Pandemie

Inzidenz 159,5: Schulen in Solingen starten ab Montag in Wechselunterricht

Schüler, Lehrer und Eltern müssen noch bis Samstag abwarten, ob die Schultore, wie hier an der August-Dicke-Schule, sich am Montag wieder für alle Jahrgangsstufen öffnen. Foto: Christian Beier
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Schüler, Lehrer und Eltern mussten lange abwarten, ob sich die Schultore, wie hier an der August-Dicke-Schule, am Montag wieder für alle Jahrgangsstufen öffnen.

Update Samstag, 8. Mai: Inzidenz unter 165 - Schulen öffnen also wieder

Solingen. Die Schulen in Solingen können am Montag in den Wechselunterricht zurückkehren. Das Robert-Koch-Institut gibt die Inzidenz für Solingen am heutigen Samstag mit 159,5 an - sie liegt damit wieder unter dem entscheidenden Wert von 165. Damit sind die Voraussetzungen für die Rückkehr zum Wechselunterricht gegeben. Die Stadt Solingen will die Schulen im Laufe des heutigen Samstages informieren. Wir berichten weiter.

Unser Text vom 7. Mai:

Solingen. „Wir stehen selbst enttäuscht und seh’n betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen“, mit diesem Zitat von Bertolt Brecht könnte die Situation rund um die mögliche oder nicht mögliche Schulöffnung am kommenden Montag beschrieben werden, vor der die Stadtspitze am Donnerstagnachmittag bei ihrer digitalen Pressekonferenz stand. Denn erst am Samstagmorgen, wenn das Robert-Koch-Institut (RKI) den offiziellen Inzidenzwert für Solingen veröffentlicht, wird die Entscheidung fallen. „Wir wissen, dass das für die Schulen eine schwierige Situation ist“, betont Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne). Im Gespräch mit dem Schulleiter-Sprecherrat sei deutlich geworden, dass die Schulen sich, so gut es geht, auf den Wechselunterricht vorbereiten – ohne zu wissen, ob er am Montag starten darf.

50 543 Solinger haben eine erste Corona-Impfung erhalten, 14 337 von ihnen auch schon die Zweitimpfung.

Der Hintergrund: An fünf Werktagen in Folge – Donnerstag und Freitag vergangener Woche, sowie Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche – lag die Solinger Inzidenz unter 165. Gemäß dem Bundesgesetz wäre damit ein Start in den Wechselunterricht ab Montag möglich. Dass es zwischenzeitlich noch Verwirrungen zwischen dem NRW-Gesundheitsministerium und dem RKI gegeben hatte, ob für vergangenen Donnerstag die Tagesmeldung (163,3) oder die Nachmeldung (166,1) zählt, spielt nur eine Nebenrolle.

Solingen: Schulen werden am Samstag „schnellstmöglich“ informiert

Am Donnerstag lag die Inzidenz mit 169,6 allerdings über dem Schwellenwert. „Und auch für Freitag ist von einer Inzidenz über 165 auszugehen“, erklärte Guido Krämer vom Gesundheitsamt mit Blick auf die Neuinfizierten-Zahlen. Käme dann am Samstag noch ein Über-165-Tag hinzu – also drei Tage (nicht Werktage) in Folge – würde die Bundesnotbremse greifen. Folge: Die Schulen blieben weiter im Distanzunterricht. „Wir werden die Schulen Samstag schnellstmöglich informieren“, mehr konnte Rechtsdezernent Jan Welzel (CDU) am Donnerstag nicht versprechen.

Eine eindeutigere Richtung, nämlich weiter nach oben, gibt es hingegen bei den Impfungen. 50 543 Menschen haben bislang im Solinger Impfzentrum und den Arztpraxen eine Erstimpfung erhalten, 14 337 von ihnen auch schon eine Zweitimpfung. Da die Gruppe der Über-70-Jährigen schon weit durchgeimpft sei oder sich auf die Hausärzte verlagere, würden im Impfzentrum jetzt den Beschäftigen des Lebensmittelhandels, den Lehrern der weiterführenden Schulen und Mitarbeitern der Justiz Impfangebote gemacht.

„Die Über-60-Jährigen, die ebenfalls zur Priorität 3 gehören, können jedoch derzeit keine Termine für das Impfzentrum über die Kassenärztliche Vereinigung machen, sondern nur in den Hausarzt-Praxen“, erklärt der Leiter des Impfzentrums, Udo Stock. Ab dem 7. Juni sollen auch Betriebsärzte ins Impfen einbezogen werden. „Wir hoffen, dass viele Unternehmen einsteigen und somit weiter Fahrt aufgenommen wird“, so Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Deren Impfmengen werden nämlich, ähnlich wie bei den Hausärzten, direkt beim Land bestellt. Auch für Stadtteile mit erhöhtem Infektionsgeschehen sei ein geringes Sonderkontingent in Aussicht gestellt, so Stock.

„Gerade bei den Mitarbeitern im Lebensmittelhandel, die sich seit dieser Woche um einen Impftermin bemühen können, ist die Erleichterung groß“, berichtet André Pauli von Edeka Pauli im Hofgarten. Per Aushang habe man die Mitarbeiter über den Ablauf informiert und stelle die nötigen Bescheinigungen aus. Einen gemeinsamen Termin für die Belegschaft gebe es nicht. Die Angestellten kümmern sich selbst darum. „Natürlich auf freiwilliger Basis“, betont Pauli. So handhaben es auch die Supermarktkette Rewe sowie die Aldi-Märkte in der Region. Zumindest solange die Betriebsärzte noch nicht in den Impfprozess eingebunden sind, erklärt ein Sprecher des Discounters.

Hintergrund

Infektionen: Am Donnerstag gab es 36 Neuinfektionen in Solingen. Auch zwei Solinger Unternehmen sind von vermehrten Fallzahlen betroffen. 66 Prozent stecken sich nachweislich in den Familien an.

Virus: In 85 Prozent ist eine Mutation nachgewiesen, nicht alle Labore sequenzieren die Tests.

Standpunkt

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Das Gerangel um den Schwellenwert von 165 ist für betroffene Schüler, Eltern und Lehrer nur schwer zumutbar. Wie wichtig wäre es, wieder verlässlichen Unterricht, in welchem Umfang auch immer, anbieten zu können. Aber die seit Monaten geforderte und jetzt umgesetzte, einheitliche Regel ist nun mal eine Regel. 165 ist 165 – nicht mehr und nicht weniger. Stellt sich die Frage, ob gerade bei der Bildung und Kita-Betreuung dieser fixe Schwellenwert sinnvoll ist. Oder ob man sich nicht besser getraut hätte, den Umfang des Unterrichts zu fixieren – mit Umsicht, Hygienemaßnahmen aber unabhängig vom Inzidenzwert. Also: Vier Wochen Wechselunterricht, dann schauen, welche Auswirkungen das auf die Inzidenz hat, und – wenn nichts dagegen spricht – die nächsten vier Wochen. Über 50 000 zumindest einmal geimpfte Solinger, Testkapazitäten an den Schulen und in den Stadtteilen sowie 25 Grad am Wochenende sprächen dafür. Alle Betroffenen wünschen sich eine Perspektive und Verlässlichkeit, aber Kinder und Jugendliche, die so arg von der Pandemie betroffen sind, hätten es besonders verdient.

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