Corona-Krise

Schausteller dürfen Stände betreiben

Schausteller Markus Simons verkaufte seine Würstchen bislang notgedrungen auf einem Firmengelände in Hilden, weil er in Ohligs dazu die Erlaubnis nicht erhielt. Dies könnte sich jetzt für ihn ändern. Foto: Michael Schütz
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Schausteller Markus Simons verkaufte seine Würstchen bislang notgedrungen auf einem Firmengelände in Hilden, weil er in Ohligs dazu die Erlaubnis nicht erhielt. Dies könnte sich jetzt für ihn ändern.

Vereinzelt soll Straßenverkauf im Innenstadtbereich und in Ohligs möglich sein – zunächst für einen Monat.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für die Solinger Schausteller gibt es einen Hoffnungsschimmer: Durften sie sich aufgrund der Corona-Schutzverordnung und dem damit verbundenen Wegfall von Veranstaltungen bislang überhaupt nicht mehr im Stadtgebiet mit ihren Ständen postieren, hat die Stadt nun grünes Licht gegeben, dass dies nun ab dem 1. August immerhin einigen Vertretern ihrer Zunft ermöglicht wird. Die Initiative dazu ging von Zöppkesmarkt-Organisator Falk Dornseifer aus, der die Verhandlungen mit dem Ordnungsamt stellvertretend für die Solinger Schausteller geführt hat und der mit seiner „Gesellschaft zur Förderung des traditionellen Solinger Brauchtums“ als Veranstalter zuständig ist.

„Die Situation ist für mich existenzbedrohend.“
Markus Simons, Schausteller

„Geplant ist fürs Erste, dass zwei Schausteller-Geschäfte, wahrscheinlich ein Mandelwagen und ein Grill, ihren Stand auf dem Alten Markt öffnen dürfen“, berichtet Dornseifer. Drei weitere Schausteller, darunter ein Kinderkarussell, dürften sich voraussichtlich auf dem Neumarkt postieren. Die Erlaubnis gelte zunächst für einen Monat und könne eventuell verlängert werden, wenn sich die Sache bewährt. Eine mehrtägige Unterbrechung der Präsenz der Schausteller werde es aufgrund einer geplanten Veranstaltung in der Innenstadt geben – nähere Informationen gibt es dazu in Kürze. Im gleichen Zeitraum dürfen sich auch in Ohligs zwei Schausteller vor leerstehenden Ladenlokalen auf der Düsseldorfer Straße postieren.

„Die Stadt war bemüht, uns da entgegenzukommen“, erkennt Dornseifer lobend an. Die Pressestelle der Stadt bestätigte entsprechende Pläne auf Nachfrage – allerdings „unter Einhaltung der Corona-Schutzregeln und ohne die ortsansässige Gastronomie zu beeinträchtigen“, macht Rathaussprecherin Birgit Wenning-Paulsen deutlich.

Die Sicherheitsbestimmungen nähmen die Schausteller sehr ernst, versichert Dornseifer: „Auf einen Alkoholausschank haben wir deshalb verzichtet.“ Er sei für die Solinger Schausteller neben Frank Decker vom Schaustellerverband nun erster Ansprechpartner und könne die Betreiber je nach Bedarf auch austauschen.

Erleichtert über diese Entwicklung zeigt sich der Ohligser Schausteller Markus Simons, der auf die Erlaubnis hofft, seinen Imbisswagen in Ohligs aufstellen zu dürfen. „Jetzt scheint da ja etwas in Bewegung zu geraten“, sagt der Solinger. Angesichts des Wegfalls sämtlicher Veranstaltungen habe er sich während der Krise wochenlang vergeblich um eine solche Genehmigung bemüht, „damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt“. Die Situation sei für ihn „existenzbedrohend“.

Deshalb ist Simons mit seinem Stand bislang auf das Gelände der Firma Wenko in einem Hildener Gewerbegebiet ausgewichen, die ihm dafür eine Erlaubnis erteilt hat. „Natürlich bin ich Wenko dankbar, dass ich dort meine Würstchen verkaufen darf. Aber die Leute kennen mich nun mal als Ohligser Schausteller. Denn ich habe meinen Imbissstand seit 40 Jahren und zahle in Solingen meine Steuern. Da hätte ich mir zumindest in den letzten Wochen mal ein Gesprächsangebot von der Stadt gewünscht.“

Er habe den Eindruck, bei der Vergabe der Stellplätze messe die Stadt mit zweierlei Maß, schilderte Simons im Vorfeld der Entscheidung, die mit ihrem endgültigem Ergebnis erst am Mittwoch feststand. „Neulich habe ich sogar einen Erdbeerstand in Ohligs gesehen, den der Betreiber für mehrere Tage geschlossen hatte. So jemand erhält dann ohne Probleme einen Platz und ich muss um meinen wochenlang kämpfen. Außerdem kann man sich an einem Erdbeerstand ja wohl genauso mit Corona anstecken wie an einer Würstchenbude.“

Bei der Stadt betonte man zuletzt, sich gemeinsam mit dem Schaustellerverband um eine Lösung zu bemühen und Möglichkeiten für Verkaufsstände zu schaffen. Für die zeitweise Genehmigung etwa der Erdbeer- und Spargelstände wirbt Wenning-Paulsen um Verständnis: „Mit der Ausnahme, diese Stände befristet zuzulassen, trägt man der besonderen Bedeutung ihres saisonalen und oftmals regionalen Warenangebotes Rechnung.“

Zu Beginn der Krise habe man die Risiken für die befristete Zulassung dieser Stände abgewogen und sich am Ende dafür entschieden. „Es sollten zu Zeiten der hohen Fallzahlen jedoch keine weiteren Verkaufsstände genehmigt werden, um auch die Sogwirkung der Fußgängerzonen möglichst gering zu halten“, so Wenning Paulsen weiter. Das Verbot von anderen Verkaufsständen sei ein politischer Beschluss gewesen, der vor allem das Ziel verfolge, die örtlichen Händler zu schützen.

Bereits vor einigen Wochen hatte das ST über Schausteller aus Solingen berichtet, die wegen der Corona-Pandemie in Not geraten sind.

Ansprechpartner

Ansprechpartner für die Schausteller, die sich für einen Stellplatz bewerben möchten, ist Falk Dornseifer von der Gesellschaft des Solinger Brauchtums Tel. (02 12) 24 81 20) oder Frank Decker vom Schaustellerverband  Tel. (01 72) 2 09 00 04. Auch in Remscheid und Wuppertal sind Schausteller präsent.

Standpunkt

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Kristin Dowe

Für die Solinger Schausteller bedeutet die Aussicht, sich zumindest vereinzelt unter der Woche im Stadtgebiet mit ihren Ständen postieren zu dürfen, ein kleiner Lichtblick. Sie erhalten so von der Stadt die Chance, wenigstens in kleinem Rahmen etwas Geld zu verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Denn sie gehören zu den größten Verlierern der Corona-Krise, geht es – bedingt durch den Wegfall sämtlicher Veranstaltungen – für sie um die nackte Existenz. Zwar wird die jetzt getroffene Regelung weder allen helfen, noch wird sich dadurch der bereits entstandene wirtschaftliche Schaden der Betroffenen auffangen lassen. Aber es ist ein erster Schritt, um die Situation der Schausteller zu verbessern. Klar ist aber auch, dass sich die Kompromisslösung erst bewähren muss. 

Sollte es im Bereich von Verkaufsständen zu Menschenansammlungen oder gar zu einem Infektionsgeschehen kommen, muss die Stadt gegensteuern. Das Schicksal der Schausteller macht während der Pandemie eines deutlich: So sehr es für uns alle auch um den lebenswichtigen Schutz der Gesundheit geht, geht es für viele auch ums wirtschaftliche Überleben. Dieser schwierige Balanceakt wird bleiben.

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