Konzert

„Rockcity is Electric“ setzt Solinger Musikszene ein Denkmal

Den gesanglichen Einstieg zur Show „Rockcity is Electric“ bot im Pina-Bausch-Saal Coco Teuber. Es sind weitere Auflagen – auch in anderen Darstellungsformen – geplant. Foto: Tim Oelbermann
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Den gesanglichen Einstieg zur Show „Rockcity is Electric“ bot im Pina-Bausch-Saal Coco Teuber. Es sind weitere Auflagen – auch in anderen Darstellungsformen – geplant.

Im Theater gab es eine Reise in die musikalische Vergangenheit und Zukunft Solingens.

Von Julia Wodara

Solingen. Menschen, die nicht nur gute Musik machen, sondern mit ihr auch etwas Bedeutendes zu sagen haben: „Rock ist ein wichtiges Genre – vielleicht sogar das wichtigste des 20. Jahrhunderts“, heißt es während des Konzerts „Rockcity is Electric.“ Die 60 Jahre Solinger Musikgeschichte, die an diesem Abend im Theater- und Konzerthaus erzählt werden, gehen darüber hinaus: Die von Julian Müller, Jens Vetter und Jens Stuhldreier konzipierte Veranstaltung gibt mit einer Mischung aus Liveacts, Interviews und bildlichen Eindrücken der „Lost Places of Rock’n’Roll“ einen Einblick in genreübergreifende Facetten und die diversen Persönlichkeiten, die dahinter stehen.

Der Abend brachte vor allem viele Klassiker der Solinger Musikszene zurück – unter anderem kehrte Promotion-Sänger Hermann Daun so nach ganzen 20 Jahren mit einem Cover von James Browns „It’s a Man’s Man’s Man’s World“ auf die Bühne zurück. Nach jeder Songeinlage führen Gesprächen mit Moderator Klaus Fiehe immer auch näher zu den Interpreten selbst. Viel ist dabei vor allem der Liebe zur Musik gewidmet: „Ja, ich lebe immer noch, und das ist mein Leben“, sagt Wolfgang ‚Coco’ Teuber über die Bühne. „Das ist einer der geilsten Abende meines Lebens.“

Dass die Geschichte der Solinger Musikszene eine lange und anhaltende ist, zeigt sich in der Veranstaltung oft: „S.Y.P.H. ist für dich wie ein Magnet“, meint Fiehe zu Frontmann Harry Rag, „die Band lässt dich nicht los.“ Der Sänger gibt zu: „Im guten wie im schlechten Sinne.“ Das beweist er musikalisch, als er die Punk-Idee – „aufrichtige Empörung gemischt mit bösem Witz“ – in einem Song zeigt, der gerade fünf Minuten alt ist. Hingabe galt an diesem Abend aber nicht nur der Musik selbst, sondern auch ihren Menschen. „Die Bands gehen gut miteinander um – es gibt keine Rivalität“, hebt Fiehe hervor.

Veranstaltung untermauert die Lebendigkeit der Solinger Szene

Und auch Peter Hellweg der Band Trick 17 erinnert sich im aufgezeichneten Interview besonders an die Zeit mit seinem verstorbenen Bandkollegen Thomas Kohl. „Er war nicht von dieser Welt“, erzählt er – in der Musik habe ihn besonders seine scheinbar mühelose Gabe für Songtexte ausgezeichnet.

„Hab dich nicht gefunden. Suche dich.“ Das war die letzte Nachricht, die Hellweg vor Kohls Tod von ihm erhalten hat und gleichzeitig auch ein Symbol der Beziehung zwischen den Musikern. „Deshalb musste es auch enden“, sagt er. Musikalisch werden sie während des Konzerts trotzdem repräsentiert, und zwar durch die Lyschko-Sängerin Lina Holzrichter und den Kontrolle-Bassist Carsten Wagner – es bleibt nicht die einzige Neuinterpretation des Abends.

Die Solinger Sängerin und Songwriterin Leonora Huth gibt dem Song „Balls to the Walls“ der Metalband Accept einen Soul-Anstrich und zeigt damit nicht nur, wie divers Musik gestaltet werden kann, sondern auch, wie vielfältig die eigenen Fähigkeiten sind. „Wir arbeiten gerade auch an einem fetteren Sound“, sagt die erst 20-Jährige über die Arbeit an ihrer Musik. „Dann bin ich nicht mehr nur Leonora am Piano.“ Ihre erste Single erscheint im November – noch einmal live gesehen werden kann sie aber schon am 30. Oktober im Haus der Jugend.

Hintergrund

Einblicke in die Solinger Musikgeschichte gab es am Wochenende auch in der Ausstellung zu „Rockcity is Electric“. Weitere Termine und Darstellungsformen sind in Planung. Online gibt es zudem unsere Reihe zur Solinger Rockgeschichte von Julian Müller.

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