Baustellen

Solingen: Schulstandorte richten sich neu aus

Das Schulzentrum Vogelsang wird zur größten Schulbaustelle Solingens Es wird abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Fotos: Christian Beier
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Das Schulzentrum Vogelsang wird zur größten Schulbaustelle Solingens Es wird abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt.

Mit der Sanierung vieler Schulen sind inhaltliche und bauliche Veränderungen verbunden.

Solingen. Die klassische Schule mit langen Fluren, von denen die Klassenräume abgehen, wird es nicht mehr lange geben. Den neuen pädagogischen Konzepten würden auch die architektonische Gestaltung und die Ausstattung angepasst, kündigt Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schulen an. Ein Stichwort bei der Neugestaltung der Schulen lautet „Clusterbildung“. Das bedeutet, dass jeweils mehrere Klassenräume um einen Bereich in der Mitte herum gruppiert werden. Dieser zentrale Raum kann dann für Kleingruppen oder Einzelarbeit genutzt werden. Dieses Konzept fließt erstmals in die Planungen für den Neubau des Schulzentrums Vogelsang in Gräfrath ein.

Im Schulzentrum Vogelsang bilden künftig mehrere Klassenräume ein „Cluster“ und teilen sich einen zentralen Raum.

Im Zuge der Schulentwicklungsplanung strebt die Stadt den Neu- oder Umbau vieler Schulen an. Am Vogelsang eigne sich der Neubau natürlich besonders, um die neuen Ideen umzusetzen, erklärt Vogt im ST-Gespräch. Aber auch an den anderen Schulen gebe es im Bestand „hervorragende“ Möglichkeiten, die neuen Ideen umzusetzen.

„Wir bringen den Schulstandort auf einen neuen Stand.“

Oliver Vogt, Stadtdienstleiter der Schulverwaltung

Mit neuen pädagogischen und räumlichen Konzepten reagiere man unter anderem darauf, dass die Schüler länger am Tag in der Schule seien als früher. Dadurch ergäben sich neue Herausforderungen – planerisch und in der schulischen Arbeit. „Wir bringen den Schulstandort auf einen neuen Stand“, kündigt Vogt an.

Bei der „Clusterbildung“ sollen idealerweise jeweils die Räume einer Klassenstufe um einen gemeinsam genutzten Bereich herum gruppiert werden. In dem Bereich zwischen den Klassenräumen soll es nach den unter anderem für den Vogelsang vorliegenden ersten Planungen unter anderem Sitzgruppen geben.

In den Grundschulstandort an der Schützenstraße wird die Stadt in den kommenden Jahren rund 20 Millionen Euro investieren.

Da durch den geplanten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab 2025 vor allem in den Grundschulen mit einem wachsenden Angebot im Offenen Ganztag zu rechnen ist, wollen Vogt und seine Mitarbeiter zudem erreichen, dass Räume „multifunktional“ – also für Unterricht und Nachmittagsbetreuung – genutzt werden können. Dies bedeute unter anderem, dass Möbel verschiebbar oder sogar zusammenzuklappen sind. So kann die Anordnung von Stühlen, Tischen und Regalen auch innerhalb eines Raumes je nach Bedürfnis ständig neu arrangiert werden. Auch die Mensakapazitäten müssen ausgebaut werden, um der steigenden Ganztagsbelegung auch im Bereich des Mittagessens gerecht zu werden.

Der offenen Ganztagsschule komme künftig als Ort des Lebens und Lernens eine besondere Bedeutung zu, erklärt das Rathaus in einer Informationsvorlage an die Politik. Vor allem die Grundschüler verbringen demnach „einen Großteil ihrer wachen Zeit“ in den Schulen. Was dies bedeutet, erklärt die Schulverwaltung so: Lernen brauche „eine anregende, strukturierte, sichere, gesunde und ästhetisch gestaltete Umgebung“. Darum müsse die Schule im Ganztag Aufenthaltsqualität bieten.

Mit den Schulleitungen seien die Raum- und Möbelkonzepte abgesprochen worden, versichert Vogt. Diese Gespräche seien von pädagogischen Beratern begleitet worden.

Beratung erhalten die Schulen laut Vogt auch bei der künftigen pädagogischen Arbeit. Bei den Neuerungen in diesem Bereich gehe es unter anderem um die Verzahnung von reinen Schulangeboten und der Betreuung im offenen Ganztag. | Standpunkt

Solingen: Für sieben Schulstandorte werden die Pläne konkreter

Da der Investitionsstau in den Schulen groß sei, werde im Moment viel angepackt, erklärt Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schulen. Laut Stadtkämmerer Ralf Weeke (SPD) müsse die Stadt rund 300 Millionen Euro ausgeben. Für sieben Standorte liegen jetzt Machbarkeitsstudien vor:

  • Schützenstraße: An der Grundschule Schützenstraße wird der Altbau saniert, ein Neubau soll zusätzlich an der Straßenfront errichtet werden. (Gesamtkosten: 20 Millionen Euro).
  • ACG: In der Alexander-Coppel-Gesamtschule wird an fast allen Gebäuden umgebaut. Auch ein Neubau ist geplant (15,2 Millionen Euro).
  • Kreuzweg: An der Grundschule Kreuzweg wird der Altbau kernsaniert, ein Erweiterungsbau soll auf der anderen Seite der Lehner Straße entstehen (9 Millionen Euro).
  • Uhlandstraße: Sanierung des Altbaus und Anbau an der Stirnseite kosten rund 9 Millionen Euro.
  • Weyer: Altbausanierung und ein Neubau auf dem Schulhof der Grundschule Weyer kosten 8,1 Millionen Euro.
  • Bogenstraße: Zwei zusätzliche Grundschulzüge werden an der Bogenstraße in einem Neubau unterkommen. Auch der Altbau wird umgebaut (4,8 Millionen Euro).
  • Gerberstraße: An der Grundschule Gerberstraße werden der Altbau saniert und das Nebengebäude aufgestockt (4,7 Millionen Euro).

Einen Schritt weiter ist man beim Schulzentrum Vogelsang. Für dessen Neubau sind 100 Millionen eingeplant. Dort soll zwar erst ab 2025 gebaut werden. Millionenbeträge sind aber bereits in die Haushalte der kommenden Jahre eingeplant. Die Mittel für millionenschwere Ausschreibungen müssten schon zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe bereitgestellt werden, erklärt Rathaussprecher Thomas Kraft. Zu beachten sei auch, dass die Planungsleistungen finanziell „durchaus aufwendig“ seien.

Auch sechs weitere Schulen sollen umgebaut werden. Für die Grundschule Aufderhöhe, die Albert-Schweitzer-Realschule, die Theodor-Heuss- Realschule und die Friedrich-Albert-Lange-Schule arbeiten Architekturbüros an Machbarkeitsstudien. Für die Sekundarschule Central und die Grundschule Katternberger Straße läuft das Vergabeverfahren für solche Studien.

Standpunkt: Moderne Zeiten

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Andreas Tews

An den Solinger Schulen scheinen moderne Zeiten anzubrechen. Nicht nur technisch entwickelt sich durch das vom Land NRW unterstützte Digitalisierungsprogramm der Stadt einiges. Auch baulich sind im Zuge der Schulentwicklungsplanung etliche Veränderungen vorgesehen. Auf einen aktuellen Stand kommen nicht nur das derzeit im Umbau befindliche Gymnasium Schwertstraße und danach auch das Schulzentrum Vogelsang. Auch viele andere Schulen hat die Schulverwaltung im Blick. Mit den modernisierten Standorten können auch pädagogische Veränderungen einhergehen. Der Bildungsstandort Solingen und vor allem künftige Schülergenerationen werden davon profitieren. Vergessen dürfen die Verantwortlichen dabei nicht die Auswirkungen auf die jetzigen Schüler. Sie müssen jeweils jahrelang mit Baustellen leben. Für sie arbeitet die Stadt an Interims- und Ausweichkonzepten. Auch die sollen zeitgemäß sein und mit den Schulen abgestimmt werden. Bleibt im Interesse der Schüler zu hoffen, dass es den Verantwortlichen gelingt, tragfähige Lösungen zu finden.

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