Automatic Mobile Location

Retter orten Unfallopfer bald über das Handy

Beim Wählen der 112 werden zukünftig die Standortdaten automatisch an die Leitstelle gesendet. Foto: Christian Beier
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Beim Wählen der 112 werden zukünftig die Standortdaten automatisch an die Leitstelle gesendet.

Dank neuer Software wird beim Wählen der 112 der Standort an die Solinger Feuerwehr versendet.

Von Katharina Birkenbeul

Solingen. Eine Frau stürzt beim Spazieren gehen im Wald und kann nicht mehr laufen. Sie wählt den Notruf der Feuerwehr (112), allerdings weiß sie nicht, wo sie sich genau befindet. „Häufig sind es Wanderer, ortsfremde Autofahrer oder Freizeitsportler wie Mountainbiker, die ihren genauen Standort nicht kennen“, erklärt Ralph Haldenwang, Chef der Feuerwehrleitstelle Solingen-Wuppertal. Das kann in ungünstigen Fällen dazu führen, dass wichtige Minuten vergehen, bevor die Retter verunglückte Personen finden. Durch eine technische Neuerung kann die Feuerwehr Anrufer bald per GPS orten.

In vielen medizinischen Notfällen zählt jede Sekunde. Besonders wichtig sei das schnelle Auffinden der verletzten Personen etwa bei Kopfverletzungen, möglichen inneren Blutungen, Bewusstseinsverlust, Herzinfarkten oder großem Blutverlust, erklärt Dr. Stephan Kochen, Geschäftsführer des Ärztenetzwerkes Solimed.

73 Prozent der Notrufe werden mit dem Smartphone abgesetzt

Die Ortung wird möglich sein, wenn Notrufe mit Smartphones abgesetzt werden. Dies ist laut der Europäischen Kommission bei 73 Prozent der Anrufe der Fall. Wer mit dem Handy die 112 wählt, sendet automatisch seinen Standort an die zuständige Feuerwehr-Leitstelle. Möglich ist dies durch die Software „Automatic Mobile Location“ (AML). „Die benötigte Software wurde für den Benutzer unbemerkt durch ein Update auf den Smartphones ausgerollt“, erklärt Haldenwang.

Jedoch muss das jeweilige Smartphone GPS-fähig sein und das Betriebssystem iOs oder Android nutzen, Windows wird zur Zeit nicht unterstützt. Eine zusätzliche App wird nicht benötigt. Haldenwang: „Bereits bei Gesprächsaufbau werden die Daten erfasst und an die Leitstelle übermittelt, das geschieht innerhalb weniger Sekunden.“ Falls auch diese Daten nicht ausreichen, können über AML auch Bilder versendet werden.

Waldrettungspunkte zeigen den Standort an

Die Leitstelle Solingen-Wuppertal, bei der täglich rund 340 Notrufe eingehen – davon etwa ein Drittel aus Solingen (siehe unten) –, wird diese Technik in den kommenden Wochen einführen. „Wir sind dabei, die Software zu beauftragen, die Haushaltsmittel sind jetzt genehmigt“, erklärt Haldenwang. Damit AML an allen Arbeitsplätzen der Leitstelle zur Verfügung steht, muss eine Schnittstelle gekauft werden, laufende Kosten gebe es keine. Haldenwang: „Wir sind froh, wenn es endlich eingeführt ist.“

Die Feuerwehr setzt große Hoffnung in die neue Technik: „Wir könnten damit die Notrufzeiten halbieren“, schätzt Michael Pölcher, Teamleiter operatives Leitstellengeschäft. Aus Haldenwangs Sicht ist das automatische Versenden des Standortes zwar eine sehr gute Hilfe, allerdings kein Allheilmittel. Zu Problemen komme es, wenn netzübergreifende Telefonate geführt werden, dann fehlen die Telefonnummern der Anrufer.

Solange die neue Technik noch nicht funktioniert, müssen sich die Bürger auf die gewohnten Mittel zur Standorterfassung verlassen. „Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, wo man sich gerade befindet“, sagt Ralph Haldenwang. Straßenschilder geben Aufschluss darüber, wo man sich gerade befindet, einen Hinweis können auch Bahngeräusche oder andere auffällige Laute in der Umgebung geben. Im Wald gibt es die sogenannten Waldrettungspunkte, deren Daten man sich bei einem Spaziergang von Zeit zu Zeit merken oder abfotografieren sollte. „Augen offen halten“, rät Haldenwang. » Standpunkt

ANRUFE BEI DER FEUERWEHR-LEITSTELLE

GESAMT Bei der in Wuppertal angesiedelten Feuerwehrleitstelle gehen pro Jahr rund 250 000 Anrufe aus Wuppertal und Solingen ein. In der Hälfte der Fälle handelt es sich nach Angaben der Stadtverwaltung um Notrufe. Etwa ein Drittel aller Anrufe kommt aus Solingen.

RETTUNGSDIENST Etwa 100 000 bis 110 000 Notrufe ziehen pro Jahr einen Einsatz des medizinischen Rettungsdienstes nach sich. In drei von vier Fällen ist Eile geboten.

BRANDSCHUTZ In den Bereich des Brandschutzes fallen pro Jahr 10 000 bis 15 000 Anrufe.

STANDPUNKT: Minuten können entscheiden

Von Kristin Dowe

Einige Städte in NRW arbeiten schon mit der neuen Ortungsfunktion für Notrufe, jetzt zieht die Feuerwehr in Solingen und Wuppertal nach. Von der kleinen technischen Neuerung versprechen sich Experten großen Nutzen.

Denn ob ein Rettungseinsatz erfolgreich verläuft, hängt auch von der Genauigkeit der Informationen in Bezug auf den Standort ab, die Bürger beim Absetzen eines Notrufs an die Leitstelle übermitteln. Oft befinden sie sich dabei in einer emotionalen Ausnahmesituation und stehen enorm unter Stress. Wer sich nicht auskennt, dürfte zusätzliche Probleme haben, den jeweiligen Einsatzort zu beschreiben. 

Da kann die Technik wertvolle Dienste leisten, die hilfsbedürftige Person zu orten und so wertvolle Zeit zu gewinnen. Auch Datenschützer dürften zufrieden sein, denn die gesendeten Daten werden nur an die Leitstelle gesendet und nicht auf dem Handy gespeichert. Ein Zeichen dafür, dass die Digitalisierung auch bei der Feuerwehr Einzug hält.

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