Corona-Krise

Schausteller aus Solingen hoffen aufs Weihnachtsgeschäft

Evelyn Darmann (kleines Foto) betreibt mit ihrem Mann Günter und drei Mitarbeitern derzeit ihren Imbissstand auf einem Grundstück im Industriegebiet Scheuren, um zumindest ein paar Einnahmen zu haben. Fotos: Michael Schütz
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Statt auf der Kirmes oder auf Volksfesten betreibt das Ehepaar Darmann seinen Imbissstand auf einem Grundstück im Industriegebiet Scheuren, um zumindest ein paar Einnahmen zu haben.

Mit Karussells, Bratwurst und gebrannten Mandeln ist derzeit nichts zu verdienen.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Der Karneval und das Frühlingserwachen Anfang März in Ohligs waren die letzten Veranstaltungen, bei denen Frank Decker mit seinen Kirmesständen noch etwas eingenommen hat. Danach kam für den Solinger Schausteller nichts mehr. Dürpelfest, Gräfrather Marktfest, Stadtteilfeste, Kirmes und auch der Zöppkesmarkt – alles bereits ausgefallen oder abgesagt.

„Das ist für uns Schausteller eine extrem schwere Zeit“, beschreibt Decker, der auch im Vorstand des Schaustellerverbandes Rhein-Ruhr-Wupper mit Sitz in Solingen ist, die Situation. „Kollegen, die beispielsweise nur Fahrgeschäfte haben, haben derzeit keine Chance, irgendwo etwas zu verdienen.“

Frank Decker hat eine Mandelbrennerei, einen Schwenkgrill und ein Kinderkarussell. „Zum Glück fahre ich etwas zweigleisig und betreibe noch einen Gewürzhandel auf den Wochenmärkten. Damit versuche ich, mich finanziell von Monat zu Monat zu hangeln“, erklärt Decker. Normalerweise habe er vier oder fünf Mitarbeiter beschäftigt, derzeit müsse er auf zwei reduzieren. „Momentan führen wir Reparaturen und Renovierungen an den Wagen durch, aber das ist auch kein dauerhaftes Projekt.“ Decker fürchtet auch, dass die Besucherzahl in der Stadt und auf den Wochenmärkten wegen der Schulferien ab nächster Woche zurückgehen wird. „Wir hoffen jetzt alle darauf, dass die Weihnachtsmärkte stattfinden können, damit wir finanziell irgendwie über den Winter kommen.“

Solingen: Mittagsimbiss im Industriegebiet als kleine Alternative

Evelyn Darmann betreibt den Imbiss mit ihrem Mann Günter und drei Mitarbeitern.

Das hoffen auch Evelyn und Günter Darmann. Das Schausteller-Ehepaar ist seit über 50 Jahren auf den Veranstaltungen in Solingen und der Umgebung unterwegs. „In diesem Jahr ist alles weggebrochen“, schildert Evelyn Darmann, die eingesteht, vor lauter Sorge kaum noch schlafen zu können. Frühjahrskirmes, Langenfelder Stadtfest, Remscheider Maikirmes, Dürpelfest, Düsseldorfer Schützenfest sowie mit der Düsseldorfer Rheinkirmes und der Cranger Kirmes zwei Riesen-Veranstaltungen – alles abgesagt. „Auch die noch anstehende Haaner Kirmes oder der Soester Allerheiligenmarkt, die größte Innenstadtkirmes Europas, müssen ausfallen, es ist eine Katastrophe“, so Evelyn Darmann. „So etwas haben mein Mann und ich in über 50 Jahren als Schausteller noch nicht erlebt.“

Jetzt hat das Ehepaar seinen Imbissstand „Darmann’s Schlemmerecke“ im Industriegebiet Scheuren, direkt auf dem Nachbargrundstück zu ihrem Wohnhaus, aufgestellt und bietet ab mittags den Mitarbeitern der umliegenden Firmen Fisch und Steaks an. „Die Firma Walbusch hat uns das Grundstück freundlicherweise zur Verfügung gestellt“, sagt Evelyn Darmann. „So versuchen wir, irgendwie zu überleben und die Mitarbeiter zu bezahlen. Es nützt ja nichts, man kann den Kopf ja nicht in den Sand stecken.“

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