Veranstaltungen

Stadtteilfeten statt großer Stadtfeste

Sie haben neue Ideen für Feste, die auch in der Pandemie möglich sind (v. l.): Detlef Ammann (Werbe- und Interessenring Innenstadt Solingen), Falk Dornseifer (Zöppkesmarkt-Verein), Waldemar Gluch (Initiativkreis) und Philipp Müller (Mit-Organisator der Sommerparty). Foto: Christian Beier
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Sie haben neue Ideen für Feste, die auch in der Pandemie möglich sind (v. l.): Detlef Ammann (Werbe- und Interessenring Innenstadt Solingen), Falk Dornseifer (Zöppkesmarkt-Verein), Waldemar Gluch (Initiativkreis) und Philipp Müller (Mit-Organisator der Sommerparty).

Sommerparty und Zöppkesmarkt fallen aus – Veranstalter gehen neue Wege

Solingen. Fest steht: Die Sommerparty Anfang August und der einen Monat später geplante Zöppkesmarkt entfallen in der Innenstadt auch in diesem Jahr. Das teilten die Organisatoren des Initiativkreis Solingen beziehungsweise des Vereins zum Erhalt des Solinger Brauchtums nun mit. Klar ist aber auch, dass die Initiatoren zusammen Ersatz noch in diesem Jahr planen: Eine Stadtteilfeten durch einige Stadtteile, die drei oder vier Veranstaltungen beinhalten soll, ist in Arbeit. Gedacht wird in ersten Überlegungen bislang an den Neumarkt, das Klingenmuseum beziehungsweise den Klosterhof in Gräfrath, den Peter-Höfer-Platz in Höhscheid oder eine Auflage in Ohligs. Die Stadtteil-Akteure werden mit ins Boot geholt.

Man visiere einen Zeitraum von „Mitte, Ende September bis in den Oktober hinein“ an, so Sommerparty-Mitveranstalter Philipp Müller. „Wir denken, dass das eine Perspektive ist, die realistischer ist als der August.“ Mit gutem Hygienekonzept seien Besucherzahlen zwischen 500 und 1000 „durchaus zu managen“. Gedacht wird an kleine Plätze oder eingezäunte Flächen, für die es einen gut zu überwachenden Einlass gibt: Zulassungsbeschränkungen und Kontaktverfolgung – eine Einbindung der Solingen-App ist im Gespräch – würden sicherlich auch in einigen Monaten noch verpflichtend sein.

Konkrete Planungen für die Stadtteilfeten sind von den weiteren Corona-Entwicklungen abhängig

Müller weiter: „In den nächsten zwei bis drei Wochen zurren wir Verträge mit Solinger Künstlern fest, deren Rückmeldungen sehr positiv sind. Wir schauen, welches Equipment zu haben ist, und sitzen dann auf gepackten Koffern.“

Die weitere Planung sei dann natürlich durch den Verlauf der Pandemie, durch Inzidenzzahlen und Impffortschritt sowie den zulässigen Rahmen für Veranstaltungen geprägt, verwies Initiativkreis-Vorsitzender Waldemar Gluch darauf, dass es sich bei der Stadtteilfeten um eine konkrete Idee handele, aber aktuell nichts zugesagt werden könne.

Die kleinen Veranstaltungen könnten dann aber Präzedenzen schaffen. Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins Falk Dornseifer: „Ob wir oder der Initiativkreis – wir haben nie den Kopf in den Sand gesteckt, sondern überlegen seit Beginn der Pandemie gemeinsam, was möglich ist.“

Kleine Veranstaltungen in verschiedenen Ecken Solingens

Es geht Dornseifer auch darum, mit der Stadt auszuloten, „wie wir mittelfristig Projekte geregelt bekommen.“ Die Veranstaltungen könnten also als Pilotprojekte dienen – dass Dornseifers zweiter Vorsitzender Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) ist, sorge für „kurze Wege und viel Austausch mit der Stadt“.

Die kleinen Veranstaltungen in verschiedenen Ecken Solingens sollen insbesondere die Chance für heimische Künstler sein, wieder aufzutreten, so Müller: „Wir wollen unbedingt Livemusik unserer Profikünstler anbieten. Das sind Leute, die in der Bundesliga Musik machen, was in Solingen schon mal vergessen wird. Diese Profis sind seit bald 15 Monaten quasi ohne Auftritt.“

Die Hauptveranstalter Solinger Feste wollen über 2021 hinaus enger miteinander zusammenarbeiten

Getragen werden soll die Veranstaltungsreihe vom Initiativkreis sowie dem Brauchtumsverein gleichermaßen. Vor Ort sollen dann aber Vereine und Werbegemeinschaften eingebunden werden, die sonst unter anderem den Zöppkesmarkt bunt machen. „Dinge nicht nur gemeinsam zu formulieren, sondern auch in Zukunft gemeinsam umzusetzen, dafür ist die aktuelle Lage eine Chance“, sagt Dornseifer: Die Hauptveranstalter Solinger Feste wollen über 2021 hinaus enger miteinander zusammenarbeiten.

Derweil gehen alle Initiatoren davon aus, dass sie 2022 zur Fest-Normalität zurückkehren können. Gluch berichtet, er träume für die dann 13. Auflage der Sommerparty davon, „die Bergischen Symphoniker auf den Neumarkt zu bekommen“. Müller findet, es wäre nicht gut gewesen, nur für 2022 zu planen und für dieses Jahr gar nicht die Hoffnung zu hegen, kleinere Feste stattfinden zu lassen: „Die Leute brauchen das, sie wollen jetzt eine Perspektive.“ | Standpunkt

Sommerparty

Kosten: Die dreitägige Sommerparty baut normalerweise bei bis zu 15 Acts auf insgesamt 150 Mitarbeiter und eine Menge Equipment: Dafür sei ein Budget von 125 000 Euro vonnöten, erklären die Veranstalter. Philipp Müller: „Das ist bei der aktuellen Planungsunsicherheit natürlich nicht darstellbar.“ Damit man „plus minus null“ rauskomme, sind bei den Ersatzveranstaltungen Reservierungsgebühren vorstellbar.
Stadtteile: Neben den genannten, ersten Location-Ideen habe man „auch alle anderen Stadtteile im Blick“, sagt Waldemar Gluch.

Standpunkt: Es muss in die Zeit passen

Kommentar von Andreas Tews

andreas.tews@ solinger-tageblatt.de

Die gute Nachricht ist: Die Organisatoren der großen Stadtfeste verlieren auch im zweiten Jahr der Pandemie nicht den Mut. Statt angesichts drohender oder tatsächlicher Absagen den Kopf in den Sand zu stecken, wollen sie den Solingern – und nicht zuletzt auch den besonders gebeutelten Künstlern – eine Perspektive bieten. Dabei haben sie erkannt, dass die dritte Covid-19-Welle noch nicht überwunden ist und dass wohl auch im Sommer noch keine Großveranstaltungen möglich sein werden. Die Idee, in den Stadtteilen kleine Feste mit Hygienekonzept auf die Beine zu stellen, erscheint realistischer. Dies hätte den Charme, dass man solche abgegrenzte Partyzonen nicht nur auswärtigen Veranstaltern überlässt, denen es in erster Linie um Profit geht. Von den jetzt angedachten Veranstaltungen könnten in erster Linie einheimische Künstler, Schausteller, Gastronomen und Vereine profitieren. Dennoch steht hinter dieser Idee ein großes Fragezeichen: Die Veranstaltungen müssen in die Zeit, also ins jeweils aktuelle Pandemiegeschehen, passen. Das zu schaffen, wird nicht leicht.

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