Platz für Flüchtlinge

Rund 100 Solinger demonstrieren für die Aufnahme von Flüchtlingen

Mehr als 100 Stühle hatte der Jugendstadtrat aufgestellt – als Symbol, dass die Stadt Platz für Flüchtlinge habe.Foto: Christian Beier
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Mehr als 100 Stühle hatte der Jugendstadtrat aufgestellt – als Symbol, dass die Stadt Platz für Flüchtlinge habe.

Dr. Christoph Zenses und der Verein „Solingen hilft“ sorgen aktuell dafür, dass 75 000 Euro nach Moria gelangen.

Von Björn Boch

Solingen. Mehr als 100 leere Stühle vor dem Solinger Rathaus symbolisierten gestern Platz für Menschen in Not. Unter dem Motto „Moria brennt – evakuiert die Lager“ standen fast ebensoviele Menschen vor dem Rathaus, wie es Stühle gab. Die Aktion, die unter anderem bereits vor dem Berliner Reichstag umgesetzt worden war, hatte der Solinger Jugendstadtrat für die Klingenstadt adaptiert.

„Wir setzen uns eben nicht auf diese Stühle, sondern zeigen, dass wir Plätze frei haben“, sagte der Jugendstadtrats-Vorsitzende Finn Grimsehl-Schmitz. Die leeren Stühle stünden auch dafür, „wie krank das Ganze ist“ – Menschen wollten helfen, Kommunen wollten Flüchtlinge aufnehmen, dürften es aber nicht.

Zu den Rednern gehörte der Solinger Arzt Dr. Christoph Zenses. Der 1. Vorsitzende des Vereins „Solingen hilft“ fährt regelmäßig in das Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Für den Satz „Europa hat dieses Feuer gelegt“ erhielt er besonders viel Applaus. Gefrustet ist Zenses über das Nichtstun auf europäischer Ebene – und darüber, dass NRW angeboten hat, Flüchtlinge aufzunehmen, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sich aber querstelle. Mit dem stellvertretenden NRW-Ministerpräsidenten Dr. Joachim Stamp (FDP) steht Zenses in gutem Kontakt, zu Seehofer habe er bislang nicht vordringen können.

Die Stadt Solingen war im November 2019 dem Bündnis „Städte sicherer Häfen“ beigetreten und betonte damit, Menschen in Not aufnehmen zu können. OB Tim Kurzbach (SPD) hatte zur Kundgebung gestern die entsprechende Urkunde mitgebracht. „Wenn es brennt, wird doch sonst auch direkt geholfen und nicht nach rechtlichen und finanziellen Regeln für eine Feuerwehr gefragt“, sagte Kurzbach.

Seit dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria hat Zenses „stündlich“ Kontakt zu Helfern vor Ort. Er leitet gerade 50 000 Euro an Spenden von Solingern, die der Verein gesammelt hat, nach Moria weiter. „Wir sind dankbar, dass die Solinger so hinter uns stehen und wir helfen können. Jeder Euro geht an die Menschen, die es so dringend brauchen“, betont Zenses. Das Geld wird unter anderem für Hygieneartikel, Babynahrung und Medikamente benötigt. Weitere 25 000 Euro wurden Zenses von der Staatskanzlei NRW zugesichert.

„Immer haben alle gemahnt, sind aber sehenden Auges in das Unglück reingelaufen“, sagte Zenses dem ST. Die Corona-Fälle im Lager hätten nun zur Eskalation geführt, die schon lange absehbar war. Nun müsse sich dringend vor Ort etwas ändern. „Als Politiker würde ich verzweifeln. Ich muss handeln, statt zu reden. Deswegen werde ich im Spätherbst wieder nach Moria fahren“, betonte Zenses.

Von seinen Erfahrungen berichtete auch Niklas Hirschfeld, der bis vor wenigen Tagen in der Ägäis war. In anderen Lagern auf den griechischen Inseln sei die Lage ebenfalls katastrophal. Und Europa helfe nicht nur nicht, sondern behindere auch noch die Arbeit zum Beispiel von Seenotrettern: „Das ist keine europäische Willkommenskultur“, stellte er ernüchtert fest.

www.solingen-hilft.de

Mit einer Aktion will der Jugendstadtrat am Freitagnachmittag auf die Geschehnisse im Flüchtlingslager "Camp Moria" auf der griechischen Insel Lesbos aufmerksam machen.

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