ST-Wohltätigkeitsaktion

Er hat seine Wohnung seit Jahren nicht verlassen

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Der linke Fuß des schwer übergewichtigen Mannes ist komplett deformiert. Er erzählt im Gespräch mit dem ST von seiner Hoffnung auf eine rettende Operation.

51-jähriger Solinger ist einer von vielen Fällen, den die Kette der helfenden Hände unterstützt.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Seit genau drei Jahren ist die kleine Wohnung der einzige Aktionsradius, der Thomas M. (Name von der Redaktion geändert) noch geblieben ist. Zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer kann er mit seinem Rollstuhl hin und her fahren. Die anderen Zimmer, darunter auch Toilette und Badezimmer, kann er nicht mehr betreten. Die Türen sind für Rollstuhl oder Rollator – beides in Überbreite – zu schmal.

Wie viel er wiegt, das weiß der 51-Jährige nicht genau. Er schätzt, so um die 200 Kilo. „Aber es ist ein Teufelskreis. Durch die verschiedenen Krankheiten und das extreme Übergewicht kann ich mich nicht bewegen. Das wäre aber wichtig, um wieder etwas mobiler zu werden, vielleicht ein paar Kilo abzunehmen“, erzählt Thomas M. im Gespräch mit dem Tageblatt.

Denn das starke Übergewicht ist bei weitem nicht das einzige Problem. Sein linker Fuß ist komplett deformiert, einen Strumpf oder gar Schuh kann er daran nicht tragen.

„Ich bin vor drei Jahren mit einer verschleppten Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen und lag dort vier Wochen im Koma“, schildert er den Beginn seiner Leidensgeschichte. Während der Zeit im Bett sei sein Fuß am Bett abgeklemmt gewesen, vermutet er die Ursache für die Deformationen am Sprunggelenk und an den Zehen.

Aber auch schon vor dem Krankenhausaufenthalt hat Thomas M. etwa 170 Kilo gewogen, ist zudem Diabetiker. „Aber damals konnte ich zumindest noch die Treppe zur Wohnung in der ersten Etage hoch gehen“, erinnert er sich. Jetzt sitzt er den ganzen Tag im Rollstuhl. „Ich habe seit drei Jahren keinen Schuh mehr angehabt“, beschreibt er seine Situation. Mehrmals musste er seitdem ins Krankenhaus, weil er Wassereinlagerungen im Körper hatte. „Es ist schon sehr schlimm und beschämend, wenn ich durch das Fenster abtransportiert werden muss.“

Auch in das kleine Schlafzimmer passt nur das eine große Krankenbett. Seine Lebensgefährtin schläft seit Jahren auf der Couch. Dabei ist auch sie nicht gesund. Seit einer verschleppten Bronchitis und einer Lungenentzündung Anfang des Jahres hat sie eine chronische Lungenerkrankung, ist auf ein mobiles Sauerstoffgerät tagsüber und eine Atemmaske nachts angewiesen. Immer wieder musste sie in den vergangenen Wochen ins Krankenhaus eingeliefert werden. „Bis vor einem Jahr war ich noch fit, hab früher als Altenpflegerin gearbeitet“, erzählt die 64-jährige Frührentnerin.

„Ich müsste dringend zum Zahnarzt, aber auch das ist ja nicht möglich.“
Thomas M.

Wenn es gesundheitlich geht, betreut sie ihren Lebensgefährten. Da er nicht mehr ins Bad kann, muss sie ihm beispielsweise eine Urinflasche anreichen. Als sie im Krankenhaus und Thomas M. allein in der Wohnung war, musste ihm für die Übergangszeit ein Katheter gelegt werden. Ansonsten haben ihn Mitarbeiter des Roten Kreuzes, ein Pflegedienst und ein Einkaufsservice versorgt.

Der größte Wunsch des 51-Jährigen, der früher als Grafiker in einer Druckerei gearbeitet hat, ist es, wieder etwas mobil zu werden. „Ich müsste dringend zum Zahnarzt, aber auch das ist ja nicht möglich.“ Und er hofft darauf, dass sein deformierter Fuß chirurgisch gerichtet werden kann, er wieder etwas mobiler wird und abnehmen kann. „Unser größter Wunsch wäre es, wenn wir eine ebenerdige Wohnung finden würden und nach 26 Jahren Beziehung heiraten könnten“, so das Paar.

Der Fall ist einer von vielen, bei denen die Kette der helfenden Hände, die Wohltätigkeitsaktion des Solinger Tageblatts, unbürokratisch hilft und die Betroffenen mit einer kleinen Spende vor Weihnachten unterstützt.

Spenden für die Kette der helfenden Hände

Gespendet haben: Simone Maeter, Katja Noch, Dagmar und Walter Klaus Feckinghaus, Birgitta Hußels, Horst und Ursula Haag, Saskia Petry-Koch, Renate Asbach, Günter und Rosemarie Abels, Lutz und Kirsten Heyer, Ilona und Peter Wende-Dreyhaupt, Rüdiger Ostkamp, Horst und Christel Schmidt, Dirk und Ellen Link, Birgitt Debertshäuser, Uwe und Brigitte Martens, Rita Gottschlich, Harry Rodeheger, Klaus Heinrich Warnecke, Elisabeth Krömer-Müller, Brigitte Knoche, Helga Deus-Rudolph, Michael Gärtner, Raymond Braches-Schaefer, Helga Schmidt, Elke Thomaschew-ski, Sigrid Hackbarth, Peter und Bärbel Strotmann, Arno und Marga Güttel, Jochem Schmidt, Klaus und Hiltrud Demtroder, Evelyn Wittmann, Stefan und Marion Tenbuß, Ulrich und Brigitte Melchiors, Norbert und Kornelia Surrey, Andreas und Ulrike Ermertz, Inge Hellwig, Wolfgang und Monika Kralemann, Petra und Joachim Kultzscher, Waltraud Dorenbeck, Anne Britze, Heinz-Gerd und Angelika Darius, Birgit Schiffbauer-Sauer, Hannelore Hommer, Elisabeth Villwock, Dr. Franz-Josef und Ursula Nasse, Sigrun Becker-Bossert, Ursula Zimmermann, Bernd Kieslich, Hans Peter Wagner, Horst Aprath, Manfred und Linda Rosenthal, Wolfgang und Doris Blasberg, Dagmar Kirchhof, Karin Emme, Christian und Petra Handschke, Ulrike Homuth, Karin Faensen-Grzenia, Gabriele Wupper, Otto und Margit Zoller, Gerold Olsen, Rolf und Marion Dültgen, Gisela Ebert, Doris Mertens, Anna Mertens, Jutta Stamen, Ingeborg Kühne-Melcher, Ingried Boehringr, Anja und Michael Aschenberg, Karl-Heinz und Ellen Tausche, Andreas Hopf, Wolfgang und Christa Braatz, Ferdinand und Anna Fuchs, Anton Geimer, Renate Ehmke, Annette und Frank Willi Thamm, Peter und Helga Krug, Eva Kirberg, Gisela Siebert, Marianne Luhn, Karlheinz Birkenbeul, Irmtraut Christians, Uwe und Dorothea Dienes, Lore Grunwald. Ihnen allen vielen Dank. IBAN DE 91 3425 0000 0000 0271 02

Die Weihnachtsaktion der Kette der helfenden Hände läuft auf Hochtouren. Täglich wächst das Spendenkonto weiter an. Auch die Krippe, die Herbert Linder selbst gebaut hat und für den guten Zweck zur Verfügung stellt, soll dazu beitragen, das Kette-Konto weiter anwachsen zu lassen.

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