Test

Solingen: E-Scooter haben Vor- und Nachteile

Die E-Scooter sind einfach zu handhaben, werden aber oft an ungünstigen Stellen im Stadtgebiet abgestellt. Fotos: Christian Beier
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Die E-Scooter sind einfach zu handhaben, werden aber oft an ungünstigen Stellen im Stadtgebiet abgestellt.

Das ST unternahm eine Testfahrt mit einem der umstrittenen Elektro-Scooter.

Von Timo Lemmer

Solingen. Über die vielfältigen Reaktionen zum Start des E-Scooter-Sharings in Solingen hat das ST bereits ausführlich berichtet. Aber wie starten und fahren sich die Roller eigentlich - und klappt das mit den Parkverbotszonen? Das Tageblatt hat den Test gemacht. Fazit: Bedienung kinderleicht - das korrekte Verhalten will aber noch geübt werden.

Für alle Erstnutzer beginnt das neue Mobilitätskapitel mit dem Download der Anbieter-App. In Solingen gibt es drei Anbieter – drei Apps müssen also her, wenn man vorhat, das Angebot intensiv zu nutzen. Da nicht immer in jedem Gebiet zeitgleich Roller aller drei Firmen vor Ort sind, wie unser Test zeigt, sind alle drei Softwares ratsam, wenn es einmal schnell gehen muss – eine bessere Verteilung übers Stadtgebiet wäre außerdem wünschenswert. Oder es liegt an der Zahl der Roller, die aktuell gut benutzt werden. Die wird aber noch einmal gesteigert.

Zum Zeitpunkt unseres Tests war der nächstgelegene Lime-Roller 15 Gehminuten entfernt. Das ist natürlich nicht weit, aber auch nicht Sinn der E-Scooter, sofern sie nicht zum Spaß, sondern zum schnellen, innerstädtischen Fortbewegen genutzt werden. Ein Blick in die beiden anderen Anwendungen zeigt: Bird- und Tier-Geräte sind jetzt gerade schneller zu erreichen. Wenn es jetzt also zügig gehen müsste, wäre die Wahl klar. Also nachdem alle drei Apps gecheckt wurden.

Zurzeit gibt es noch wenige ausgewiesene Parkplätze für die E-Scooter.

Die Applikationen selbst sind zum Herunterladen schnell gefunden und die notwendige Registrierung via E-Mail oder Telefonnummer funktioniert gut. Es bleibt umständlich, alle drei Apps prüfen zu müssen. Gut ist, dass die Stadt bereits angekündigt hat, zumindest die Standort-Karte in die Solingen-App integrieren zu wollen: Das kann noch einige Monate dauern, aber dann werden auf einer Karte alle aktuellen Abstellorte von Rollern aller drei Anbieter angezeigt. Das wird die Suche erleichtern. Aber: Auch dann müssen alle drei Anbieter-Apps auf dem Handy installiert bleiben, denn zum Bezahlen wird auch dann noch die Anwendung des benutzten Roller-Unternehmens benötigt.

Solingen: Anbieter der E-Scooter verlangen vorher die Hinterlegung einer Zahlungsart

Apropos Zahlen: Alle drei Anbieter, die einen Euro Aktivierungsgebühr pro Fahrt sowie 19 oder 20 Cent je gefahrene Minute kassieren, verlangen im Vorhinein das Hinterlegen einer Zahlungsart. PayPal oder Kreditkarte akzeptieren alle drei, Lime als einziges Unternehmen auch Lastschriftverfahren über ein Girokonto. Ebenfalls ist mit dem Klick auf einen Roller in der Anwendung ersichtlich, wie hoch der Akkustand noch ist und wie viele Kilometer das Gerät noch schafft. Das war vor Testbeginn immer wieder festzustellen: Viele Roller standen zu diesem Zeitpunkt nahezu leer herum. Das nervt vermutlich vor allem dann, wenn man nicht von zu Hause aus einen Roller anvisiert, sondern spontan einen nutzen will.

Eingezeichnet sind auf den Karten die Zonen, in denen die Roller nicht erwünscht sind. Die Tier-App erklärt es am besten: In einer blauen Zone darf geparkt werden, rote Zonen sind Parkverbotszonen, und in den gelben Zonen fahren die Roller nur mit reduzierter Geschwindigkeit. Auch das kurzzeitige Reservieren eines Geräts, damit es während des Fußwegs nicht weggeschnappt wird, sowie das Antreten einer Gruppenfahrt – damit können mehrere Roller über einen Anwender abgebucht werden, was für Familien oder andere Gruppen praktisch ist – machen alle Firmen möglich.

Die Bedienung der Roller ist recht simpel.

Bei unserem Test geht es auf der Nußbaumstraße mit einem Lime-Roller los. In der App muss der Code, der auf den Roller geklebt ist, eingescannt werden, und schon ist der Roller aktiviert. Das geht ebenso einfach wie das Fahren an sich: draufstellen, einmal Schwung mit dem zweiten Bein nehmen, und dann mit den Händen Gas und Bremse steuern. Das ist kinderleicht und intuitiv. Beim Fahren bergauf kann man mit dem Schwungbein unterstützen, um schneller zu werden, ansonsten schafft der Roller seine 20 Stundenkilometer auf gerader oder abschüssiger Strecke gut von selbst. Die Roller reagieren flexibel im Fahrverhalten. Das Fahren und Anzeigen des Abbiegens muss aber etwas geübt werden.

Im Internet war neben anderen Klagen insbesondere häufig zu lesen, dass sich Solingens neue Rollerfahrer nicht an die Regeln des Straßenverkehrs halten würden. Klar geregelt ist, dass die Roller dort zu nutzen sind, wo auch Fahrräder fahren: Also Schutzstreifen, Radweg oder – wenn beides nicht vorhanden ist – auf der Straße. Dass auf der Tour einige Rollerfahrer zu entdecken sind, die den Bordstein nutzen, zeigt: Einige Nutzer müssen die Regeln erst noch verinnerlichen. Und die drei Mädchen, die zwei Roller nutzen, brechen in einem ruhigen Wohngebiet gleich zwei Regeln – sie sind zu jung und nutzen einen Roller zu zweit. Auch die Autofahrer müssen noch dazulernen: Beim Überholen bitte Abstand halten, und da Roller Fahrrädern gleichgestellt sind, dürfen sie beispielsweise auch entgegen der Fahrtrichtung in Einbahnstraßen fahren, wenn diese für den Radverkehr freigegeben sind.

Solingen: App registriert, wenn E-Scooter in Verbotszone abgestellt wird

Ein Test unterwegs, ob der Roller auch in einer der Verbotszonen abgestellt werden kann, zeigt: nicht möglich. Manche Straßenzüge sind ausgespart, ebenso größere Parkanlagen und Ähnliches. Die App meckert: „Das Absperren in diesem Bereich ist verboten. Schaue in der Karte nach, wo du Limes absperren kannst.“

Dafür gab es am Spielplatz am Pohligsfeld keinen Ärger – keine rote Zone. Sehr helfen würde es vermutlich außerdem, wenn enge Bürgersteige einfach geblockt wären. Denn unsauber und blockierend abgestellte Roller sind immer wieder zu entdecken. Zeit, den Roller wieder abzustellen. Ebenfalls ganz einfach und zügig: Geeignete Stelle mit genug Platz finden, absteigen, den einbeinigen Ständer ausklappen, Gerät erneut scannen, ein Foto in die App hochladen – und man ist ausgeloggt. Das Geld ist rasch abgebucht. Nur zum Vergnügen sind die Roller eher ein teurer Spaß, zumal die Zeit beim Cruisen schnell verfliegt. Wobei Rabatte wie Tagestickets buchbar sind. Für die angedachte Mobilität zwischen mittleren Entfernungen – zum Beispiel von der Bushaltestelle einige Minuten zum Arbeitsplatz, um auf das Auto zu verzichten - aber passend.

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