Gestiegene Baukosten

Schulausbau: 25 gehen vorerst leer aus

An der Augustastraße soll eine neue Grundschule errichtet werden.
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An der Augustastraße soll eine neue Grundschule errichtet werden.

Nur acht Schulen können erweitert werden – neue Grundschule geplant.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die Stadt Solingen muss das Programm für die Sanierung der Schulen abspecken: Sie muss wegen gestiegener Kosten zwar rund 80 Millionen Euro mehr ausgeben, kann aber weniger bauen. Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne) und Kämmerer Daniel Wieneke stellten die aktualisierte Schulentwicklungsplanung am Dienstag vor.

Das Schulzentrum Vogelsang wird komplett neu gebaut.

379 Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren in neun Schulen investiert werden: Neben dem Schulzentrum Vogelsang und der Erika-Rothstein-Schule profitieren vor allem Grundschulen. Sechs sollen ausgebaut, eine weitere neu errichtet werden. Weitere Schulen können vorerst nicht erweitert werden, obwohl das der Plan von 2019 vorsah. „Wir müssen eine Priorisierung vornehmen, was wir uns leisten können“, sagte Becker.

Warum muss der Schulentwicklungsplan abgespeckt werden?

Grund seien unter anderem die enorm gestiegenen Baupreise. Seit 2019 seien die Materialpreise um 30 Prozent teurer geworden, erklärte Matthias Knospe, Leiter des Gebäudemanagements. Hinzu komme der Fachkräftemangel im Bausektor, der auch die Verwaltung betrifft. Und: Weil für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen (OGS) ab 2026 ein Rechtsanspruch gilt, müssten die OGS-Gruppen massiv ausgebaut werden. An den Grundschulen sieht die Stadt zudem wegen steigender Geburtenzahlen und dem Zuzug Geflüchteter großen Ausbaubedarf.

An welchen Grundschulen soll investiert werden?

Am Rennpatt sind Klassen der Erika-Rothstein-Schule ausgelagert.

Die Grundschulen Gerberstraße, Uhlandstraße, Weyer, Schützenstraße und Bogenstraße bekommen Erweiterungsbauten, bei den beiden letzten wird auch die Zügigkeit erhöht. Die Grundschule Kreuzweg soll am Hauptstandort konzentriert werden, die Dependance in Mittelgönrath wegfallen. Gesamtpaket: 123,4 Millionen Euro. Alle sechs Maßnahmen wurden an einen Generalplaner vergeben. Hinzu kommt eine neue, vierzügige Grundschule, die für 50,3 Millionen Euro voraussichtlich an der Augustastraße gebaut werden soll.

Tage der offenen Tür: Weiterführende Schulen in Solingen stellen sich vor

Was ist noch geplant?

Es bleibt dabei: Das marode Schulzentrum Vogelsang mit Gymnasium und Realschule Vogelsang soll neu gebaut werden. Die Kosten steigen deutlich – von 100 auf rund 185 Millionen Euro. Und es wird später: „Wir können frühestens 2026/27 anfangen zu bauen, weil beide Schulen komplett ausgelagert werden müssen“, erklärt Oliver Vogt, Leiter der Schulverwaltung. Die Ausweichgebäude am Rennpatt und an der Krahenhöhe würden jedoch zuvor für die Auslagerung von Grundschulen gebraucht. Die Erika-Rothstein-Förderschule, die derzeit auf drei Gebäude verteilt ist, soll auf einen (Deller Straße) oder zwei Standorte (Deller und Wittkuller Straße) konzentriert werden. Kosten: 20,2 Millionen Euro.

Wer geht erstmal leer aus?

Die Grundschule Bogenstraße soll um zwei Züge erweitert werden.

Zurückgestellt werden unter anderem der Neubau für die Grundschule Aufderhöhe und die Erweiterung der Schule Katternberger Straße. Albert-Schweitzer-Realschule und Theodor-Heuss-Schule werden ebenso wenig erweitert wie Alexander-Coppel-Gesamtschule und Friedrich-Albert-Lange-Schule. Auch die geplanten zwei weiteren Züge für die Gesamtschule Höhscheid kommen vorerst nicht. „An 25 Schulen können wir keine großen Maßnahmen machen“, räumt Oliver Vogt ein. Obwohl sie ebenfalls als notwendig eingestuft werden. Wenn die neun priorisierten Schulen fertig seien, soll ein Zeitplan für die übrigen erstellt werden. So sei in Mitte eigentlich noch eine weitere, neue Grundschule nötig.

Was passiert in der Sekundarstufe I (ab Klasse 5)?

„2026 kommt der starke Jahrgang der jetzigen ersten Klassen an die weiterführenden Schulen“, sagt Vogt. Zusätzliche Züge werde es bis dahin nicht geben, bestätigt Dagmar Becker. „Wir müssen mit den Schulen überlegen, wie wir die zusätzlichen Schulplätze hinbekommen und werden dafür Übergangslösungen finden müssen.“

Wie wird das Programm finanziert?

Vor allem über Kredite. Die 2019 beschlossenen Investitionen über 300 Millionen Euro wurden von der Bezirksregierung Düsseldorf genehmigt. Am Donnerstag habe er dort einen Termin, um die Erhöhung auf 379 Millionen Euro zu besprechen, so Kämmerer Daniel Wieneke.

Investitionen

Die Stadt Solingen hat 40 Schulen an 52 Standorten. In den vergangenen Jahren wurde bereits investiert. Aktuell laufen Bauprojekte mit einer Gesamtinvestition von 75,3 Millionen Euro an den drei Berufskollegs, der Alexander-Coppel-Gesamtschule und am Gymnasium Schwertstraße.

Standpunkt von Anja Kriskofski: Aufgabe von Jahrzehnten

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Anders als bei der Verkündung des Schulsanierungsprogramms vor drei Jahren war die Stimmung bei den Stadtvertretern gestern eher verhalten als stolz. Kein Wunder: Zwar wird viel mehr Geld investiert als 2019 geplant. Doch mit den 380 Millionen Euro lässt sich weniger umsetzen als mit den damals angepeilten 300 Millionen. Einige Schulen, denen ein Neubau, eine Erweiterung oder eine neue Sporthalle angekündigt wurde, schauen nun erstmal in die Röhre.

Die aktualisierte Planung wird viele enttäuschen. Es spricht einiges dafür, bei den Grundschulen verstärkt anzusetzen. Weil dort 2026 der Rechtsanspruch für die Ganztagsbetreuung ansteht und weil die Klassen mit bis zu 30 Kindern schon jetzt sehr voll sind. Doch auch an den weiterführenden Schulen wird es in den kommenden Jahren eng. Die Stadt hält Baumaßnahmen an 25 weiteren Schulen für notwendig – neben den neun, die als nächstes angepackt werden. Das zeigt vor allem eins: Sie alle zu modernisieren und zu erweitern, ist keine Aufgabe von Jahren, sondern eher von Jahrzehnten. 

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