Falsch geparkte E-Scooter erhöhen Sturzgefahr

E-Roller: Sehbehinderte üben Kritik

Sandra Wilms heftet am Hintereingang des Hauptbahnhofs eine Gelbe Karte an einen herumliegenden E-Roller. In diesem Fall wurde das Foto gestellt, die Situation ist für die erblindete Solingerin aber trauriger Alltag.
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Sandra Wilms heftet am Hintereingang des Hauptbahnhofs eine Gelbe Karte an einen herumliegenden E-Roller. In diesem Fall wurde das Foto gestellt, die Situation ist für die erblindete Solingerin aber trauriger Alltag.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Solingen wünscht sich mehr Abstellplätze.

Von Kristin Dowe

Solingen. Das Problem, dass manche Nutzer die in Solingen entleihbaren E-Roller einfach irgendwo wild im Stadtgebiet abstellen, ist nicht neu. Welche Gefahren so ein rücksichtsloses Parkverhalten gerade für Menschen birgt, die solche Stolperfallen nicht sehen können, darauf möchte der Blinden- und Sehbehindertenverein Solingen (BSVS) mit einer Aktion aufmerksam machen: Wann immer jemand das Phänomen wieder beobachtet, heftet er symbolisch eine Gelbe Karte an das Gefährt und macht ein Foto mit dem Smartphone davon.

So manche Gelbe Karte sei in Solingen auch schon verteilt worden, berichtet die Vereinsvorsitzende Sandra Wilms: „Die Roller werden sogar auf unseren Leitlinien abgestellt. Eigenhändig zur Seite stellen können wir sie oft auch nicht, weil sie einfach zu schwer sind und wir natürlich nicht sehen können, wo wir sie dann am besten abstellen.“ Das Problem sei auch im Behindertenbeirat schon thematisiert worden.
Mit dem E-Scooter nachhaltig in Solingen unterwegs? Das sagen Stadt, Umweltbundesamt und Anbieter

Zudem habe der BSVS sich mit einem Schreiben an die Stadt gewandt und darin unter anderem mehr feste Stellplätze für E-Scooter gefordert. Insbesondere im Bereich der Sauerbreystraße nahe dem Hauptbahnhof, wo sich auch die Geschäftsstelle des Vereins befindet, sehen die Mitglieder dringenden Handlungsbedarf, da sogar der Eingang des Vereinsgebäudes häufig mit den Rollern zugeparkt sei.

An der Sauerbreystraße sollen Stellplätze für E-Roller entstehen

Stellplätze an der Sauerbreystraße seien mittelfristig auch geplant, berichtet Rathaussprecher Daniel Hadrys auf Nachfrage. „Die Parkfläche wurde noch nicht installiert, da in Kürze der Bau des Hotels beziehungsweise Zugangsbauwerks und des Bahnhofsvorplatzes beginnt. Für die Bauphase sind Parkmöglichkeiten sowohl für Fahrräder als auch für E-Tretroller angedacht.“ Zudem prüfe die Stadt in Abstimmung mit den Anbietern, „wo E-Roller-Parkplätze an neuralgischen, stark frequentierten Orten noch erforderlich sind, um Situationen zu ordnen und sicherer zu gestalten“, so Hadrys. Weil bei E-Rollern die Elektrokleinstfahrzeugverordnung greift, dürfen sie ausschließlich auf dem Gehweg geparkt werden. Dieser muss auf einer Breite von mindestens 1,50 Metern frei gehalten werden. Auch Blindenleitsysteme, Einfahrten, Feuerwehrzufahrten dürfen nicht versperrt werden.

Bei Verkehrsgefährdung oder Behinderung können Bürgerinnen und Bürger die Anbieter etwa mit einem Foto auch direkt kontaktieren. Die Kontaktdaten gibt es auf den Seiten der Stadt Solingen. Auf den Rollern des Anbieters Tier sind außerdem auch Aufkleber mit den Kontaktdaten in Braille-Schrift aufgebracht. Die Anbieter sind laut Angaben der Stadt verpflichtet, die Roller „in einem vertraglich festgelegten Zeitfenster“ zu entfernen. Geschieht dies nicht, werde auch der Kommunale Ordnungsdienst aktiv und räume die betreffenden Fahrzeuge zur Seite.

Die Nachverfolgung von Parksündern gestalte sich allerdings oft schwierig, bedauert Hadrys. da korrekt abgestellte E-Roller mitunter auch von Passanten versetzt würden. „Dann lässt sich kaum feststellen, wer tatsächlich für die Verkehrsgefährdung oder -behinderung verantwortlich ist.“ Bei falsch abgestellten Rollern handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Verwarngeld von 20 Euro zu Buche schlagen kann.

Sandra Wilms betont, dass sie die E-Roller als Ergänzung im Mobilitätskonzept der Stadt nicht pauschal ablehne. „Es wäre nur schön, wenn die Menschen für unsere Situation stärker sensibilisiert wären.“

Stadtteilpolitik

Mit den E-Rollern soll sich der städtische Verkehrsausschuss noch einmal befassen. Dafür sprach sich nach langer Diskussion die Bezirksvertretung Mitte am Donnerstagabend aus. Die Politiker dort regten unter anderem an, vor allem in der Innenstadt und den Stadtteilzentren das Abstellen der Mietroller auf bestimmte Zonen zu beschränken. ate

Standpunkt von Kristin Dowe: Frage der Solidarität

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Bis zu einem bestimmten Grad ist es wohl normal, dass Neuerungen im Straßenverkehr wie das Verleihsystem für E-Roller sich erst einmal einspielen müssen und am Anfang noch nicht alles perfekt läuft. Zwar sind die wild im Stadtgebiet abgestellten E-Scooter in Solingen nicht mehr so ein Massenphänomen wie bei deren Einführung, doch schlagen Parksünder unterm Strich immer noch zu häufig zu. Was das im Alltag insbesondere für blinde oder sehbehinderte Menschen bedeutet, ist anderen oft gar nicht bewusst.

Die Betroffenen sind zwingend darauf angewiesen, dass alle sich an die Regeln halten, wenn sie nicht ständig mit der Angst vor einem Sturz oder Schlimmerem in der Stadt unterwegs sein möchten. Insofern ist rücksichtsvolles Parken auch eine Frage der Solidarität mit den Schwächeren der Gesellschaft. Grundsätzlich führt an weiteren festen Stellplätzen für die Roller allerdings kein Weg vorbei, um das Problem zu mildern. Gut, dass die Stadt den Bedarf erkannt hat.

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