Bei den Mitgliedern soll mehr Diversität erreicht werden

Rotarier machen Umweltschutz zum Schwerpunktthema

Der Rotary-Club Solingen hat erstmals eine Frau aufgenommen – Petra Veser (Bildmitte), rechts neben ihr kniet der aktuelle Clubpräsident Ralf Kohns. Mit Timur Yilmaz (3. v. r.) hat der Club auch sein erstes Mitglied mit Migrationshintergrund. Fotos: Björn Boch/Lars Langemeier
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Der Rotary-Club Solingen hat erstmals eine Frau aufgenommen – Petra Veser (Bildmitte), rechts neben ihr kniet der aktuelle Clubpräsident Ralf Kohns. Mit Timur Yilmaz (3. v. r.) hat der Club auch sein erstes Mitglied mit Migrationshintergrund.

Birgitta Radermacher als erste Frau im Governor-Amt steht auch für dieses Ziel

Von Björn Boch

Solingen. Für einiges Aufsehen hatte gesorgt, was Michael Schlipköter zu Beginn seiner Amtszeit als Rotary-Governor angekündigt hatte: sein Club, der RC Solingen, müsse endlich auch Frauen aufnehmen. Nun, ein Jahr später, ist der Anfang gemacht: Mit Petra Veser hat der Serviceclub sein erstes weibliches Mitglied. Und mit Timur Yilmaz ist auch der erste mit Migrationshintergrund beigetreten. „Rotary wird vielfältiger“, freut sich Schlipköter.

In seiner Amtszeit, die vor einigen Wochen zu Ende ging, hat Schlipköter alle 84 Clubs des Distrikts 1810 besucht – großenteils virtuell. Was ihm gar nicht so unrecht war: Statt tausende Kilometer zu fahren, konnte er sich noch stärker inhaltlicher Arbeit widmen. Und da spielt Vielfalt und deren Förderung eine große Rolle. „Für neu gegründete und junge Clubs ist das eine Selbstverständlichkeit. Aber auch in Clubs mit langer Tradition öffnet man sich diesen Gedanken“, erklärt Schlipköter in einer Bilanz seiner Amtszeit. Denn letztlich seien alle Clubs einer sich schnell wandelnden Gesellschaft ausgesetzt.

Die Bewertungskriterien für die Aufnahme hätten sich mit verändert. Diversität heiße auch, nicht nur Unternehmer und Chefärzte in den eigenen Reihen zu haben. „Mitglieder müssen servicebereit sein und sich sozial engagieren“, betont Schlipköter. Wer 50 Jahre alt sei und nie ein Ehrenamt bekleidet habe, werde mit dem Engagement wohl kaum bei Rotary anfangen.

Den Weg von Past-Governor Michael Schlipköter wird nun Birgitta Radermacher fortsetzen

Den Weg von Past-Governor Michael Schlipköter wird nun Birgitta Radermacher fortsetzen, die Amtskette und Staffelstab im Distrikt 1810 übernommen hat. „Vielfalt bereichert uns. Mir ist Diversität bei Rotary wichtig“, erklärte Lady Governor Radermacher. Die amtierende Düsseldorfer Regierungspräsidentin und frühere Chefin der Polizeibehörde Wuppertal hat als erste Frau das Governor-Amt im Distrikt inne, der von Hilden und Haan im Norden über Aachen im Westen und Siegen im Osten bis hinter Trier im Süden reicht.

Neu im Amt des Clubpräsidenten beim RC Solingen ist Ralf Kohns. Der Inhaber von Expert Schultes will sein Jahr unter das Schwerpunktthema Umweltschutz stellen. Das passe gut, da Umweltschutz seit vorigem Jahr der siebte Schwerpunkt bei Rotary sei, betont Kohns. „Lebe so, dass Du die Welt etwas besser verlässt, als Du sie vorgefunden hast“, zitiert er den Gründer der Pfadfinderbewegung. Dort startete einst Kohns’ eigenes ehrenamtliches Engagement.

Vorträge sind geplant unter anderem mit der Umwelt-Action-Group von Rotary ESRAG – sie hat sich zum Ziel gesetzt, „Mitglieder der Rotary-Familie weltweit zu befähigen, Maßnahmen zur Erhaltung der Umwelt zu ergreifen“. Ebenfalls zu Gast sein wird die Initiative „End Plastic Soup“ – sie will dafür sorgen, dass es bis 2050 keinen Plastikmüll mehr in den Ozeanen und keinen Plastikabfall mehr in Seen, Flüssen, Wäldern, Parks und auf den Straßen gibt.

Enkelfähigkeit ist ein stark beanspruchter Begriff. Mal sehen, was wir zu diesem Thema beitragen können.

Ralf Kohns, amtierender Präsident des RC Solingen

Konkrete Themen, die konkretes Handeln erfordern. „Hands on“, anpacken – diese Worte fallen oft im Gespräch mit Schlipköter und Kohns. Passend zu seinem Oberthema plant Kohns noch in diesem Jahr, 20 000 Lachse und Bachforellen in der Wupper auszusetzen. Eine Imkerin wird den Club besuchen. „Enkelfähigkeit ist ein stark beanspruchter Begriff. Mal sehen, was wir zu diesem Thema beitragen können“, schreibt Kohns in seinem Jahresprogramm. Auch die eigene Zukunft hat er im Blick. Aus der Jugendorganisation Rotaract und den Alumni, die mit Rotary zum Beispiel auf Schüleraustausch waren, soll verstärkt tatkräftiger Nachwuchs gewonnen werden.

Bereits geholfen wurde in diesem Jahr in Indien – dringend benötigter Sauerstoff erreichte die Menschen, als die Coronapandemie dort ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. Und auch nach der Hochwasser-Katastrophe, die Solingen rund um die Wupper schwer getroffen hat, waren die Rotarier aktiv (| Kasten). „Innerhalb des Distrikts übernehmen die Clubs die Soforthilfen durch Geldspenden und Hands-on-Aktivitäten“, berichtet Schlipköter. „Wir haben Hilfe selbst oder durch Vermittlung geleistet“, ergänzt Kohns.

Weltweit wollen die Rotarier auch bei der Verteilung von Corona-Impfstoff helfen. Erfahrungen und Infrastruktur gibt es aus dem weltweiten Kampf gegen Kinderlähmung. „End Polio now“, das größte Projekt der Rotarier, steht kurz vor einem erfolgreichen Abschluss: Bislang gab es in den letzten Ländern mit dem Wildvirus – Pakistan und Afghanistan – erst zwei gemeldete Fälle, so dass eine Ausrottung in greifbare Nähe gerückt ist.

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Rotarier

Rotarier in Solingen: Der Rotary-Club Solingen, dessen Präsident Schlipköter 2009 war und den nun Ralf Kohns für ein Jahr leitet, hat 56 Mitglieder. In Solingen gibt es außerdem den Rotary-Club Solingen-Klingenpfad, der derzeit mehr als 60 Mitglieder hat. Mehrere Clubs in einer Stadt sind nicht ungewöhnlich, man sieht sich als Ergänzung, nicht als Konkurrenz – und feiert im August ein gemeinsames Sommerfest.

Hochwasser: Der Distrikt hat ein Spendenkonto eingerichtet, auf das bereits mehr als 400 000 Euro eingezahlt worden seien, berichtet Michael Schlipköter – zusätzlich zu Spenden, die die Clubs selbst generiert haben. Die Verteilung der Spendengelder wird ein Distriktlenkungsausschuss unter dem Vorsitz von Birgitta Radermacher vornehmen.

Clubs: Der RC Solingen steht in Kontakt mit der Koordinationsstelle der Stadt und wird finanziell ein größeres Projekt unterstützen, berichtet Ralf Kohns. Der Rotary-Club Solingen-Klingenpfad hat an die Gerd-Kaimer-Stiftung 5000 Euro überwiesen, dazu kamen 5000 Franken (rund 4600 Euro) vom Schweizer Partnerclub aus Obwalden, „quasi als internationale Katastrophenhilfe auf dem kurzen Dienstweg“, wie der Club schreibt.

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