erreichbar und bieten – je nach Anbieter – auch wöchentliche Telefongespräche an. Das Gesamtpaket kann zwar keine echten sozialen Kontakte ersetzen – vor allem nicht mit Kindern, Enkelkindern oder Bekannten – aber eine wichtige Stütze sein, solange die Pandemie uns zum überaus umsichtigen Handeln zwingt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag

Kommentare