Amphibienwanderung

Salamander sollen geschützt werden: Hohlenpuhler Weg wird nachts gesperrt

Anwohner des Hohlenpuhler Weges sollen im Herbst selbst eine nächtliche Sperrung der Straße errichten. Foto: Christian Beier
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Anwohner des Hohlenpuhler Weges sollen im Herbst selbst eine nächtliche Sperrung der Straße errichten.

Anwohner sollen Sperre selbst errichten, um Feuersalamander vor dem Überfahren zu schützen.

Solingen. Sie sind vor allem in den Abendstunden und nachts unterwegs und sie leben in Solingen sowie in ganz Deutschland äußerst gefährlich: Feuersalamander gehören zu den bedrohten Arten – insgesamt ist nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz jede zweite von 20 untersuchten Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet.

Um die Tiere zu schützen, sperrt die Stadt schon seit 1991 im Frühjahr den Hohlenpuhler Weg zwischen Rüden und Wipperaue. Da die dramatische Lage für die Tiere sich nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde verschärft hat, einigte sich die Stadt mit den Anwohnern darauf, den Weg nun auch im Herbst für sechs Wochen zwischen 19 Uhr abends und 6 Uhr morgens zu sperren.

Für die Sperrung sollen die Anwohner selbst Sorge tragen und diese etwa abends bei ihrer Heimkehr von der Arbeit wieder errichten. Die Regelung soll je nach Witterung voraussichtlich noch im Laufe dieser Woche greifen und bis Ende der zweiten Novemberwoche bestehen bleiben. Ende Juni gab es für die mobile Sperrung einen Probelauf in Form einer praktischen Übung.

In der Bezirksvertretung Burg/Höhscheid meldete unter anderem Bezirksvertreter Axel Birkenbeul (SPD) kürzlich Bedenken an, dass die abendliche Sperrung von den Anwohnenden auch regelmäßig umgesetzt wird. „Meistens klappt das in den ersten paar Wochen wunderbar und dann pflegt das zu erlahmen.“ Er hoffe aber auf den Erfolg des Projekts. Claudia Wackerl, Abteilungsleiterin bei der Unteren Naturschutzbehörde, wies darauf hin, dass es sich seitens der Stadt zunächst um einen reinen Versuchsballon handele. „Wenn das nicht funktioniert, müssten wir auf eine Vollsperrung zurückgreifen.“ Den täglichen Auf- und Abbau der Sperre könne die Stadt Solingen nicht leisten.

Ehrenamtliche helfen Tiere über die Straße

In den vergangenen Jahren hätten sich verstärkt im Herbst Einzelmeldungen über totgefahrene Tiere von ehrenamtlichen Naturschützern gehäuft. Diese seien auch mit Fotos belegt worden, wenngleich keine systematische Erhebung stattgefunden habe. „Die Plausibilität der Meldungen wurde auch durch die Biologische Station Mittlere Wupper bestätigt. Das gilt auch im Hinblick auf einen Schwerpunktraum des Feuersalamanders sowie die diffuse Herbstwanderung.“

Grundsätzlich hätten die Tiere in den Wäldern im Bergischen durchaus gute Lebensbedingungen. Doch die Verbreitung des Hautpilzes „Bsal“ und die zunehmende Trockenheit und Dürre machten den an Quellbäche gebundenen Salamandern schwer zu schaffen – eine Begleiterscheinung des Klimawandels.

Feuersalamander haben im Bergischen gute Lebensbedingungen.

Claudia Wackerl, Untere Naturschutzbehörde

Laut Claudia Wackerl nimmt der Amphibienschutz in Solingen einen hohen Stellenwert ein. Neben dem Hohlenpuhler Weg wird im Frühjahr üblicherweise auch die Straße Götsche voll gesperrt. Zudem engagieren sich viele Solinger ehrenamtlich für den Artenschutz. So haben sich einige als Paten bereiterklärt, an wichtigen Stellen wie zum Beispiel dem Hermann-Löns-Weg, dem Schellberger Bachtal oder der Hofschaft Friedrichstal in der Wipperaue aktiv mitzuwirken. „Diese Hilfe nimmt die Stadt Solingen gerne an“, so Wackerl.

Die Amphibien gehören zu der am stärksten bedrohten Artengruppe bundesweit. Hatte die Stadt Solingen bereits 1991 ein Amphibiengutachten erstellen lassen, ist nun der Auftrag für ein weiteres solches Gutachten geplant, um die Erhebungen vergleichen zu können. Dieses soll laut Rathausangaben auch Maßnahmen zum Schutz und Erhalt der Lebensräume aufzeigen.

Hintergrund

Im Januar dieses Jahres meldete die Biologische Station Mittlere Wupper erste tot aufgefundene Feuersalamander in der Kohlfurth, der Stadtgrenze von Solingen und Wuppertal, sowie an den Wupperhängen zwischen Burg und Müngsten. Ursächlich dafür ist der auch als Salamanderpest bekannte Hautpilz „Bsal“ – der Erreger bedeutet für die befallenen Tiere den sicheren Tod. Die Biologische Station bittet Bürgerinnen und Bürger, tote Tiere zu melden.

https://t1p.de/pdfx

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