Projekt „Aufbruch – Lernen in der Pandemie“

Schüler machen sich Gedanken über die Corona-Zeit hinaus

Die Schülerinnen Cyrielle und Nicole haben gezeichnet, wie sie Unterricht während des Lockdowns wahrgenommen haben – und wie sie ihn sich wieder wünschen.
+
Die Schülerinnen Cyrielle und Nicole haben gezeichnet, wie sie Unterricht während des Lockdowns wahrgenommen haben – und wie sie ihn sich wieder wünschen. 

Gesamtschule Höhscheid war als Klasse bei einem Projekt von Land und ST dabei. Das denken die Jugendlichen über Lockdown, Schulschließung und die Zeit danach.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Kinder und Jugendliche waren mit die Haupt-Leidtragenden in der Corona-Pandemie, die nunmehr seit mehr als zwei Jahren andauert. Sie haben während der Phasen von Lockdown, Schulschließungen und Homeschooling auf besonders viel verzichten müssen – in den Schulen und auch in ihrer Freizeit. Auch wenn der Schulbetrieb vor Ort seit Monaten wieder läuft, so wird doch jetzt an vielen Stellen deutlich, welche Defizite durch die Corona-Pandemie aufgelaufen sind.

Passend dazu: Wie das Coronavirus Kindheit und Jugend in Solingen belastet

Sich mit diesen Corona-Auswirkungen zu beschäftigen, war die Idee des Projektes „Aufbruch – Lernen in der Pandemie“, das vom Solinger Tageblatt angeboten und vom NRW-Schulministerium gefördert wurde. Schülerinnen und Schüler sollten dabei selbst zu Wort kommen – auch als Berichterstatter. Die pädagogische und organisatorische Projektbetreuung hat das IZOP-Institut übernommen, das sich mit Schulprojekten beschäftigt. Drei Monate lang lief das Projekt in diesem Frühjahr. Für diese Zeit erhielten die Schüler ein kostenloses ePaper-Abo des Solinger Tageblatts. Solingen war neben Köln, Neuss, Bonn und Bielefeld eine von fünf NRW-Städten, die für das Projekt ausgewählt wurden.

Aus der Klingenstadt haben die Klasse 9a der Albert-Schweitzer-Realschule und die Klasse 10b der Gesamtschule Höhscheid sich im Rahmen des Projektes intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Höhscheider Gesamtschüler haben zudem Texte, Interviews (siehe unten) und Zeichnungen (oben) erstellt.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b haben Wünsche für die Zeit nach Corona formuliert.

Sportlehrer Holger Melchior im Interview: Leistungslücken bei der Ausdauer

Das Interview führten Mario und Marvin aus der Klasse 10b der Gesamtschule Höhscheid

Wie war Ihre Sicht zu den Vorschriften für den Unterricht während der Zeit der Pandemie?
Holger Melchior: Es war schwierig, Sportunterricht mit den geltenden Vorschriften zu gestalten. Man musste einiges umstrukturieren. Soweit es möglich war, konnte der Unterricht dennoch einigermaßen gut durchgeführt werden.
Wie groß waren die Leistungslücken, die wegen der Pandemie entstanden sind?
Holger Melchior: Es gab bei einigen Schülerinnen und Schülern Leistungslücken im Bereich der sportlichen Ausdauer. Diese entstanden höchstwahrscheinlich durch den Bewegungsmangel, welcher durch die Pandemie und das Homeschooling entstand.
Wie kamen Sie während des Online-Unterrichtes im Fach Sport zurecht?
Holger Melchior: Ich bin der Meinung, dass es mir recht gut gelang, die Schüler für den Sport, welcher zu Hause stattfand, zu motivieren.
Wie wünschen Sie sich die Schule nach Corona?
Holger Melchior: Ich wünsche mir, dass man keine Masken mehr im Kollegium und bei den Schülern sieht und auch bald wieder alles etwas entspannter ist als während der Pandemie.

Schulleiter Dirk Braun im Interview: Sozialverhalten hat sich durch die Pandemie verändert

Dirk Braun ist Leiter der Gesamtschule Höhscheid, die 2014 als jüngste Solinger Gesamtschule gegründet wurde.

Das Interview führten Kaan, Lisan, Mariano, Salih und Simon aus der Klasse 10b der Gesamtschule Höhscheid mit dem Schulleiter Dirk Braun.

Denken Sie, dass sich das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler während der Corona-Pandemie verändert hat?
Dirk Braun: Ja, das Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler hat sich während Corona deutlich verändert. Nach dem Lockdown waren zuerst alle froh, sich in der Schule wiederzusehen, dann wurde deutlich, dass einige Schüler in bestimmten Situationen aggressiver handeln und den respektvollen Umgang miteinander verlernt haben. Zudem wurde meiner Wahrnehmung nach weniger miteinander gesprochen. Außerdem gibt es bei einigen Kindern und Jugendlichen Depressionen oder Fälle von Burnout.
Was haben Sie als Schulleiter durch die Corona-Pandemie gelernt?
Dirk Braun: Ich als Schulleiter musste als erstes lernen, mit der allgemeinen Unsicherheit umzugehen. Die Organisation und Verwaltung, das Umsetzen der verschiedenen Vorgaben war während der Pandemie eine große Herausforderung und man hatte wenige Gelegenheiten, mal an etwas anderes zu denken, sondern musste auch die Wochenenden durcharbeiten. Wenn die Lernplattform Scobees schon früher entwickelt worden wäre, wäre dies für den Distanzunterricht in den Schulen ein Gewinn gewesen. Scoobes ist eine gut organisierte Lernplattform für Lehrkräfte und Schüler.
Wie gehen Sie mit den Lernrückständen um?
Dirk Braun: Ich finde, das ist ein sehr großes Problem. Vom Schulministerium müssen Vorgaben kommen. Ich hätte es gut gefunden, wenn gezielt Themen, zum Beispiel für die Abschlussprüfungen, gekürzt worden wären, um auf diese Lernlücken zu reagieren. Auch die neuen Fünftklässler haben viele Lernlücken. Wir haben durch die Lernbüros tolle Möglichkeiten, dies wieder aufzuholen, besser als im Frontalunterricht. Das Ministerium sollte uns darin unterstützen, in dieser Situation auch Mut zur Lücke zu haben, wir Lehrer wollen natürlich das umsetzen, was das Ministerium vorgibt.
Wie werden schulische Maßnahmen durch das Programm „Aufholen und Ankommen“ ergänzt?
Dirk Braun: Die Schule hat für das Projekt 27 000 Euro zur Verfügung bekommen. Jetzt muss zusammen in der nächsten Schulkonferenz überlegt werden, wofür man das Geld nutzt. Zum einen hatten wir die Idee, Trainer für soziale Kompetenz zu engagieren, gerade für Schülerinnen und Schüler, die durch die Pandemie Schwierigkeiten hatten, sich sozial einzufinden. Man könnte das Geld natürlich auch für Schulausflüge nutzen. Jedoch bezweifle ich, dass man am Ende, wenn das Geld ausgegeben ist, noch viel davon hat.
Eine weitere Idee wäre, Erlebnispädagogen zu engagieren und Geräte wie eine Kletterwand anzuschaffen, die im Unterricht eingesetzt werden können. Wichtig ist es, nachhaltige Dinge umzusetzen. Das Geld muss bis zum Ende des Jahres ausgegeben werden. Ein anderer Programmbestandteil ist es, zusätzlichen Unterricht in den Sommerferien anzubieten, außerdem werden zusätzliche Lehrerstellen geschaffen.
Wie wünschen Sie sich als Schulleiter Schule nach Corona?
Dirk Braun: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass sich der Online-Unterricht mit dem Präsenzunterricht vermischt und ergänzt, so dass alle Vorteile für den zukünftigen Unterricht verfügbar sind. Ebenfalls würde ich mir wünschen, dass sich das Sozialverhalten der Schüler wieder normalisiert und bessert. Auch erhoffe ich mir, dass unser neues Schulgebäude effizient genutzt wird und dass die Schüler respektvoll mit dem neuen Gebäude umgehen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Busse: Engpässe im Schulverkehr
Busse: Engpässe im Schulverkehr
Busse: Engpässe im Schulverkehr

Kommentare