Aktion

720 Fünf- bis Elfjährige lernen in Solingen in den Ferien schwimmen

Josephine Schramm und Jan Krug vom OTV sind zwei der Übungsleiter, die derzeit in der Klingenhalle Schwimmkurse geben. Fotos: Christian Beier
+
Josephine Schramm und Jan Krug vom OTV sind zwei der Übungsleiter, die in der Klingenhalle Schwimmkurse gegeben haben.

Kinder sollten sich trotz Corona-Krise sicher im Wasser bewegen – Verantwortliche ziehen positive Bilanz

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Verantwortlichen zeigen sich zufrieden: 720 Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren haben bei Intensivkursen der Aktion „Solingen lernt schwimmen“ in den Sommerferien mitgemacht. „Das Ganze war ein schöner Erfolg. Denn ungefähr die Hälfte der teilnehmenden Kinder war nach dem täglichen Intensivtraining in Zehner-Gruppen so fit, dass sie das Seepferdchen gemacht haben, zehn Prozent haben sogar die Bronze-Prüfung bestanden“, berichtet Karen Leiding vom Sportbund. Die Kooperation zwischen Sportbund, Stadt und Bädergesellschaft mit den sechs Vereinen DLRG, Wasserwacht, SC, TSV, OTV und Solingen Süd sei so erfolgreich gewesen, das sie fortgeführt werden soll.

Durch die Corona-Krise mit den langen Schließungen der Bäder gebe es mehr Nichtschwimmer als vor der Pandemie, nannte Leiding am Donnerstag bei einem Gespräch zum Abschluss der Aktion die Idee hinter dem Projekt. Dass nicht alle Kinder ein Schwimmabzeichen erreicht hätten, erklärt sie damit, dass „viele Kinder dabei waren, die entweder noch nie oder sehr lange nicht im Wasser waren“. Vielfach konnten angefangene Kurse nicht zu Ende gebracht werden und auch das Schulschwimmen musste ausfallen. „Es ging also bei vielen Kindern erst einmal darum, Wasser als Element kennenzulernen und sich mit ihm anzufreunden.“

Solingen: Bereits in den Herbstferien könnte „Solingen lernt schwimmen“ wiederholt werden

Jetzt wollen die Beteiligten von Sportbund, Bädergesellschaft und Stadt nachlegen. Einerseits werde gerade überlegt, in den Herbstferien ein vergleichbares, wenn auch kleineres Intensivtraining anzubieten. Die andere Idee sei, Schwimmlernassistenten für den Schwimmunterricht in den Grund- und weiterführenden Schulen bereitzustellen.

Personal dafür hätten die Vereine: Für die Ferienaktion hatten sich 50 Trainer gemeldet, die nach einer kurzen Schulung Kurse übernehmen konnten. „Eine Lehrkraft mit an die 30 Nichtschwimmern im dritten Grundschuljahr kann ohne zusätzlich helfende Hand nicht viel bewirken“, erläutert Leiding. „Leider aber finanziert das Land NRW solche Honorar- Kräfte nicht. Der Gedanke jetzt: Personal von den Vereinen werde mit Spenden bezahlt.

Karen Leiding (v. l.) vom Sportbund, Cornelia Duhr (Bädergesellschaft) und Sportdezernentin Dagmar Becker ziehen Bilanz.

Schwimmen zu können gehöre zu den Grundfertigkeiten im Leben, betont auch Stefan Voos, Einsatzleiter bei der DLRG. Auch registriert er seit Jahren eine größer werdende Zahl an Nichtschwimmern und sieht dringenden Handlungsbedarf. Schon vor der Pandemie habe die DLRG festhalten müssen, dass Kinder immer häufiger motorische Defizite aufweisen. „Draußen spielen inklusive klettern, balancieren, oder hüpfen ist in der modernen medialen Welt weniger gefragt, damit werden diese Fertigkeiten und das Körpergefühl nicht geübt. Das bedeutet folgerichtig auch, dass heutzutage viele Kinder deutlich länger brauchen, bis sie sicher schwimmen können als früher“, sagt er und ergänzt: Dadurch, dass die Zahl der Schwimmbäder zurückgegangen sei, habe auch das Angebot für die Schwimmausbildung reduziert werden müssen. Dies betreffe vor allem das Babyschwimmen, das für viele Kinder der Einstieg ins regelmäßige Schwimmen gewesen sei.

Um möglichst viele Kinder zu Schwimmern auszubilden, sollen Vereine und Schulen mehr Wasserzeiten in den Hallenbädern Klingenhalle und Vogelsang erhalten. Das sei aber eine Herausforderung, sagt Cornelia Duhr von der Bädergesellschaft.

Infos zur geplanten Spendenaktion für Schwimmlernassistenten: Tel. 20 22 29

info@solingersport.de

Standpunkt

leon.hohmann@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Leon Hohmann

Wer sein Kind zum Intensivkurs „Solingen lernt schwimmen“ angemeldet hat, hat schon viel erreicht. Aus Nichtschwimmern sind die Fünf- bis Elfjährigen in sehr kurzer Zeit zu Anfängerschwimmern geworden. Da ist vor allem das Angebot von Stadt, Sportbund und Bädergesellschaft in Zusammenarbeit mit den Sportvereinen lobenswert. Sie bringen den Kindern die Grundlagen bei – und wollen sie bald auch darüber hinaus beispielsweise beim Schulschwimmen weiter unterstützen. Dennoch dürfen sich Eltern nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Allein das Bestehen des Ferienkurses macht noch kein Kind sicher im Wasser. Jetzt müssen diese Kinder auch regelmäßig weiter üben. Denn nur wer sich in jungen Jahren regelmäßig im Wasser bewegt, wird immer besser, kann weitere Abzeichen ablegen, Gefahrensituationen abschätzen und beherrschen. Genau das müssen Eltern nun mit ihren Kindern üben. Dabei können sie zwar von Vereinen und Schulen unterstützt werden – die Institutionen alleine können aber keine individuelle Förderung ersetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bergische Messer aus 100 Prozent Abfall
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Bahnstraße in Ohligs nach schwerem Unfall wieder frei
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Solinger bei Unfall mit Falschfahrer verletzt
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro
Doppelspitze kostet die Technischen Betriebe 120.000 Euro

Kommentare