Fit für die Zukunft

Spar- und Bauverein möchte bis 2045 klimaneutral sein

Jürgen Dingel (l.) und Uwe Asbach arbeiten an der Zukunft des Spar- und Bauvereins.
+
Jürgen Dingel (l.) und Uwe Asbach arbeiten an der Zukunft des Spar- und Bauvereins.

Die größte Solinger Wohnungsbaugenossenschaft feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Für die nächsten Jahre hat sich der Verein große Ziele gesetzt.

Von Manuel Böhnke

Solingen. 1997 wurde das 100-jährige Bestehen des Solinger Spar- und Bauvereins (SBV) gefeiert. Mit „Fit für die Zukunft“ würden Vorstandsvorsitzender Jürgen Dingel und Vorstandsmitglied Uwe Asbach die Aktivitäten der Genossenschaft seitdem überschreiben. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums könnte die Maßgabe für die kommenden Jahre ganz ähnlich lauten. Bis 2045 soll der SBV-Bestand klimaneutral sein. Gleichrangige Ziele seien, auch in Zukunft gerechtes Wohnen und faire Mieten zu gewährleisten.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Am 11. Juli 1897, auf den Tag genau vor 125 Jahren, hat die Geschichte des Spar- und Bauvereins begonnen. Heute leben rund zehn Prozent der Solingerinnen und Solinger in den fast 6900 Wohnungen der Wohnungsbaugenossenschaft – damit ist sie eine der größten im Rheinland.

So sollen die Klimaschutzziele erreicht werden

Rund 20 Millionen Euro hat der SBV in den zurückliegenden 20 Jahren in seine Immobilien investiert – jährlich. 2021 flossen knapp zehn Millionen Euro in Instandhaltung, 8,8 in Modernisierung und 2,8 in Neubau. So müsse es weitergehen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dazu sei es im ersten Schritt notwendig, den Bestand mit Wärmedämmung zu versehen. Bei 55 Prozent sei das bereits geschehen.

„Das sind Maßnahmen, um zunächst den Energiebedarf zu senken“, erläutert Jürgen Dingel. Im nächsten Schritt gehe es um die Frage, welches das Heizsystem der Zukunft ist. „Es gibt in diesem Bereich genug Leuchtturmprojekte. Wir müssen jetzt mit skalierbaren Ansätzen in die Praxis gehen“, betont Uwe Asbach. Seit April ist er hauptamtliches SBV-Vorstandsmitglied. Dabei gehe es nicht nur um die Wärme- und Stromversorgung, sondern auch um zukunftsträchtige Mobilitätsangebote in den Quartieren.

So lässt sich einfach Energie sparen

Mit diesen Herausforderungen hat der SBV zu kämpfen

Weitere Herausforderungen treiben die Verantwortlichen um. Da sind zum Beispiel die derzeitigen Preissteigerungen. Jürgen Dingel führt an, dass die Kosten für Neubauten inzwischen bei rund 4500 Euro pro Quadratmeter liegen. Beim Thema Modernisierung ist die Lage ebenfalls angespannt. „Wir brauchen ein Investitionsvolumen von 20 Millionen Euro pro Jahr, um unseren Bestand zukunftsfähig zu machen. Für das Geld bekommen wir aber immer weniger Leistung“, sagt Uwe Asbach. Es führe wohl kein Weg daran vorbei, zukünftig größere Summen in die Hand zu nehmen.

Deshalb und vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage befürchtet Dingel, dass die Genossenschaft in Sachen Jahresergebnis einen vorläufigen Höhepunkt erreicht haben könnte. 2021 schloss der SBV mit einem Ergebnis von 7,7 Millionen Euro ab.

Mietpreise könnten steigen

Trotz der etwas eingetrübten Aussichten betont Uwe Asbach: „Die Situation gefährdet nicht unsere Strategie. Wir halten an unserem Geschäftsmodell fest.“ Die Gemengelage könnte sich jedoch auf die Miethöhe auswirken. 5,89 Euro pro Quadratmeter werden in SBV-Wohnungen aktuell durchschnittlich fällig, die bisher letzte Erhöhung liegt neun Jahre zurück. Die Verantwortlichen kündigen an, das Thema bedacht angehen zu wollen, und betonen, dass sich die Investition positiv auf die Nebenkosten auswirken. „Wir müssen den gestiegenen Preisen für notwendige Maßnahmen gerecht werden.“ Weiterhin wolle man Wohnraum „für die breite Masse“ anbieten.

Wir halten an unserem Geschäftsmodell fest.

Uwe Asbach, SBV-Vorstandsmitglied

Auch alterstechnisch. Zum einen impliziert das, die Siedlungen so zu gestalten, dass Mieter dort ihren Lebensabend verbringen können. Andererseits gelte es, junge Menschen für den genossenschaftlichen Gedanken zu begeistern. Dingels und Asbachs Eindruck: „Viele finden die Idee gut und wünschen sich Gemeinschaft.“

Bei zentralen Themen wie der Energieversorgung der Zukunft strebt der SBV eine enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Stadtwerken an. Gleiches gelte für Neubauprojekte. Anfang 2023 möchte die Genossenschaft ihr Vorhaben im Böckerhof abschließen.

Zudem befindet sich ein öffentliches Sechs-Familien-Haus an der Raabestraße in Planung. Weniger konkret sind die Vorhaben im Bereich Kölner Straße/Max-Leven-Gasse sowie Halfeshof, wo der SBV jeweils über Flächen verfügt. „Diese Projekte wollen wir an den Bedarf vor Ort anpassen“, sagt Uwe Asbach.

Das SBV-Jubiläum fällt in unruhige Zeiten. Doch davon gab es in den vergangenen 125 Jahren genug. Dementsprechend optimistisch zeigen sich Jürgen Dingel und Uwe Asbach: „Wir werden auch diese und kommende Krisen meistern.“  

Zahlen

Der Spar- und Bauverein Solingen zählt zu den größten Wohnungsbaugenossenschaften im Rheinland und bewirtschafte 6900 Wohnungen in der Klingenstadt. Der SBV hat etwa 14 000 Mitglieder. Die Geschichte des Spar- und Bauvereins begann am 11. Juli 1897.
www.sbv-solingen.de

Standpunkt von Manuel Böhnke: Aktueller denn je

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Jeder zehnte Solinger lebt in einer Immobilie des Spar- und Bauvereins. Mit fast 6900 Wohnungen ist der SBV eine der größten Wohnungsbaugenossenschaften in der gesamten Regionen. Allein an diesen Dimensionen wird die Bedeutung deutlich, die der SBV für den Wohnungsmarkt in der Stadt hat.

Gute Jahre liegen hinter der Genossenschaft, die heute auf den Tag genau vor 125 Jahren gegründet worden ist. Stark nachgefragter Wohnraum und das niedrige Zinsniveau haben Investitionen in den Bestand begünstigt, mit denen sich der Spar- und Bauverein für aktuelle und zukünftige Herausforderungen rüstet.

Gleichzeitig blieben die Mieten vergleichsweise niedrig: Sie liegen derzeit bei 5,89 Euro pro Quadratmeter. Doch die Zeiten werden rauer. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwierig, die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt. Vor diesem Hintergrund ist der genossenschaftliche Gedanke, den in Solingen zum Glück nicht nur der SBV lebt, wichtiger und aktueller denn je.

Lesen Sie auch: Zensus-Befragungen liegen im Zeitplan

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“

Kommentare