Pandemie

Schulen gehen ab Montag den Solinger Weg

Elke Mosebach-Garbade unterrichtet ihren Q2-Biologie-Leistungskurs derzeit mit viel Abstand im Forum der „Scholle“. Foto: Christian Beier
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Elke Mosebach-Garbade unterrichtet ihren Q2-Biologie-Leistungskurs derzeit mit viel Abstand im Forum der „Scholle“.

Verschärfte Quarantäneregel macht die Planungen schwieriger.

Solingen. Am 30. Oktober – vor viereinhalb Monaten – hat die Stadt mit den Schulen den sogenannten „Solinger Weg“ vorgestellt. Die Idee, die Klassen zu teilen und im Wechsel in der Schule und zu Hause zu unterrichten, war damals vom NRW-Schulministerium kassiert worden und hatte landesweit für Aufsehen gesorgt. Ab Montag wird der Solinger Weg jetzt doch beschritten. Dann kehren auch die Klassen 5 bis 9 und die EF in die Schulen zurück. Die Grundschüler sowie die Abschlussjahrgänge 10, Q1 und Q2 sind schon seit dem 22. Februar wieder wechselweise in den Schulen.

„Das wird eine Herausforderung für die Schulen“, so Solingens Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne). Anders als im Herbst, als Becker das Wechselunterrichts-Konzept mitentwickelt hatte, gebe es jetzt andere Voraussetzungen. Besonders die Quarantäneregeln wurden vom Robert-Koch-Institut mit Blick auf die ansteckendere Virusmutation verschärft. „Bei einem positiven Coronafall muss die Klasse oder der Kurs 14 Tage in Quarantäne, ohne mit Negativ-Test verkürzen zu können“, erklärt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit. Das gilt auch, wenn Abstandsregeln, Lüften und Maskenpflicht eingehalten wurden. Auch dass ein zweiter Negativ-Test am 13. Tag vorliegen muss, um wieder in die Schule zu dürfen, ist neu.

Da auch die Lehrer von der Quarantäne betroffen sind, hatte das in den vergangenen drei Wochen für erhebliche Ausfälle in den Abschlussjahrgängen verschiedener Schulen geführt. „Bei uns ist noch bis zum Ende dieser Woche und teilweise bis Montag der gesamte Jahrgang 10 in Quarantäne“, erklärt Elke Mosebach-Garbade, Leiterin der Geschwister-Scholl-Gesamtschule. Die Ansteckungen seien von außen gekommen. „Eine Ausbreitung in der Schule gab es zum Glück nicht“, lobt sie die Hygienemaßnahmen.

Gamze Ari besucht die Klasse 10d der „Scholle“. „Unsere Klasse ist jetzt schon das dritte Mal in Quarantäne und der Präsenzunterricht mit so vielen Kontakten bleibt ein großes Risiko“, so die Schülerin.

Solingen: Schulen haben individuelle Pläne erstellt

Für Montag haben die Schulen auch den Plan für die Mittelstufe erstellt. „Da das Ministerium jetzt den Schulen Freiheiten lässt, muss man schulinterne Lösungen finden“, so die Schulleiterin. Wie der Unterricht funktioniert, darüber haben sich die Schulen teilweise abgestimmt. „So wird es einen wochenweisen Wechsel der Klassenhälften geben, damit die Lehrer nicht zu viele Kontakte haben“, erklärt Mosebach-Garbade. Die Grundschulen wechseln meist tageweise.

Andere Dinge müssen individuell gelöst werden. „Wir können beispielsweise keine Pausen verkürzen, weil unsere Lehrer dann nicht zwischen den Standorten Ohligs und Aufderhöhe wechseln können“, so die „Scholle“-Leiterin. Für die Gesamtschulen problematisch ist, dass die Klassen nicht mehr leistungsmäßig in G- und E-Kurse geteilt werden dürfen. „Ich habe die Anfrage in Düsseldorf gestellt, zumindest die 10er, die kurz vor den zentralen Prüfungen stehen, in Distanz zu unterrichten. Das gibt die Ausführung der Ministerin aber leider nicht her.“

Auch für die Wahlpflichtfächer, in den Gesamtschulen das vierte Hauptfach, darf die Gruppe nicht mehr aufgeteilt werden. Französisch, Naturwissenschaften, Darstellen und Gestalten sowie Technik müssen also gemeinsam in einem Raum mit vorbereiteten Materialien der Lehrer stattfinden.

Ganz eng wird es für die Jahrgangsstufe Q2, die eigentlich vor den Osterferien ihren letzten Schultag vor dem Abitur hat. Für sie gibt es jetzt nach den Ferien zwei „Zusatzwochen“, in denen die vier Abi-Fächer vertieft unterrichtet werden.

Große Kurse auf zwei Räume aufteilen, Quarantäne-Schüler zu Hause mit Material versorgen – die Schulen versuchen alles. „Aber gerade in der Oberstufe kann man eine Durchmischung nicht verhindern“, so Mosebach-Garbade.

Betroffene Eltern hatten sich mit dem Wunsch nach Tests in den Schulen an die Stadt gewandt. Jetzt hat das Land angekündigt, ab Dienstag wöchentliche Tests für alle Schüler zur Verfügung zu stellen. „Aber nach wie vor gibt es keine gestaffelten Anfangszeiten oder getrennte Pausen“, so ein Vater, der Kinder an der August-Dicke-Schule und am Gymnasium Schwertstraße hat. Um mehr Klarheit über die Infektionsgefahr an den Schulen zu bekommen, wünscht er sich auch Transparenz bei den Ergebnissen der Reihentests.

Tests in Schulen

Selbsttests: In seiner aktuellen Schulmail hat das Land am Donnerstag mitgeteilt, den Schulen landesweit 1,8 Millionen Corona-Selbsttests zur Verfügung zu stellen. Diese sollen ab nächster Woche bis zu den Osterferien genutzt werden können. Die Schüler sollen die Tests unter Aufsicht der Lehrer im Unterricht selbst vornehmen.

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