Tötungsdelikt

Schnittert: Angeklagter bestreitet Raubmord

Der 47-jährige Angeklagte weist die Tatvorwürfe im Wesentlichen zurück. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Der 47-jährige Angeklagte weist die Tatvorwürfe im Wesentlichen zurück.

Angebliche Mittäter sollen laut Beschuldigtem das Opfer erschlagen haben – eine 76 Jahre alte Seniorin.

Von Dirk Lotze

Solingen. Im Prozess um einen mutmaßlichen Raubmord in der Solinger Hofschaft Schnittert bestreitet der Angeklagte (47) die Tötung des Opfers. Eine 76 Jahre alte Seniorin war in ihrem Haus mit einem kantigen Gegenstand erschlagen worden. Der 47-Jährige machte am Freitag erstmals Angaben zu den Geschehnissen vor den Richtern im Landgericht Wuppertal: Er sei mit zwei weiteren Beteiligten zum Stehlen in die Hofschaft gekommen. Er habe vor dem Haus des Opfers gewartet und aufgepasst, bis er von den Komplizen dazu gerufen wurde: „Ich kam rein und die Frau lag da.“ Seine eigene Wertung dazu: „Ich weiß, ich hätte weglaufen sollen oder einen Arzt rufen. Ich habe das nicht getan, also bin ich genauso schuld.“

Solingen: Sohn fand seine Mutter während eines Routinebesuchs

Die Anklage geht davon aus, dass der drogenkranke 47-Jährige die Frau am 7. Februar 2020 eigenhändig erschlug, als sie ihn beim Stehlen im Haus überraschte. Sie habe mindestens elf schwere Schläge gegen den Kopf erlitten und sei im Flur liegen geblieben. Dort fand sie später ihr Sohn: Er war zu einem Routinebesuch gekommen und hatte einen Schlüssel zum Haus.

Der Angeklagte ist wegen Einbruchdiebstählen in Solingen vorbestraft und machte seine Angaben am vierten Tag des Mordprozesses. Er hatte bisher mehrfach mitteilen lassen, er könne noch nicht sprechen.

Laut den nun erfolgten Angaben flüchteten er und seine Mittäter auf getrennten Wegen zum Solinger Hauptbahnhof im Stadtteil Ohligs, wo sie sich wieder gesammelt hätten. Schmuck des Opfers habe er in einer roten Tasche dabei gehabt. Die Gruppe sei nach Wuppertal gefahren, habe einen Teil der Beute bei einem Hehler verkauft und anschließend Drogen konsumiert. Der 47-Jährige nannte Vornamen der angeblichen Mittäter und beschrieb sie. Die Gruppe habe über mehrere Monate in einem abbruchreifen Haus der Wuppertaler Innenstadt gelebt.

Die Komplizen sollen von Schwarzarbeit beim Bau gelebt haben. Auch gemeinsame Einbrüche habe es gegeben – in Einfamilienhäuser in Solingen-Merscheid und Wuppertal-Vohwinkel. Einige Tage nach der Tötung der Seniorin in Schnittert hätten sich die Beteiligten zerstreut. Sie hätten sich zuvor gegenseitig Stillschweigen versprochen, damit die Tat nicht aufgeklärt werden könne.

Die Angehörigen des Opfers reagierten mit ungehaltenem Kopfschütteln auf die Angaben des Mannes. Der sprach vor den Richtern zögerlich und mit leiser Stimme. Der Vorsitzende Richter verdeutlichte ihm: „Hier sitzen zwei Menschen im Saal, die ihre Mutter verloren haben. Sie haben gehört, was das mit denen macht. Ich denke, da haben Sie den leichteren Part, das jetzt zu erzählen.“ Das Gericht werde seine Version prüfen. Die Polizei habe bei Ermittlungen eine Vielzahl von Beobachtungen gemacht. Der Angeklagte solle sagen, was er zum Aufenthalt der möglichen Mittäter wisse. Der Richter erläuterte: „Ich denke, das wären interessante Zeugen.“ Das Gericht will am 18. Februar weiter verhandeln.

Mord in Schnittert: 46-Jähriger in U-Haft

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