Theodor-Heuss-Schule macht es deutlich

„Sanierungsstau an Schulen ist riesig“

Wenig einladend: Duschen in der Turnhalle der Theodor-Heuss-Schule.
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Wenig einladend: Duschen in der Turnhalle der Theodor-Heuss-Schule.

Der Rat will am Donnerstag ein 380-Millionen-Euro-Paket beschließen, doch das reicht bei weitem nicht.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Rund 380 Millionen Euro sollen in neun Solinger Schulen investiert werden. So steht es im geänderten Schulentwicklungsplan, für den der Stadtrat am Donnerstag wohl grünes Licht geben wird. Weil die Baukosten stark gestiegen sind, kann nur ein Teil der eigentlich notwendigen Erweiterungen und Neubauten umgesetzt werden. Marode Sporthallen können nicht ersetzt, Gebäude, die aus allen Nähten platzen, nicht ausgebaut werden. Diese 23 Schulen gehen vorerst leer aus:

Die Decke in den THS-Sanitärräumen ist feucht.

Realschulen

Die Albert-Schweitzer-Realschule hat eine marode Pavillonanlage aus den 50er Jahren. Deren Ersatz ist nun ebenso verschoben wie die Sanierung des Schulgebäudes und der Neubau der Sporthalle Sedanstraße. Auch die Theodor-Heuss-Schule bekommt vorerst keinen Ersatz für ihre Turnhalle von 1964. Dort sind vor allem die Sanitärräume in einem schlechten Zustand.

Förderschulen

Investiert werden soll nun zunächst in die Erika-Rothstein-Schule. Wegen steigender Schülerzahlen müsste jedoch auch die Carl-Ruß-Schule um einen zweiten Standort erweitert werden, bei der Wilhelm-Hartschen-Schule seien mehr Klassenräume nötig, sagt Oliver Vogt, Leiter der Schulverwaltung.

Grundschulen

Für Grundschulkinder gibt es ab 2026 einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. In den Gebäuden müssen deshalb Mensen, Küchen und Mehrzweckräume ausgebaut werden. An den Schulen Scheidter Straße, Böckerhof, Yorckstraße, Meigen, Wiener Straße, Westersburg, Erholungstraße, Gottlieb-Heinrich-Straße, Bünkenberg-Widdert, Stübchen, Südstraße, Am Rosenkamp, Klauberg, Aufderhöhe und Katternberger Straße passiert jedoch erstmal nichts. Die beiden letzteren sollten sogar neu gebaut (Aufderhöhe) werden oder einen Erweiterungsbau bekommen (Katternberger Straße). Zudem wäre eine weitere, neue Grundschule in Mitte nötig.

Gesamtschulen

Nicht realisiert werden kann der Ausbau der Gesamtschule Höhscheid, die an der Fritz-Reuter-Straße einen dritten Standort bekommen sollte. Gleiches gilt für einen Erweiterungsbau und die Sanierung an der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Auch die Erneuerung des Gebäudebestands der Alexander-Coppel-Gesamtschule wird nach der Sanierung des Verwaltungsgebäudes nicht fortgesetzt.

THS-Rektor Joachim Blümer fordert Lösungen für seine und andere Schulen.

Das sagen Schulleitungen

„Ich mache niemandem Vorwürfe, aber wir brauchen Antworten“, sagt Joachim Blümer, Rektor der Theodor-Heuss-Schule (THS). In den Sanitärräumen der THS-Sporthalle befindet sich ein Loch in der Decke, das verrostete Metallstreben frei lässt, der Putz blättert ab. Mit Blick auf den geplanten Neubau einer Dreifach-Sporthalle sei in der alten Halle den vergangenen Jahren nichts investiert worden. „Aber irgendetwas müssen wir machen. Der Baubestand ist so nicht mehr tragbar.“

Auch Katharina Löwe-Hoffmann, Rektorin der Grundschule Katternberger Straße, wünscht sich eine „Perspektive, wie es weitergeht“. Ihre Schule ist auf zwei Standorte verteilt, der zweite ist an der Elsa-Brändström-Straße. Durch den Wechsel zwischen zwei Gebäuden gehe Unterrichtszeit drauf, Aufsichten seien schwer zu organisieren. Man könne der Stadt angesichts der Kostensteigerungen keinen Vorwurf machen, sagt Andreas Tempel, Leiter der Alexander-Coppel-Gesamtschule. Aber seine Schule platze aus allen Nähten. Raum für Seiteneinsteigerklassen und Inklusion habe man aus dem Bestand organisiert. „Es wäre gut zu wissen, wie die Reihenfolge ist, wenn mal wieder Geld da ist.“

In der Decke der Waschräume der THS-Halle klafft ein Loch.

Das sagt die Schulverwaltung

„Wir haben einen riesigen Sanierungsstau an den Schulen“, räumt Oliver Vogt ein, seit zwei Jahren Leiter der Schulverwaltung. Dass nun nur ein Teil der nötigen Maßnahmen umgesetzt werden könne, sei auch für die Verwaltung „total unbefriedigend. Wir können das nur sukzessive abarbeiten.“

Investitionen

Paket: Rund 380 Millionen Euro sollen in sieben Grundschulen (Gerberstraße, Uhlandstraße, Weyer, Schützenstraße, Bogenstraße, Kreuzweg, ein Neubau in Mitte), die Erika-Rothstein-Förderschule und das Schulzentrum Vogelsang (rund 185 Millionen Euro) investiert werden.

Sitzung: Der Stadtrat tagt am Donnerstag, 17 Uhr, im Theater und Konzerthaus (Konzertsaal).

Zustimmung: Die Bezirksregierung Düsseldorf muss den geplanten Investitionen noch zustimmen.

Standpunkt von Anja Kriskofski:

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Es stimmt schon: Die rund 380 Millionen Euro, die in die Schulen gesteckt werden sollen, sind eine unglaubliche Summe für eine klamme Kommune wie Solingen. Nicht zu vergessen die Millionen, die bereits investiert wurden, zum Beispiel ins Gymnasium Schwertstraße. Dennoch reicht es nicht. Die Schulgebäude sind über Jahrzehnte vernachlässigt worden. Das lässt sich so schnell nicht aufholen.

Was wird nun aus den Schulen, die vorerst leer ausgehen? Turnhallen mit Waschräumen, in denen Löcher in der Decke klaffen, sind niemandem zuzumuten. An das Thema Schulsanierungen kann deshalb auch nach einem Ratsbeschluss kein Haken gesetzt werden. Die Diskussion in der Politik muss weiter gehen. Unter anderem über diese Frage: Kann sich eine Stadt eine Handball-Arena leisten, wenn Klassenzimmer fehlen, Turnhallen zu klein und Sanitärräume marode sind? Das Beispiel Schulen zeigt zudem einmal mehr: Bund und Land statten die Kommunen mit zu wenig Geld aus, damit diese ihre Aufgaben erfüllen können.

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