Karneval

Rosenmontagszug fällt auch dieses Jahr aus

Axel Hawranke und Veronika Rehm-Fischer vom FSK am Walder Stadtsaal. Ob die geplanten Veranstaltungen dort stattfinden werden, steht noch nicht fest.
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Axel Hawranke und Veronika Rehm-Fischer vom FSK am Walder Stadtsaal. Ob die geplanten Veranstaltungen dort stattfinden werden, steht noch nicht fest.

Karnevalisten im Festausschuss Solinger Karneval entschieden sich einstimmig gegen einen Rosenmontagszug 2022.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die unpopuläre Entscheidung ist den Mitgliedsvereinen im Festausschuss Solinger Karneval (FSK) alles andere als leicht gefallen: Mit Blick auf die rasante Verbreitung der Corona-Variante Omikron entschieden sich die Jecken laut dem FSK-Vorsitzenden Axel Hawranke „nahezu einstimmig“, den für den 28. Februar geplanten Rosenmontagszug abzusagen. „Wir haben eine Meinungsumfrage unter den Vereinen gemacht, bei der sich ein klares Bild gezeigt hat“, so Hawranke. „Wir fanden es alle sinnvoller, besser jetzt Nägel mit Köpfen zu machen, anstatt den Zug 14 Tage vorher abzusagen.“

Zwar hätte man die im Verein organisierten Karnevalisten noch halbwegs mit Tests kontrollieren können, für das Publikum auf den Straßen wäre dies aber kaum möglich gewesen. Somit sei der Entschluss im Einvernehmen mit der Stadt gefallen, die dem FSK beratend zur Seite gestanden habe. „So traurig wir die Situation auch alle finden – die Gesundheit geht nun einmal vor.“ Durch die rechtzeitige Absage könne der FSK den finanziellen Schaden einigermaßen abfedern. „Einige Vereine mieten auch Wagen, die jetzt gar nicht erst gebaut werden“, so Hawranke. Mit den beteiligten Künstlern und Dienstleistern seien schon im Vorfeld bei der Planung Rücktrittsmöglichkeiten vereinbart worden.

Ich hätte mir von der Politik schon früher ein Machtwort gewünscht.

Axel Hawranke, FSK-Vorsitzender

„Für die Kapelle ist das natürlich hart, die nun schon im zweiten Jahr auf den Zug verzichten muss“, bedauert der FSK-Vorsitzende, der sich von der Politik „schon früher ein Machtwort gewünscht“ hätte. Denn die Vereine könnten planerisch besser damit umgehen, wenn die Züge flächendeckend untersagt worden wären, da sie dann schneller und unbürokratischer Hilfen in Anspruch nehmen könnten. Nicht gerade förderlich für die Vereine in ganz Nordrhein-Westfalen sei die Absprache, die hochrangige Karnevalsvertreter, darunter auch der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, mit dem Land NRW ausgehandelt hatte.

Demnach können Vereine eine Ausfallzahlung aus einem Sonderfonds des Bundes bis maximal 5000 Euro bei der zuständigen Bezirksregierung beantragen, wenn sie pandemiebedingt freiwillig eine Veranstaltung absagen. Die Hilfe kann für Veranstaltungen bis zum 28. Februar als pandemiebedingt beansprucht werden. „Das wälzt die komplette Verantwortung auf die Vereine ab“, kritisiert Axel Hawranke.

Denn diese müssten rund 90 Prozent ihrer Verluste mit Mitteln aus dem Sonderfonds decken und sich zudem steuerlich zertifizieren lassen. „Daran hängt ein langer Rattenschwanz der Bürokratie.“ Ein sinnvollerer Ansatz wäre aus seiner Sicht gewesen, dass betroffene Künstler ihre Ausfälle in dem Fonds selbst geltend machen können, anstatt dies über die Vereine zu regeln. Für die sei die gegenwärtige Situation durchaus existenzbedrohend, zumal der Sonderfonds nur für Innenveranstaltungen greift, nicht aber für Veranstaltungen im Freien wie der Rosenmontagszug.

Solingen: Mehrere Veranstaltungen sind noch offen

Noch nicht abgesagt sind derweil mehrere Innenveranstaltungen wie der Ordenskommers des Höhscheider Karnevalsvereins am 9. Januar im Autohaus Schönauen, der karnevalistische Abend des Höhscheider Karneval Verein am 29. Januar, die Karnevalsparty der KG Rot-Weiß Klingenstädter am 5. Februar sowie deren Große Damensitzung am 6. Februar – alle im Walder Stadtsaal. „Es sieht zwar momentan nicht gut aus, aber mit 2G plus haben wir zumindest sehr genaue Kontrollmöglichkeiten“, so Hawranke. Eine endgültige Entscheidung über diese Veranstaltungen soll am 15. Januar fallen.

Am 11.11. startete der Karneval in Solingen mit Galasitzung und Prinzenproklamation

Blick in die Nachbarstädte

Remscheid: Die Lenneper Karnevalsgemeinschaft (LKG) hat den Rosenmontagszug ebenfalls pandemiebedingt abgesagt. Die 3G-Regeln ließen sich im närrischen Getümmel nicht kontrollieren, hieß es auch in Solingens Nachbarstadt zur Begründung. Auch auf Zeltpartys am Lenneper Bahnhof wolle man in diesem Jahr verzichten.

Wuppertal: Die Wuppertaler Karnevalisten haben noch keine finale Entscheidung getroffen, doch auch dort stehen wohl die Zeichen auf Absage.

Standpunkt: Verantwortungsbewusst

Ein Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Auch wenn sich bei den Solinger Jecken längst Entzugserscheinungen in der zweiten von der Pandemie überschatteten Session bemerkbar machen dürften – die Absage des Rosenmontagszuges ist angesichts der dynamischen Lage durch die Corona-Variante Omikron die richtige Entscheidung. Es zeugt von Verantwortungsbewusstsein der Karnevalsvereine im FSK, dass sie den Gesundheitsschutz der Bevölkerung über die eigenen Interessen stellen, obwohl mit der Absage für sie herbe finanzielle Verluste verbunden sind. Die Politik zeigt zwar nach außen hin guten Willen, die Vereine unter anderem mit Ausfallzahlungen zu unterstützen, ein Geniestreich ist die Linie des Landes jedoch nicht. Da die ohnehin belasteten Vereine nur Anspruch auf die Hilfen haben, wenn sie ihre Veranstaltung freiwillig bis zum 31. Januar absagen, lastet die volle Verantwortung auf ihren Schultern. Um die Hilfen zu erhalten, müssen sie zudem einigen bürokratischen Aufwand betreiben. Eine Patentlösung für die schwierige Situation gibt es nicht. Nur die Hoffnung, dass der närrische Schlachtruf „Solig lot jonn!“ bald wieder unbeschwert erklingt.

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