Ohligs

Ein Schatten liegt über dem Badehaus

Was noch nach Schwimmbad aussieht, soll in Kürze zu 22 Luxuswohnungen werden. Die entsprechende Baufirma für die Wände wird jetzt starten. Das Schwimmbecken wird verfüllt und überbaut.
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Was noch nach Schwimmbad aussieht, soll in Kürze zu 22 Luxuswohnungen werden. Die entsprechende Baufirma für die Wände wird jetzt starten. Das Schwimmbecken wird verfüllt und überbaut.

Im ehemaligen Ohligser Schwimmbad entstehen 22 Luxuswohnungen für Investoren aus ganz Deutschland. Doch das Geschäft mit der ehemaligen Badeanstalt an der Sauerbreystraße ist ins Stocken geraten.

Von Philipp Müller

Solingen. Es ist ein warmer Maitag auf der Terrasse von Eduard Meßmer in Erftstadt. Doch heiß ist das Thema, das diskutiert wird. Am Tisch sitzen der Kölner Architekt Dr. Bruno Wasser, der Immobilienvermittler Thomas Sasse aus Leichlingen und der Solinger Netzwerker in Sachen Immobilien, Thomas Willis. Es gilt ein Geschäft zum Abschluss zu bringen, an dem viele Hände mitverdienen wollen. Das ehemalige Schwimmbad im Solinger Stadtteil soll zum „Badehaus Ohligs“ mit 22 Eigentumswohnungen der Luxusklasse werden. Seit zehn Monaten zieht sich das hin.

Der Grund liegt auch in Personen, die nicht zum Treffen eingeladen waren. Denn über dem ganzen Geschäft liegt ein Schatten. Meßmer will das Grundstück an der Sauerbreystraße nach seinen Angaben an die Kölner ABS Trend GmbH veräußern – die hatte schon einen kleinen Teil der Kaufsumme angezahlt. Die GmbH aus Köln hat zuvor den Geschäftsführer der Solinger Baufirma Pro Bau GmbH, Adnan Pekuz, damit beauftragt, als Bauträger die 22 im ehemaligen Schwimmbad geplanten Eigentumswohnungen zu verkaufen. Ein übliches Verfahren nach dem Bauträgergesetz. Willis und Sasse waren dazu im Vertrieb für die geplanten Wohnungen tätig.

Solingen: 22 neue Grundbücher für das Badehaus sind geschrieben

Der Verkauf an Geschäftsleute und Freiberufliche wie Ärzte oder Anwälte aus Berlin, München, Hamburg und von der Rheinschiene ist im Mai abgeschlossen und notariell beurkundet. Die 22 neuen Grundbücher liegen vor. Auch die Baugenehmigung hat die Stadt Solingen erteilt. Die Pro Bau begann wenige Tage vor dem Treffen mit der Entkernung des Gebäudes. Doch das meiste Geld ist noch nicht geflossen. Der Plan: Fließt Geld, gehen rund eine Million Euro an Meßmer, die ABS Trend erhält den Rest, reicht den Löwenanteil an Pekuz Pro Bau für das Badehaus weiter.

Doch das Geschäft stockt und das Vertrauen ist erschüttert. Der Grund dafür geht von einem früheren Geschäftspartner von Adnan Pekuz aus. Dieser Leverkusener Geschäftsmann war bis Mitte 2019 Geschäftsführer einer GmbH mit Sitz in Bergisch Gladbach, die das Badehaus ursprünglich errichten sollte und erst im November 2019 durch die Pro Bau ersetzt wurde. Er schloss mit Privatleuten 2018 Verträge über die Sanierung von Immobilien ab. Dann ging es oft nach der gleichen Masche: Die Firma begann zögerlich zu arbeiten, verlangte aber schon Baukostenvorschüsse für kommende Bauabschnitte. Die Kunden zahlten, die GmbH führte die Arbeiten aber nicht aus.

„Wie viele Stricke willst Du noch um meinen Hals legen?“

Adnan Pekuz, Pro Bau Solingen

Vor dem Landgericht in Darmstadt verlor die Gesellschaft im Rahmen eines Versäumnisurteils einen Rechtsstreit. Rund 90 000 Euro versuchte ein Gerichtsvollzieher als Summe für die entstanden Schäden zu pfänden. Das funktionierte im Januar 2020 nicht: Kein Wunder, die Gesellschaft hatte im Dezember 2020 beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz beantragt. Das Verfahren ist noch nicht eröffnet, denn zunächst werde geprüft, ob dafür überhaupt genug finanzielle Masse vorhanden sei, erklärt eine Gerichtssprecherin.

Rund 30 Großcontainer nahmen den Schutt auf, der bei der Entkernung des Schwimmbads seit Anfang Mai anfiel.

Die Schäden, neben dem Projekt in Süddeutschland gibt es weitere an der Rheinschiene, entstanden im ersten Halbjahr 2019. Im Sommer 2019 übernahm Adnan Pekuz die Geschäftsführung von seinem Partner. Doch auch er ließ nicht weiterbauen. Heute sagt Pekuz, das seien nicht seine Geschäfte gewesen, er habe sich inzwischen von dem Leverkusener getrennt – unter anderem mit der Bemerkung: „Wie viele Stricke willst Du noch um meinen Hals legen?“

Im September 2020, die GmbH war von Bergisch-Gladbach nach Langenfeld umgezogen, übernahm dann ein Familienangehöriger des Leverkuseners die Geschäftsführung von Pekuz und erwarb dessen Gesellschafteranteile. Im Hintergrund wechselten die Eigentumsverhältnisse an der Gesellschaft weiter. Zuletzt gehörte die GmbH zu 100 Prozent einer jungen Leverkusenerin. Das Wechselspiel der Geschäftsführer und der Gesellschafter ist undurchsichtig, wirkt verschleiernd und beschäftigt inzwischen die Justiz.

Solingen: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Geschäftsführer wegen Betrugs

Gegen alle Geschäftsführer der GmbH seit 2018 ermittelt inzwischen die Kölner Staatsanwaltschaft. Grund dafür sind Anzeigen aus dem Kreis der Geschädigten gegen die Köpfe der GmbH. Aus der Domstadt heißt es, ein Verfahren betreffe einen Beschuldigten wegen des Verdachts des Subventionsbetruges. Ein zweites Verfahren läuft gegen drei Beschuldigte wegen des Verdachts des Betruges und der Insolvenzverschleppung. Namen und Funktionen der Beschuldigten bestätigt die Staatsanwaltschaft ihren Gepflogenheiten gehorchend nicht, aber den „angesprochenen Themenkomplex“.

„So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Dr. Bruno Wasser, Architekt

Noch etwas teilt die Staatsanwaltschaft mit: Den Leverkusener, der der erste Geschäftsführer der insolventen Firma war, könne man nicht auffinden, da er keinen festen Wohnsitz mehr in Deutschland habe. Nach ST-Informationen hat der deutsche Staatsbürger seine Zelte in Italien aufgeschlagen – dabei wurde er durchaus in dem Zeitraum, in dem Köln ihn offenbar schon suchte, noch im Solinger Rathaus gesehen. Dort machte er Druck, für das Badehaus die Baugenehmigungen zu erteilen.

Adnan Pekuz ringt um das Vertrauen der 22 Käufer, das ein ehemaliger Geschäftspartner erschüttert hat.

Das Tageblatt saß bei Eduard Meßmer in Erftstadt mit am Tisch, weil es einen Verdacht der Geschädigten ausgeräumt haben wollte: Droht den Erwerbern des Badehauses der gleiche finanzielle Schaden? Haben die Opfer der zuletzt in Langenfeld sitzenden Firma, die zum Teil auch bedroht worden sein wollen, Recht mit ihrer Vermutung, auch die Pro Bau werde sich nach der Zahlung von Baukostenvorschüssen aus dem Staub machen, weil teilweise die gleichen Personen aktiv sind? Pekuz hatte das empört mit dem Hinweis verneint, er habe sich von seinem Geschäftsführervorgänger wirtschaftlich gelöst.

Eduard Meßmer erklärt in Erftstadt, er wolle jetzt trotz aller Bedenken verkaufen. Dr. Wasser bekennt: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Er selbst warte immer noch auf sein Architektenhonorar für die Pläne, das denkmalgeschützte Gebäude ins „Badehaus Ohligs“ zu verwandeln.

Meßmer merkte zudem an, es sei schon ungewöhnlich gewesen, dass Pekuz Ende 2019 aus allen Verträgen dringend den ursprünglichen Bauträger aus Langenfeld entfernt und die Pro Bau eingesetzt haben wollte. Jetzt darauf zu bestehen, dass der Bauträger erneut wechselt, das sah Thomas Sasse aus rechtlichen Gründen als nicht möglich an. Thomas Willis wiegt seine Hände ebenfalls in Unschuld. Die alte GmbH und die Pro Bau hätten gute Referenzen vorgelegt – sogar ein Projekt für einen Gefängnisdirektor. Als Willis auch das Thema Provision ins Spiel brachte, merkte Thomas Sasse an, um diese Vermittlungs-Prozente gehe es jetzt nicht. Vielmehr sei es nun wichtig, zunächst die Erwerber zu schützen.

Solingen: Ein Gutachter soll jetzt die neuen Erwerber des Badehauses schützen

Als letztes Hindernis für den Geldfluss der Millionen Euro ließ noch die Stadt Solingen im Juni eine Eintragung aus dem Grundbuch austragen. Doch das Geld der 22 Erwerber ist aktuell immer noch auf einem Anderkonto geparkt, die Finanzierung muss aber bereits bedient werden, obwohl sich der Baustart verzögerte.

Noch fehlt der Platz für die Baufirmen. Die Pro Bau legt dazu bereits einen Parkplatz hinter dem Badehaus an.

Betreut werden die Erwerber von der Firma von Buddenbrock aus Essen. Die Firma organisierte den Vertrieb der Wohnungen und stellte für ihre Käufer die Finanzierung sicher. Geschäftsführer Stephan Seidenfad bekennt, bei dem Projekt schon zu Beginn nicht das beste Gefühl gehabt zu haben. Er sah mehr Köpfe im Spiel als üblich. Doch seine Vertriebspartner hätten ihn überzeugt, für das Badehaus Ohligs Kunden zu finden. Pekuz sei zudem selbst nicht negativ aufgefallen.

Seidenfad und sein Team wollen aufgrund der ST-Informationen zur Vorgeschichte „jetzt sehr aktiv ins Research gehen“. Es gelte natürlich, die Käufer zu schützen. „Uns ist sicherlich vor allem daran gelegen, dass unseren Kunden kein Schaden entsteht.“ Der soll jetzt über einen Gutachter verhindert werden. Auch wenn die Pro Bau bereits einen benannt habe, wolle von Buddenbrock, dass ein zweiter Gutachter – so hatte es Sasse schon in Erftstadt angeregt – die Baufortschritte dokumentiere. Gebe es die nicht, werde kein Geld fließen. Pekuz will sich über den Gutachter-Weg aus dem Leverkusener Schatten befreien. Nicht ganz einfach – die Hälfte der Pro Bau gehört Familienangehörigen seines früheren Geschäftspartners.

Anmerkung: In einer früheren Online-Version war die Rede davon, Thomas Sasse habe den Austausch der Vorgänger-GmbH gegen die Pro Bau im November und Dezember 2020 als ungewöhnlich bezeichnet. Das war so nicht richtig. Das hatte Eduard Meßmer für Ende 2019 berichtet. Zudem legt Thomas Sasse Wert auf die Feststellung, ihm ging und geht es in erster Linie darum, die Erwerber im Badehaus Ohligs zu schützen und nicht um die Provision. Der Artikel wurde entsprechend geändert.

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