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Rock-Szene ist in der Corona-Zeit kreativ

Lyschko sind: Felix Ring (Schlagzeug/v.l.), Lukas Korn (Gitarre), Lina Holzrichter (Gesang und Gitarre), Jonah Holzrichter (Bass). Foto: Emilia Nowakowski
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Lyschko sind: Felix Ring (Schlagzeug/v.l.), Lukas Korn (Gitarre), Lina Holzrichter (Gesang und Gitarre), Jonah Holzrichter (Bass).

Bands wie Lyschko, Kontrolle, Suzan Köcher’s Suprafon und Blackberries sorgen für Impulse.

Von Julian Müller

Solingen. Nachdem ich in meiner Reihe zur Solinger Rockgeschichte bislang den Blick zurückgeworfen habe, soll nun ins Hier und Jetzt geschaut werden. Denn auch aktuell gibt es viel zu entdecken. Ein wacher Blick auf die Subkultur unserer Stadt lohnt sich immer. Lyschko etwa, die schon 2011 als 12- und 13-Jährige unter dem Namen Cuckoo anfingen, haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich, die sie vom englischsprachigen Indie-Pop zum deutschsprachigen Post-Wave führte. Ihre Musik ist geprägt von rauen Klängen, die an Bands wie Einstürzende Neubauten und Ideal erinnern.

Diese Einflüsse verbinden sie mit ihrer eigenen Dringlichkeit zu etwas Neuem, das sie bisher schon quer durch Deutschland führte. In ihren Texten verarbeiten sie sowohl politische Beobachtungen als auch persönliche Gedanken.

Solingen: Virus-Pandemie ändert das Leben der Live-Musiker

„Vieles was man als Kind für selbstverständlich gehalten hat, bricht gerade zusammen“, schaut Sängerin Lina Holzrichter auf die aktuelle Lage. Als erste Vorsitzende des Waldmeisters ist Holzrichter auch abseits der Band aktiv. „Der Waldmeister war für uns alle ein Grund trotz unseres Studiums in Solingen zu bleiben“, erzählt die Musikerin.

Mit Lyschko soll es im Herbst zusammen mit Tobias Siebert ins Studio gehen, um das Debütalbum aufzunehmen. Gitarrist Lukas Korn ist außerdem in der Band von Mia Morgan tätig. Es wird interessant zu sehen sein, was man nach Corona noch alles von ihnen hören wird.

Kontrolle: Andrew Collar (Schlagzeug und Artwork/v.l.), Carsten Wagner (Gitarre und Keys), Daniel Brangs (Gesang und Bass).

Auch der seit den 1990ern äußerst umtriebige Carsten Wagner (unter anderem forced to decay) ist dieser Tage wieder mit einer neuen spannenden Band aktiv. Kontrolle sind ein Post-Punk- und Wave-Trio, das ähnlich wie Lyschko eine düstere Ästhetik in seine Songs fließen lässt. „Die Idee eine Band beeinflusst vom Wave-Sound der 1980er zu machen, hatten Daniel Brangs und ich schon seit Jahren“, erzählt Carsten Wagner. Doch erst bei einem Kneipenabend zusammen mit Schlagzeuger Andrew Collar nahm die Idee im Frühjahr 2017 Gestalt an. Ein erstes, bereits im Herbst ins Netz gestelltes Demo war ein unerwartet großer Erfolg und letztes Jahr erschien ihr Album „Egal“ mit dem so eingängigen wie cleveren Hit „Baumarkt“. „Aktuell nutzen wir die konzertfreie Zeit und arbeiten an unserer zweiten Platte, die wir im Dezember aufnehmen wollen“, erzählt Wagner.

„Die konzertfreie Zeit nutzen wir für unsere zweite Platte.“
Carsten Wagner, Kontrolle

Nun kommt der Augenblick an dem ich etwas über meine Geschichte schreibe. Mit den Blackberries habe ich 2007 angefangen. Nach einigen Singles und EPs, die wir in Eigenregie veröffentlicht hatten, war unser Debütalbum „Music For The Night“ 2012 geprägt vom tanzbarem Indie-Rock der Nuller Jahre und kam damit vermutlich einen Tick zu spät.

Blackberries: Janis Rosanka (Bass, Gesang/v.l.), Thomas Haumann (Schlagzeug), Julian Müller (Gesang, Gitarre), Joscha Justinski (Keys).

Unbeeindruckt davon spielten wir viele Konzerte, knüpften neue Kontakte und lernten, was es heißt, auf Tour zu sein und vor fremdem Publikum zu spielen. Aus meiner schon länger gehegten Idee, eine Solo-Platte aufzunehmen, wurde dann noch eine weitere Band, für die ich auch Mutz als Gitarristen gewinnen konnte. 2015 kam unser Album „Palace Fever Sing About Love, Lunatics & Spaceships“ auf Unique Records heraus.

Das Düsseldorfer Label, was schon seit den späten 1980ern Solinger Bands wie die Embryonics veröffentlichte, war nun auch für uns ein Zuhause geworden, aus dem meine Bands bis heute nicht rausgeflogen sind. Parallel zu Palace Fever entwickelte sich auch das zweite Blackberries-Album, das 2016 unter dem Namen „Greenwich Mean Time“ erschien. Ein psychedelisches Doppelalbum, das eine Abkehr von unserem alten Sound war und für manche wie ein Bruch wirkte.

Tatsächlich waren wir damit aber wieder viel näher an unseren eigentlichen Wurzeln. Dies war die Musik, die passierte, wenn wir zusammen drauflos jammten. Mit unserem motivierten Booker im Hintergrund spielten wir im Anschluss etwa hundert Shows, die uns bis nach China, Amerika und Kanada führten. Eine intensive Zeit, in der wir alle wahnsinnig viele Erfahrungen sammeln durften.

2018 erschien mit „Disturbia“ Album Nummer drei, auf dem wir uns politischen Themen zuwandten, die die immer desolater werdende Lage der Welt widerspiegelten. Diese Inhalte werden auch das kommende Album prägen, welches eigentlich diesen Sommer erscheinen sollte, aber aufgrund der Corona-Krise nun erst mal verschoben werden muss.

Suzan Köcher’s Suprafon: Alfie Joy (Bass und Gesang/v.l.), Julian Müller (Gitarre und Gesang), Suzan Köcher (Gesang und Gitarre), Jens Vetter (Schlagzeug und Keys)

Aus der vorläufigen Asche von Palace Fever entstieg dann Suzan Köcher’s Suprafon. Bei einer unserer Jahresabschlussshows luden wir Suzan als Gast ein und merkten, dass ihre Stimme, ihre Songs und ihr Talent nach weitaus mehr klangen, als nach einem bloßen Gastauftritt.

Ihr 2017 veröffentlichtes Debütalbum „Moon Bordeaux“ nahmen Suzan und ich noch größtenteils als Duo auf. Für den Nachfolger flogen wir nach Austin, Texas, und spielten als feste Band unsere neuen Songs ein, die irgendwo zwischen Psychedelic und Dream-Pop oszilieren.

Solingen: Suprafon vereint Gesang mit analogem Synthesizer-Sound

Neben Suzans Stimme sind es auf „Suprafon“ die analogen Synthesizer, die das Klangbild prägen. Unser Schlagzeuger Jens Vetter hatte seine Liebe zum Korg MS10 und dem Moog Prodigy entdeckt und erschuf damit Klangwelten, die uns ganz neue Türen öffneten. Auch hier ist das nächste Album bereits in Arbeit.

Serie zur Solinger Musikgeschichte

Solingen hat eine reiche Musikhistorie, die immer wieder spannende Bands hervorbrachte. Julian Müller, Kopf der Blackberries, unternimmt in seiner Reihe eine Zeitreise durch die Vergangenheit. Dabei beleuchtet er internationale Erfolgsgeschichten, aber auch den Werdegang von lokalen Phänomenen, die es nicht über die Stadtgrenzen hinaus geschafft haben. Die Serie blickte bereits auf Bands wie Promotion Soul Concern, S.Y.P.H., Accept und die Embryonics zurück. Die nächste Folge behandelt in dieser Reihe bislang zu kurz gekommene Bands wie die Mods und The Cheeks.

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