In Auschwitz ermordet

Schicksal eines NS-Opfers geklärt

Daniela Tobias vom Max-Leven-Zentrum und Armin Schulte vom Stadtarchiv konnten das bisher ungewisse Schicksal von Cilly Rosenbaum klären. Schon seit vielen Jahren erinnern Stolpersteine in Ohligs vor dem Haus Düsseldorfer Straße 46 an ihren Mann, den Schuhhändler Abraham Rosenbaum, und ihre Tochter Lia. 2022 soll nun ein dritter Stolperstein für die Ehefrau und Mutter im Pflaster verlegt werden. Foto: Christian Beier
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Daniela Tobias vom Max-Leven-Zentrum und Armin Schulte vom Stadtarchiv konnten das bisher ungewisse Schicksal von Cilly Rosenbaum klären. Schon seit vielen Jahren erinnern Stolpersteine in Ohligs vor dem Haus Düsseldorfer Straße 46 an ihren Mann, den Schuhhändler Abraham Rosenbaum, und ihre Tochter Lia. 2022 soll nun ein dritter Stolperstein für die Ehefrau und Mutter im Pflaster verlegt werden.

Die Solingerin Cilly Rosenbaum wurde in Auschwitz ermordet.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Zwei Stolpersteine sind seit 2006 vor dem Haus Düsseldorfer Straße 46 in Ohligs verlegt. Sie erinnern an den angesehenen Ohligser Schuhhändler Abraham Rosenbaum und seine Tochter Lia, die 1943 in Nizza – wo die jüdische Familie wohl auf ein Weiterkommen in die USA hofften – von der deutschen Gestapo aufgegriffen und in ein Sammellager gebracht wurden. Von dort ging es für sie und ihre Leidensgenossen in einem Eisenbahn-Transport in die osteuropäischen Vernichtungslager.

Ein dritter Stolperstein soll nun 2022 dort im Straßenpflaster der Fußgängerzone verlegt werden: Er wird an Cilly Rosenbaum erinnern, die Mutter von Lia und Ehefrau von Abraham. Bislang konnte über ihr Schicksal nichts ausgesagt werden, letzte Belege über sie waren bislang aus dem Jahr 1939 bekannt, als sie sich von Ohligs nach Düsseldorf abmeldete. Sie tauchte in keiner der verfügbaren Listen auf, ihre Spur schien endgültig verloren. 1939 war ihr Mann schon durch die sogenannte „Polenaktion“ über die Grenze nach Polen abgeschoben worden. Weil er in Rozniatow geboren worden war, galt er seit dem Ersten Weltkrieg als gebürtiger Pole und sollte als „unerwünscht“ abgeschoben werden. Dann verlieren sich seine Spuren zunächst.

„Schon lange waren wir an dem Verbleib von Cilly Rosenbaum interessiert, bisher ohne Ergebnis“, sagte Daniela Tobias, die schon lange für den Unterstützerkreis Stolpersteine für Solingen aktiv ist und den Vorsitz des 2019 gegründeten Vereins Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen innehat.

Sie sei bei den Recherchen zu ihrem Vortrag „Von Ohligs nach Auschwitz“ auf den Augenzeugenbericht eines damals kleinen Jungen gestoßen, mit dem Familie Rosenbaum in Nizza gemeinsam in der Villa Cottage Bellevue im Ortsteil Cimiez Unterschlupf gefunden hatte, berichtet sie. Dieser Joseph Sungolowsky war 1943, zusammen mit seinem Bruder, von Eltern und Schwester getrennt, gleichfalls dort „gestrandet“ und hatte die Razzia im Oktober 1943 unbehelligt überstanden. Offensichtlich war er von der Vermieterin des illegalen Schlupfwinkels gedeckt worden.

Gemeinsam mit Armin Schulte vom Stadtarchiv fügte Tobias die aus den Erinnerungen des Jungen gewonnenen Erkenntnisse zu dem Namen Cecile Rosenbaum, der auf der Liste des Transports Nr. 62 aufgeführt ist, der am 20. November 1943 nach Auschwitz fuhr. „Aus Cilly war wohl in Nizza Cecile geworden, außerdem war das Geburtsdatum falsch notiert“.

Familie Rosenbaum war früher gut in der Gesellschaft verankert

Für 2021 seien die zu verlegenden Stolpersteine für Solingen bereits verplant. Nun schauen Daniela Tobias, Armin Schulte und ihre Mitstreiter auf 2022. „Dann wird die Pandemie-Lage es dem der Künstler Gunter Demning hoffentlich möglich machen, wieder bei uns aktiv zu sein“, sagt Tobias.

Adolf beziehungsweise Abraham Rosenbaum war einer von vielen Ohligser Geschäftsleuten jüdischen Glaubens, die bis zur Nazi-Zeit gut situiert und in der Gesellschaft gut verankert in Solingen gelebt hatten. Für ihren Vortrag „Von Ohligs nach Auschwitz“ hat Daniela Tobias sich auf ihre Spuren gesetzt. „Viele jüdische Ladeninhaber sind wohlbehalten rechtzeitig vor der Shoah ausgewandert, zum Beispiel nach Palästina“, sagt sie. Adolf Rosenbaum hatte es nach seiner Abschiebung in ein polnisches Lager über Warschau und Brüssel bis nach Nizza geschafft. Dezidiert in einer Liste aufgeführt sind wertvolle Schmuckstücke wie eine goldene Damen- und Herrenuhr, Armbänder oder auch Ketten, die die Gestapo der Familie bei der Verhaftung abnahm. Offensichtlich Familienbesitz, der möglicherweise eine Überfahrt zum Beispiel in die USA finanzieren sollte.

Max-Leven-Zentrum

Max-Leven-Zentrum Solingen: Der aus dem Arbeitskreis „Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945“ hervorgegangene Verein hat das Ziel, durch die Schaffung einer zentralen Bildungs- und Gedenkstätte in Solingen die Erinnerung an die Arbeiterbewegung vor und während der Zeit des Nationalsozialismus, die Verfolgung und verschiedenen Formen des Widerstands während der NS-Zeit zu erinnern und das geschichtliche sowie das soziokulturelle Verständnis in der Bevölkerung zu fördern.

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