Erstwähler haken konsequent nach

Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Torsten Küster (Friedrich-List-Berufskolleg) und Sinja Waldmann (Jugendstadtrat) moderierten die Veranstaltung mit (v.l.) Shoan Vaisi (Die Linke), Frederick Kühne (AfD), Dr. Robert Weindl (FDP), Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vaeckenstedt (Grüne) und Jürgen Hardt (CDU). Foto: Christian Beier
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Torsten Küster (Friedrich-List-Berufskolleg) und Sinja Waldmann (Jugendstadtrat) moderierten die Veranstaltung mit (v.l.) Shoan Vaisi (Die Linke), Frederick Kühne (AfD), Dr. Robert Weindl (FDP), Ingo Schäfer (SPD), Silvia Vaeckenstedt (Grüne) und Jürgen Hardt (CDU).

Kandidaten für die im Bundestag vertretenen Parteien waren zu Gast bei der Podiumsveranstaltung im Friedrich-List-Berufskolleg.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Mit interessanten Fragen, konsequentem Nachhaken und großem Interesse begegneten die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-List-Berufskollegs (FLBK) gestern Morgen den sechs Wahlkreis-Kandidaten für die Bundestagswahl. Zu der Podiumsdiskussion eingeladen hatte die Schule gemeinsam mit dem Jugendstadtrat, dem Ring politischer Jugend und dem kommunalen Integrationszentrum die im Bundestag vertretenen Parteien.

Nicht nur die Sitzordnung, auch die Reihenfolge der Eingangs- und Abschluss-Statements wurde ausgelost. Festgelegt hatte man sich auf die großen Themen Klimaschutz/Mobilität, Digitalisierung sowie soziale Gerechtigkeit/Wirtschaftspolitik. Die zweistündige Diskussion, an der im FLBK wahlberechtigte Schülerinnen und Schüler der Berufsschulklassen und des Wirtschaftsgymnasiums teilnahmen, wurde auch live gestreamt. 30 Klassen nutzten stadtweit die Chance, auf dem digitalen Weg dabei zu sein.

Beim Klima und der Begrenzung von CO2-Ausstoß betonte Robert Weindl die FDP-Position: „Technische Innovation wird helfen, um CO2 weltweit zu begrenzen.“ Auf solche Anreize setzt auch die CDU. „Es muss günstiger sein, in CO2-sparende Technik zu investieren, als CO2-Lizenzen zu kaufen“, so Jürgen Hardt.

Klimaschutz stößt bei den Schülern auf Interesse

Bei der Schüler-Frage, wie das in der Praxis in Privathaushalten umgesetzt werden kann, gingen die Meinungen auseinander. Shoan Vaisi von den Linken befürchtet, dass privater Verzicht nur wenig Einfluss aufs Klima hat, „wenn 71 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes von 100 Konzernen verursacht“ werde. Es komme trotzdem auf jeden Einzelnen an, konterte SPD-Mann und E-Bike-Fahrer Ingo Schäfer. Das unterstrich auch Silvia Vaeckenstedt von den Grünen: „Ich kaufe regional und saisonal ein, achte bei Kleidung auf lange und nachhaltige Nutzung und setze auf den Öffentlichen Nahverkehr.“

Ob es denn ressourcenschonend sei, funktionierende Autos von der Straße zu nehmen, um sie durch Elektroautos zu ersetzten, hakten die Erstwähler nach. Es gehe nicht darum, Verbrennungsmotoren sofort zu verbieten, sondern ab 2030 keine Neuzulassungen mehr zu haben, konkretisierte Vaeckenstedt. Wichtig sei es, beim Klimaschutz nicht mit Verboten zu kommen, sondern alle Menschen „mitzunehmen“, so Jürgen Hardt. „Das sozial, ökologisch und ökonomisch zu gestalten, da hoffe ich auf die Zusammenarbeit aller fünf demokratischen Parteien“, richtete er sich kritisch an die AfD. Deren Kandidat Frederick Kühne, der behauptete, es sei „wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass der Klimawandel ausschließlich von Menschen gemacht“ sei, hält es für falsch, ausschließlich auf Windkraft zu setzen. „Dann müssten wir die Zahl der Windräder verzehnfachen.“

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Um Klimaschutz schneller umzusetzen, wünscht sich Robert Weindl schlankere Verordnungen und schnellere Genehmigungen. Mehr Tempo erhoffen sich die Parteien auch bei der Digitalisierung. „Ich hätte mir mit Blick auf die Schulen kostenlose Geräte für alle Schüler gewünscht“, so Ingo Schäfer. Vor allen Dingen fehle es aber an der Digitalkompetenz der Lehrer, so Weindl. Dass Schulen professionelle IT-Unterstützung brauchen, darin waren sich alle einig.

Heftig diskutiert wurde auch bei der Schülerfrage nach möglichen Steuererhöhungen oder -senkungen. Für eine Steuererhöhung von drei Prozent ab einem Einkommen von 200 000 Euro stehen Ingo Schäfer und die SPD: „Die Pandemie hat 400 Milliarden Euro gekostet, das muss irgendwie bezahlt werden.“ Vaisi und die Linken plädieren zudem für eine Reichensteuer. „Wenn wir aber die Unternehmer mehr besteuern, dann würgen wir den Innovationsmotor ab“, gibt Robert Weindl zu bedenken. Jürgen Hardt möchte das CDU-Versprechen halten und den Solidaritätszuschlag abschaffen.

Werbung für die Wahl

Stream: Den Stream der Veranstaltung gibt es auch im Internet auf der Seite des Jugendstadtrates

www.jugendstadtrat.de

Veranstaltung: Am Donnerstag, 17 Uhr, findet im Garten des Hauses der Jugend, Dorper Straße 10, ein Summerchill zur Wahl statt.

Im Podcast: Grüne contra FDP - wofür stehen Vaeckenstedt und Weindl?

Bundestagswahl 2021: So soll die Digitalisierung im Bergischen vorankommen.

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