Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Schulsozialarbeit möchte Folgen der Pandemie aufarbeiten

Ingrid Bruchhaus, Melanie Cybulla-Rathgeb und Kerstin Pillen (v.l.) arbeiten am Humboldtgymnasium an Präventionskonzepten. Foto: Michael Schütz
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Ingrid Bruchhaus, Melanie Cybulla-Rathgeb und Kerstin Pillen (v.l.) arbeiten am Humboldtgymnasium an Präventionskonzepten.

Lockdown und Digitalunterricht haben die schulische und soziale Entwicklung der Kinder beeinflusst. In den Schulen werden nun Angebote geschaffen, um die Folgen der Pandemie aufzuarbeiten.

Von Jonathan Hamm

Solingen. So langsam kehrt in den Schulen Solingens wieder etwas Normalität ein. Lockdowns und Digitalunterricht gehören der Vergangenheit an. Doch die letzten beiden Jahre haben nicht nur Einfluss auf das Lernen der Schüler genommen, auch die soziale Entwicklung wurde beeinflusst. Nun bemühen sich die Schulsozialarbeiter darum, diese Lücke zu schließen.

Die Schwierigkeiten, mit denen die Kinder in den Zeiten der Pandemie zu kämpfen haben, ähneln sich: „Da gibt es keinen Unterschied beim Alter, da ist es egal, ob erste oder achte Klasse“, stellt Anke Häußler fest. „Den Kindern fehlten soziale Interaktionen.“ Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet an zwei Grundschulen, ist etwa für zehn Stunden pro Woche an der Grundschule Uhlandstraße in Aufderhöhe mit ihren 386 Schülern tätig.

Wie das Coronavirus Kindheit und Jugend in Solingen belastet

Nun sei es ihre Aufgabe, dass sich die Kinder in der Schule „wieder heimisch fühlen“. Als die Schüler im Kinder- statt im Klassenzimmer unterrichtet wurden, versuchte die beim Caritasverband angestellte Schulsozialarbeiterin vor allem, telefonischen Kontakt zu den Schülern und ihren Familien zu halten, beriet so überforderte und besorgte Eltern und versuchte, die Kinder aus der Ferne so gut wie möglich zu unterstützen.

Da jetzt wieder bis auf ein paar Quarantänefälle geschlossen im Klassenverband unterrichtet wird, ist ihre oberste Priorität, bei den Schülern präsent zu sein und Vertrauen aufzubauen. Angefangen mit einfachen Gesprächen, bis hin zur Unterrichtsbegleitung bei Kindern, denen es emotional nicht gut geht. „Das wichtigste ist, immer ein offenes Ohr zu haben“, betont Anke Häußler. Dabei steht sie im engen Austausch mit den Klassenlehrern und natürlich auch den Kindern, die sich beispielsweise über den Sorgen-Briefkasten vor ihrem Büro an sie wenden können.

Unterstützung erhält sie unter anderem vom Kinder- und Jugendtreff an der Friedenstraße, mit dem gemeinsam ein Sozialkompetenztraining durchgeführt wird. Kommunikation und Zusammenhalt in den sich wieder gemeinsam eingefundenen Klassen sollen in bis zu vier Einheiten gefördert werden. Zudem stellte das Land NRW Ende Januar Bildungsgutscheine zur Verfügung, die bei einem Nachhilfeinstitut eingelöst werden können und an der Grundschule in Ohligs bereits komplett an die Familien der Kinder mit Bedarf verteilt wurden.

Verunsicherungen oder Lernblockaden waren Folgen

Dass alle Altersgruppen von den Problemen dieser Zeit betroffen waren, bemerkte man ebenfalls am Humboldtgymnasium. Auch dort fielen während der Schulschließungen neben persönlichen Beratungsgesprächen auch Angebote wie beispielsweise Aktionen gegen Suchtprävention, Cybermobbing oder für Medienkompetenz pandemiebedingt aus. Bei einigen Schülern habe eine allgemeine Verunsicherung geherrscht, und zum Teil seien auch Lernblockaden aufgetreten.

Nun arbeite das Team um Kerstin Pillen, Ingrid Bruchhaus, Melanie Cybulla-Rathgeb und Stephan Meuthen gemeinsam mit der Schülervertretung daran, neue Konzepte für Prävention und Beratung wie beispielsweise Infoveranstaltungen zum Thema Depressionen zu entwickeln.

Auch der „Humcast“, ein von den Schülern geführter Schul-Podcast, soll dabei helfen, schwierige Themen aufzuarbeiten. Dass die Kinder nun trotz der weiterhin angespannten Lage und verschiedener Auflagen wieder in die Schule dürfen, befürwortet auch Anke Häußler. Denn obwohl die Pandemie „ein Stück Alltag“ geworden sei, gelte es nun, „alles an Lernförderung auszuschöpfen“ und den Kindern „so viel Normalität wie möglich zu bieten“.

Auch an der Grundschule werden die Schüler mit einbezogen. So können Freiwillige aus der dritten oder vierten Klasse eine kleine Ausbildung zum „Pausenengel“ machen, in der sie lernen, eigenständig Mitschülern bei Problemen oder Anliegen zur Seite zu stehen. Förderung für die Schulen zur Entwicklung weiterer Konzepte kommt unter anderem von der Bundesregierung, die im Zusammenhang mit dem ins Leben gerufenen Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ den Schulsozialarbeitern zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellt und somit beispielsweise an der Grundschule Uhlandstraße einen afrikanischen Trommel-Workshop ermöglichte. Das Ziel dieser Investition ist es, das soziale Lernen und das gemeinsame Miteinander der Kinder nach den Pandemie-Einschränkungen zu fördern. „Für die Kinder war es ein tolles Erlebnis“, resümiert Anke Häußler.

Projekt: Aufbruch

Lernen in der Pandemie: Das Solinger Tageblatt beteiligt sich an dem landesweiten Projekt „Aufbruch: Lernen in der Pandemie“. Dabei berichten Klassen journalistisch über das Lernen in der Corona-Zeit. Aus Solingen machen Klassen der Albert-Schweitzer-Realschule und der Gesamtschule Höhscheid bei dem Projekt mit.

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