LEG behob Mangel wochenlang nicht

Schmutzwasser und Fäkalien strömen in die Räume einer Solingerin

Carmen Paul – hier mit Tochter Deborah – hofft, dass die LEG nun für den Schaden an der Toilettenanlage aufkommt und die notwendigen Reparaturarbeiten durchführt. Foto: Christian Beier
+
Carmen Paul – hier mit Tochter Deborah – hofft, dass die LEG nun für den Schaden an der Toilettenanlage aufkommt und die notwendigen Reparaturarbeiten durchführt.

Irgendwie hat Carmen Paul sich in den vergangenen Wochen mit dem desaströsen Zustand in ihrer Wohnung arrangiert.

Von Kristin Dowe

Solingen. Wohl auch, weil ihr keine andere Wahl blieb. Die Solingerin ist Mieterin einer Wohnung im Gebäudekomplex am Hegelring in Wald, der von der Düsseldorfer LEG Immobilien AG betrieben wird. Am Morgen des 23. Oktober war sie gerade dabei, das Frühstück in der Küche zuzubereiten – so schildert sie die Situation –, als sie aus dem Badezimmer Wasserrauschen hörte. „Kurz darauf stand ich knöcheltief mit den Füßen im Wasser“, erinnert sie sich. Grund für die Überschwemmung: Die Toilette war übergelaufen, so dass die gesamte Wohnung der 56-Jährigen innerhalb weniger Minuten mit Schmutzwasser und Fäkalien überflutet war.

„Ich habe dann bei allen Nachbarn geklingelt und sie gebeten, ihre Toilettenspülung nicht mehr zu betätigen, weil das alles verschlimmert hätte“, so Paul. Sie habe noch versucht, einige Möbel in Sicherheit zu bringen, doch das Wasser habe bereits bleibende Schäden angerichtet. Unter anderem wurde die Badezimmertür verzogen und das mit Fäkalien versetzte Wasser sammelte sich unter dem Laminat. Die LEG habe sie sofort über den Vorfall informiert, diese versprach schnelle Abhilfe.

„Die Reparaturen werden nun umgehend durchgeführt.“
Mischa Lenz, LEG Immobilien

„Es geschah allerdings nichts“, ärgert sich Carmen Paul, die sich zudem in einer schwierigen familiären Situation befindet. Ihre 30-jährige Tochter ist geistig und körperlich schwer behindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Sie lebt im Heim, weil Carmen Paul ihre Betreuung wegen eigener gesundheitlicher Probleme nicht alleine stemmen kann, wird aber von ihrer Mutter gelegentlich auch zu Hause betreut. Zudem müsse sich die Solingerin regelmäßig um ihre jüngste, lebensverkürzt erkrankte Enkeltochter kümmern, die an einem Gendefekt leidet. „Ich kann nicht einfach mal eben so ins Hotel ziehen“, macht sie deutlich. Wirkliche Hilfe habe sie nur von ihrer 80-jährigen Nachbarin erhalten, die ihr nach Kräften tagelang beim Säubern der Wohnung geholfen habe.

Von der LEG habe sie hingegen keine Hilfe erhalten, um die Ursache des Problems zu beseitigen. Auf mehrmalige Anrufe und schriftliche Aufforderungen habe das Unternehmen über Wochen nicht reagiert. Zwar sei an jenem Tag ein Sanitärdienst in ihre Wohnung gekommen, dessen Mitarbeiter den Schaden provisorisch behoben hätten. Doch der technische Defekt, den Paul am Hauptfallrohr unter ihrer Wohnung vermutet, blieb weiter bestehen. Das Wasser sei nur wenige Tage später erneut wieder bedenklich hoch gestiegen.

Wohl hatte die LEG einen Gutachter zum Hegelring geschickt, um den Schaden zu beurteilen. Dieser habe die Wohnung laut Carmen Paul schlicht für „unbewohnbar“ erklärt. Auf eine umfassende Reparatur des Schadens und einen Austausch des Laminats wartet sie dennoch bislang vergeblich.

Die LEG äußert sich auf ST-Anfrage umfassend zu dem Fall. Man bedauere den Vorfall und die dadurch entstandenen Schäden, auch entschuldige sich das Unternehmen bei seiner Mieterin für die Unannehmlichkeiten sowie die Verzögerung im Hinblick auf die Reparaturarbeiten. Die LEG werde nun „schnellstmöglich mit Carmen Paul Kontakt aufnehmen und versuchen, im persönlichen Austausch eine Lösung zu finden“, teilt LEG-Sprecher Mischa Lenz schriftlich mit. Auch biete die LEG ihr für die Dauer der Reparaturen eine Ersatzwohnung oder ein Hotelzimmer auf Kosten des Unternehmens an. „Wir werden die Reparaturen nun umgehend durchführen lassen und bauen dabei auf die Kooperation und Unterstützung unserer Mieterin“, heißt es weiter.

Gleichzeitig macht die LEG in ihrer Stellungnahme Carmen Paul selbst für den Schaden verantwortlich: „Ursächlich für die Verstopfung waren unsachgemäß entsorgte Feuchttücher und somit die Handhabung beziehungsweise Nutzung unserer Mieterin selbst“, argumentiert die LEG. Zudem habe sich nach Darstellung des Unternehmens die Mieterin vier Wochen lang in Quarantäne befunden, so dass die Arbeiten nicht durchgeführt werden konnten.

Solingen: Schaden bestand offenbar schon beim Einzug

Beide Vorwürfe bestreitet Carmen Paul vehement: „Ich weiß, dass Feuchttücher nicht in die Toilette gehören und entsorge sie immer im Müll.“ Im Übrigen bestehe das Problem an der Sanitäranlage bereits seit ihrem Einzug – ihre Vormieterin habe in der Wohnung einen ähnlichen Vorfall erlebt. Eine Nachbarin bestätigt dies gegenüber dem Tageblatt. Auch widerspricht die Solingerin der Behauptung der LEG, die Arbeiten hätten sich durch mangelnde Kooperation ihrerseits zeitlich verzögert. „Das ist eine glatte Lüge.“

Rechtsanwältin Dr. Sibylle Disse, die Carmen Paul anwaltlich vertritt, ärgert sich über die aus ihrer Sicht relativierende Stellungnahme des Unternehmens. „Die LEG würde sich wohl kaum bei meiner Mandantin entschuldigen und ihr kostenlos ein Hotelzimmer anbieten, wenn sie sich keiner Schuld bewusst wäre.“

Frühere Fälle

Schon häufiger hatten sich Mieter von Wohnungen der LEG mit Beschwerden an die Redaktion gewandt. Im Januar berichtete das ST über ein Haus des gleichen Wohnkomplexes, in dem wochenlang ein Aufzug ausgefallen war und nicht repariert wurde. Teilweise mussten gehbehinderte Menschen aus den höheren Etagen mit einer Drehleiter der Feuerwehr aus ihren Wohnungen transportiert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Kripo-Chef sieht Solingen als eine Hauptwirkungsstätte krimineller Familienclans
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert
Corona: Solingen weiter mit landesweit höchsten Wert
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare