Verein

Seit 90 Jahren Hilfe für Sehbehinderte

Manuela Knors und ihr Blindenführhund Stella finden das Wegeleitsystem im Hauptbahnhof gelungen. Foto: Michael Schütz
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Manuela Knors und ihr Blindenführhund Stella finden das Wegeleitsystem im Hauptbahnhof gelungen.

Neben der Beratung steht vor allem der Austausch untereinander im Mittelpunkt.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. 90 Jahre gibt es nun schon den Blinden- und Sehbehindertenverein Solingen. 1930 gegründet, unterstützt der Verein Sehbehinderte seitdem in allen Lebenslagen. „Betroffene beraten Betroffene“ ist dabei das Motto. „Wir sind eine sehr gewachsene Selbsthilfegruppe“, erklärt Manuela Knors vom Blinden- und Sehbehindertenverein.

Neben der Beratung stehe vor allem der Austausch untereinander sowie das gesellige Beisammensein im Vordergrund. Der normalerweise monatlich stattfindende Stammtisch schaffe dafür einen Rahmen. „Es kommen Fragen auf von ,Wie gehe ich mit meinem Smartphone um‘ bis ,Welche Freizeitmöglichkeiten habe ich‘“, so Knors. Regelmäßig werden Vorträge von Experten gehalten, die über Hilfsmittel, gesetzliche Vorgaben und die Sicherheit im Haus aufklären.

„Barrierefreiheit bedeutet auch, dass Internetseiten für uns nutzbar sein müssen.“
Manuela Knors, Blinden- und Sehbehindertenverein

Der Verein versuche, alle Interessen zu bündeln, und bietet regelmäßig Veranstaltungen an. Von einem Smartphone-Kurs, einem Besuch im Von der Heydt-Museum Wuppertal bis hin zu einem Ausflug zu einer Champignonfarm in Leichlingen sei schon alles dabei gewesen. „Die Führungen sind an unsere Bedürfnisse angepasst, es wird viel erklärt, man kann Dinge anfassen“, berichtet Manuela Knors.

Der Verein engagiere sich aber auch auf politischer Ebene und habe einen Sitz im Beirat für Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit, Wege- und Leitsysteme sowie die Planung von Neubauten sind Themen, an denen der Verein beteiligt ist. „Barrierefreiheit bedeutet, taktile, akustische und optische Hilfen zu haben. Das ist zum einen die Orientierungshilfe, heißt aber auch, dass Internetseiten für uns nutzbar sein müssen“, erklärt Knors. Ihr Hauptanliegen sei, dass sich die Mitarbeiter der Stadt in die Lage von Sehbehinderten hineinversetzen und deren Bedürfnisse verstehen können.

Diese Bedürfnisse haben sich in den vergangenen 90 Jahren verändert. „Neu ist die Arbeit in den Gremien. Was geblieben ist, ist der Beratungsbedarf und der Austausch“, sagt Manuela Knors. Inzwischen verstehe der Verein sich als Partner der Stadt. Auch das Bewusstsein in der Gesellschaft habe sich verändert. Wo früher diskutiert wurde, wenn ein Führhund mit in den Supermarkt kommen sollte, sei das heute kein allzu großes Thema mehr.

72 Mitglieder zählt der Verein zurzeit. Mitglied kann werden, wer ein Sehvermögen von maximal 30 Prozent hat. Darüber hinaus ist eine Fördermitgliedschaft möglich. Unabhängig davon ist das Beratungsangebot „Blickpunkt Auge“ offen für jedermann.

„Die Stadt ist gut aufgestellt und nimmt auf die Belange Rücksicht“, sagt Horst Koss, Vorsitzender des Behindertenbeirats der Stadt. Gerade das Immobilienmanagement sei seiner Erfahrung nach dankbar, wenn auf die Bedürfnisse von Sehbehinderten hingewiesen wird. Im Straßenverkehr gebe es nach wie vor eine große Zahl an Hindernissen, auf die aufmerksam gemacht werden müsse.

Diese Erfahrung hat auch Tageblatt-Leserin Elke Förster gemacht, die selbst sehbehindert ist. Sie wünsche sich mehr akustische Ampeln, die einen Ton von sich geben, wenn die Ampel grün wird. „Durch die Lichtverhältnisse kann ich grün und rot bei der Ampel nicht sehen. Im Moment bin ich ein bisschen hilflos“, sagt sie.

Hörzeitung

Die Hörzeitung des Tageblatts ist am Dienstag kostenlos zu erreichen unter der Rufnummer Tel. (02 12) 88 03 90 00.

Kontakt zum Verein:

Tel. (02 12) 23 35 52 77

info@bsv-solingen.de

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