Russland-Ukraine-Krieg

Sanktionen treffen die Unternehmen hart

Bei Ebbtron diskutierten (v. l.): Gerlinde Steingrüber, Horst Kläuser, Michael Wenge, Stefan Simmnacher und Sebastian Haug. Foto: Christian Beier
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Bei Ebbtron diskutierten (v. l.): Gerlinde Steingrüber, Horst Kläuser, Michael Wenge, Stefan Simmnacher und Sebastian Haug.

Mittelstandsunion und Deutsch-Ukrainische Gesellschaft luden zur Podiumsdiskussion ein.

Von Andreas Römer

Solingen. Die Sanktionen gegen Russland treffen die Unternehmen im Bergischen hart. Hier werden deutlich mehr Geschäfte mit Russland und der Ukraine gemacht als im bundesweiten Durchschnitt. Trotzdem tragen gut 60 Prozent der bergischen Unternehmen die Sanktionen mit. Das berichtete Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK, am Montagabend im Rahmen der Podiumsdiskussion „Sanktionen gegen Russland: Auswirkungen auf die bergische Wirtschaft“. Eingeladen hatten die Mittelstand- und Wirtschaftsunion (MIT) Solingen und die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft.

Wir befinden uns ja quasi seit zwei Jahren im Krisenmodus.

Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK

Vor Publikum im Auditorium bei Ebbtron, live übertragen im Internet, diskutierten: Gerlinde Steingrüber, Vorsitzende der MIT in Solingen, Horst Kläuser, langjähriger ARD-Korrespondent in Moskau und Kiew, Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen IHK, Stefan Simmnacher, Präsidiumsmitglied der Deutsch-Ukrainischen Gesellschaft für Wirtschaft und Wissenschaft, sowie Sebastian Haug, Kreisvorsitzender der CDU Solingen. „Es sind nur 1872 Kilometer von Solingen bis nach Kiew“, leitet Gerlinde Steingrüber den Abend ein. Sie machte damit deutlich, wie nah der Krieg ist. Eindringlich schilderte Steingrüber die Lage der Menschen in der Ukraine und machte deutlich, dass man in erster Linie an deren Schicksal denke und die Auswirkungen dort schrecklich seien. Das solle niemand vergessen, wenn man in der Diskussion über die Auswirkungen für die heimatliche Wirtschaft spreche.

Solingen zeigt sich solidarisch mit der Ukraine - So können Sie jetzt helfen

Michael Wenge schilderte die Lage der Unternehmen in der Region als schwierig. „Wir befinden uns ja quasi seit zwei Jahren im Krisenmodus“, so seine Feststellung. „Erst die Pandemie, dann die Flutkatastrophe und jetzt der Krieg in der Ukraine mit all seinen Nebenwirkungen wie steigende Preise und Sanktionen.“ Da herrsche natürlich Angst um die Versorgungssicherheit und schon jetzt fühlten sich rund zehn Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht.

„Wir zahlen jetzt für Fehler, die die Politik in den letzten 20 oder 30 Jahren gemacht hat“, ist Horst Kläuser überzeugt. Allein auf Nordstream 2 zu setzten und andere Projekte aufgegeben zu haben, sei falsch gewesen. Und wie man die Mehrheit der Gasspeicher in Deutschland in ausländische Hände geben konnte, ist Kläuser unverständlich. „Diese Abhängigkeit von russischen Energielieferungen ist Folge einer energiepolitischen Naivität über viele Jahre hinweg“, so seine Überzeugung.

Hier stimmte Stefan Simmnacher zu. Dass die deutschen Gasspeicher nur zu einem kleinen Teil gefüllt seien, ist für ihn ein Skandal. „Mit vollen Gasspeichern könnten wir die Versorgung für etwa zwei Jahre sicherstellen.“

Aus seiner Sicht sind die Sanktionen viel zu spät erfolgt. „Sanktionen hätten vor dem kriegerischen Konflikt mehr Sinn gemacht als jetzt“, so seine Überzeugung. Damit hätte man Russland womöglich vom Angriff abhalten können. Jetzt würden die Sanktionen den Krieg nicht mehr stoppen. „So etwas wird jetzt militärisch entschieden.“

Im Energiesektor ist schnelles Handeln gefragt

Alle waren sich einig, gerade im Energiesektor sei jetzt schnelles Handeln gefragt. Der Ausbau von Alternativen zu Öl und Gas aus Russland müsse zügig erfolgen, die Verfahren zum Bau neuer Anlagen müssten dringend beschleunigt werden.

Hoffnungen setzt man auf die Wasserstofftechnik. Wie es konkret weitergeht, war auch für die Experten nicht vorhersagbar. Es gebe viele Szenarien, auf alle müsse man am Ende eine Antwort finden. Für die bergische Wirtschaft bietet die IHK Beratungen an und stellt Finanzhilfen in Aussicht. Und so bitter das alles sei, es werden auch aus dieser Krise Chancen erwachsen, ist Wenge überzeugt.

Einordnung

Viel drehte sich darum, warum es überhaupt zum Krieg kommen konnte. Russland-Kenner Horst Kläuser erinnerte daran, dass es in dem Land noch nie ehrliche Bestrebungen zur Demokratisierung gegeben habe. Alle Hilfen, die das Land auf diesen Weg bringen sollten, seien in die Aufrüstung gesteckt worden. Putins Ziel sei es, Russland wieder zu einer Weltmacht auszubauen. Denn genau das seien sie wirtschaftlich nicht. „Außer den Öl- und Gasvorkommen hat Russland nichts zu verkaufen“, erklärte Horst Kläuser.

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