Ruhestand

Zwei Polizisten hängen die Uniform an den Nagel

Der Walder Bezirkspolizist Michael Strahlen (l.) und sein Höhscheider Kollege Andreas Losch vor der kleinen Wache hinter der evangelischen Kirche in Wald.Foto: Christian Beier
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Der Walder Bezirkspolizist Michael Strahlen (l.) und sein Höhscheider Kollege Andreas Losch vor der kleinen Wache hinter der evangelischen Kirche in Wald.Foto: Christian Beier

Michael Strahlen und Andreas Losch übten ihren Beruf mit Leib und Seele aus.

Von Christian Beier

Solingen. Seit gestern Abend sind beide im Ruhestand – und gemeinsam haben sie vor vielen Jahren auch ihre Ausbildung begonnen: Als sich Michael Strahlen und Andreas Losch für den Polizeidienst entschieden, gingen sie in Parallelklassen der Theodor-Heuss-Schule. Wie sie wollten aus dem 1975er Abschlussjahrgang noch zehn weitere Schüler eine Karriere in Uniform machen. Nach dem Ende der Ausbildung und weiteren Stationen trafen sie sich in der Dienstgruppe A unter dem Vorgesetzten Manfred Melzer wieder. „Der hat unseren Zusammenhalt stark geprägt“, erinnert sich Strahlen. Nach Dienstschluss wurde regelmäßig Dienstwaffe gegen Grillzange getauscht, und die Dienstgruppe fuhr mit ihren Familien zum ehemaligen Sportplatz an die „Galapa“.

Michael Strahlen wechselte 1987 aufs Motorrad und blieb bis 2004 im Sattel. „Auf dem Krad warst du immer irgendwie Einzelkämpfer, oft auf dich alleine gestellt. Das Wetter ist oft eine extreme Sache. Im Sommer schwitzt man in der Schutzkleidung weg, im Winter ist es kalt, nass und ungemütlich.“

Spektakuläre Fälle waren für ihn der Taxifahrer-Mord am ehemaligen Exit in Müngsten und die Verfolgung eines Räubers, der die Lottoannahmestelle am Bülowplatz überfallen hatte. Als Kradfahrer sei man oft einer der ersten am Einsatzort. Nach Feierabend habe man mit Dienstgruppen-Kollegen noch zusammengesessen, geredet und viele Dinge verarbeiten können, die man nicht so leicht wegsteckt.

Auch Losch denkt gerne an die Zeit in der Gruppe der ehemaligen Wache an der Goerdelerstraße. Nur einmal habe er seine Dienstwaffe im Einsatz gezogen. Beim Nachstellen eines vermeintlichen Einbrechers sah er am Ende eines Kellerflures ein Paar Schuhe unter einem Vorhang herlugen. Als er das Tuch zur Seite riss, zielte er auf sein Spiegelbild in einem Kleiderschrank, erzählt er schmunzelnd.

Strahlen wechselte später zum Bezirksdienst nach Wald, nachdem er bei einer Vertretung auf den Geschmack kam. 17 Jahre war er im „Wauler Dorp“ der Polizist zum „Anfassen“. Die Schulen lagen ihm besonders am Herzen. So initiierte er unter anderem eine Sprechstunde in der Albert-Schweizer-Schule. Er war dadurch im engen Austausch mit Lehrern und Schülern, konnte präventiv arbeiten. Themen wie Drogen, Mobbing und Gewalt sollten möglichst im Keim erstickt werden. „Vertrauen schaffen“ war für ihn ganz wichtig. Vermitteln, bevor eine Situation eskalierte.

Andreas Losch verbrachte seine weiteren Dienstjahre bis zuletzt in Höhscheid. Hier kannte man ihn vor der Grundschule Stübchen stehend, mit seinem Dienstroller und der weiten gelben Regenjacke, seinem Markenzeichen. Er hatte immer ein Augenmerk auf den sicheren Schulweg der Schüler und musste auch das eine oder andere „Elterntaxi“ aus dem Halteverbot verweisen.

Für ihn ist es ein besonderer Dorn im Auge, wie oft sich die Verkehrsteilnehmer von ihrem Handy ablenken und fesseln lassen. „Da fahren die Leute Autos für 100 000 Euro und nutzen ihre Freisprecheinrichtung nicht. Unfassbar.“ Auch eine steigende Respektlosigkeit von vielen Jugendlichen konnte er in den letzten Jahren beobachten.

„Als Polizist trittst Du in eine große Familie ein – weltweit.“

Da sind sich Michael Strahlen und Andreas Losch einig

Strahlen hat sich vorgenommen, in Zukunft alles ein wenig gelassener anzugehen, selbstbestimmt den Alltag zu gestalten und vielleicht mal eine Reise mit Ehefrau Tina nach New York zu unternehmen. Für den Beginn würde ihm ein Abend mit Rippchen im Portugiesischen Kulturzentrum schon reichen – wenn es endlich wieder möglich ist. Sein Kollege hingegen freut sich auf ausgedehnte Fahrten mit dem Wohnmobil in den Süden. Frankreich, Spanien, Portugal. Nach Corona gibt es mit Ehefrau Christiane viel zu entdecken. Beide sind sich am Ende ihrer Dienstzeit sicher: Polizist würden sie immer wieder werden, denn „als Polizist trittst Du in eine große Familie ein – weltweit.“

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