Mehr Rücksichtnahme gefordert

E-Roller sorgen in Solingen weiter für Konfliktpotenzial

Lange musste unser Fotograf gestern nicht suchen, bis er E-Roller fand, die zu einem Engpass auf dem Gehsteig führten. Foto: Christian Beier
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Lange musste unser Fotograf gestern nicht suchen, bis er E-Roller fand, die zu einem Engpass auf dem Gehsteig führten.

Ein Gespräch zwischen Vertretern von Senioren und Behinderten mit den Anbietern soll helfen.

Von Björn Boch

Solingen. E-Scooter in Solingen sorgen weiter für Konfliktpotenzial zwischen Nutzern und anderen Verkehrsteilnehmern. Vor allem der Beirat für Menschen mit Behinderungen und der Seniorenbeirat beklagen die teils rücksichtslose Nutzung sowie unachtsames Abstellen der E-Roller. Nun sollte ein Gespräch Abhilfe schaffen, zu dem die Stadt Vertreter der Beiräte sowie Anbieter der E-Roller eingeladen hatte.

Zum Hintergrund: Seit Mitte Mai stehen in der Klingenstadt 1000 bis 1500 E-Roller von drei verschiedenen Anbietern zur Verfügung. „Bislang wird das Angebot sehr gut angenommen. Wie bei allen Neuerungen kommt es aber an verschiedenen Stellen noch zu Problemen mit dem neuen Verkehrsmittel“, so Stadtsprecher Daniel Hadrys.

Stadtdirektor Hartmut Hoferichter betonte nach dem Gespräch, dass Stadt und E-Roller-Verleiher seit Beginn der Vermietung in stetigem Austausch stünden. Carsten Knoch, Abteilungsleiter Mobilität und generelle Planung, erklärte, wo nachgesteuert worden sei: So seien etwa Parkverbotszonen ausgeweitet worden – in diesen kann der Roller zwar abgestellt, die Ausleihe des Rollers aber nicht ordnungsgemäß beendet werden. Es kostet also weiter Geld.

Die Verleiher (die Firmen Bird, Lime und Tier) hätten laut Stadt angeboten, neuralgische Punkte und Problemstellen, die durch die Beiratsmitglieder gemeldet würden, gemeinsam zu begehen und Lösungen zu finden. Weiterhin berichteten die Anbieter, dass auch die eigenen Mitarbeiter „hinsichtlich der Ausbringung der E-Tretroller sensibilisiert werden“ – es kommt auch dort zu Problemen beim Abstellen.

Ebenso hätten die Anbieter ihre Apps verbessert, um auf Regeln beim Fahren und Parken aufmerksam zu machen. „Zudem hat es sich bewährt, dass beim Beenden der Miete mittels Handy-App Fotos angefertigt werden müssen“, so Hadrys.

Solingen: Falsch abgestellte Roller können per App gemeldet werden

Derzeit befinde sich eine auf künstlicher Intelligenz basierende Lösung im Aufbau, mit der unmittelbar auf Fehler – etwa beim Parken auf einem Behindertenleitsystem – aufmerksam gemacht werde. Auch könnten mit der jeweiligen App der Anbieter falsch abgestellte Roller gemeldet werden.

Markolf König vom Behindertenbeirat hatte bereits Mitte Juni im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen Lösungen gefordert, etwa für Rollstuhlfahrer oder Blinde. „Denn wir können die Dinger nicht einfach wegräumen.“

Die Stadt hat das Angebot laut eigener Aussage „nicht aktiv angelockt“, mehrere Firmen seien auf Solingen zugekommen. Man verzichte in der Anfangsphase auf Sondernutzungsgebühren, um im Gegenzug Details vertraglich zu regeln – etwa, in welchen Bereichen die Roller fahren dürfen. Außerdem erhalte die Stadt Zugriff auf anonymisierte Daten, die einen Rückschluss auf das Mobilitätsverhalten zulassen. Unter Experten ist umstritten, ob E-Scooter tatsächlich nachhaltig Wege etwa mit dem Auto ersetzen oder doch eher ein Freizeitspaß sind.

Solingen: Für ein generelles Verbot sieht die Stadt keine Grundlage

Für ein generelles Verbot sieht die Stadt keine Grundlage, die „Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung“ ermöglicht die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr. Köln diskutiert Beschränkungen – nach Unfällen und mehr als 500 Rollern, die in den Rhein geworfen worden sind. International haben Städte wie Kopenhagen und Montreal E-Scooter ganz oder teilweise verbannt.

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