Nach dem Hochwasser

Restaurant und Hotel Wipperaue werden verkauft

Noch viele Container voll Schrott und abgeschlagenem Putz aus dem Hotel und Restaurant Wipperaue müssen entsorgt werden. Foto: Christian Beier
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Noch viele Container voll Schrott und abgeschlagenem Putz aus dem Hotel und Restaurant Wipperaue müssen entsorgt werden.

Flutschäden machen einen Betrieb frühestens Anfang 2023 wieder möglich.

Von Philipp Müller

Solingen. Alles war im Hotel und Restaurant Wipperaue auf Erfolg getrimmt – und die Zeichen standen sehr gut, dass der auch eintritt –, als es Mitte Juni wieder losging. Betreiber Thomas Zimmermann berichtet, dass für die kommenden anderthalb Jahre praktisch für jedes Wochenende galt, man ist ausgebucht. Sternekoch Marcus Bunzel hatte der Speisekarte neuen Glanz verliehen und war erfreut, wie gut das Konzept ankam. Doch dann kam auch etwas anderes an. Die Wupper spülte in der Nacht vom 14. auf dem 15. Juli alle Träume und Pläne fort.

Keller- und Erdgeschoss wurden komplett zerstört. Während teilweise mehr als 60 freiwillige Helfer – „die haben einen großartigen Job gemacht, für den ich sehr dankbar bin“, sagt Zimmermann heute – die ersten Schäden beseitigten, reifte in dem Kaufmann ein Entschluss: Den Wiederaufbau will und kann er nicht mehr stemmen. In Kürze wird das gesamte Objekt über einen Makler zum Verkauf angeboten.

Zimmermann und seine Frau Olga hatten erst im Sommer 2020 die Geschicke in dem Traditionslokal übernommen. Das geschah nicht ganz freiwillig. Die Pächterin davor erwies sich nicht als geeignet. Hotel und Restaurant haben sich seit der Kernsanierung nebst Erweiterung 2015 einen Spitzenplatz in der Solinger Gastronomie erobert, den galt es, weiter zu wahren. Prof. Wolfgang Thum hatte zuvor die Immobilie erworben und eine Millionensumme in das Objekt gesteckt.

Besitzer und Koch bedauern den Verkauf des Restaurant und Hotel Wipperaue

Doch stete Wechsel in der Geschäftsführung und am Herd in der Küche zeigten auch: Der Standort Wipperaue ist nicht einfach und eine Sache für Vollprofis der Branche.

Daher betrübt es Thomas Zimmermann, dass sein Neustart so jäh durch die Wupperflut endet. Spitzenkoch Marcus Bunzel, der in einem Hotel im Sauerland seinen ersten Michelin-Stern erkochte, bedauert das Aus an der Wupper auch. Er habe dort gerne gearbeitet. Seit gestern schwingt er als verantwortlicher Chefkoch den Kochlöffel in der Küche des Traditionshauses Rheinhotel Dreesen in Bonn.

Zimmermann erklärt, warum er jetzt verkauft und wie es dazu kam. Mit jedem Tag, an dem aufgeräumt wurde, mit jedem Tag, an dem der Putz von den Wänden kam und mit jedem Tag, an dem die Wipperaue so eher einem Rohbau glich, sei sichtbar geworden, dass der Wiederaufbau anderthalb Jahre bis ins Frühjahr 2023 dauern werde.

Die Wahl des Nachfolgers wird schwierig werden

Da habe er mit seiner Frau Olga abgewogen, ob das Sinn mache. Finanziell habe er die Schäden durch Versicherungen „unter Kontrolle“. Aber die Zeit in der Wipperaue habe auch gezeigt, die Kinder hätten unter der Belastung, einen solchen Betrieb zu führen, sehr gelitten. Zugleich musste er auch noch sein Handelsunternehmen führen.

Unter dem Strich hätten sich er und seine Frau schließlich für die Kinder entschieden. Beim Verkauf will er jetzt darauf achten, dass die Wipperaue nicht an den Erstbesten verkauft wird. Das Lokal soll in gastronomische Hände kommen, die dem Anspruch des Hauses, Spitzengastronomie zu bieten, auch gerecht werden können.

Er selbst trauert dem Objekt und vor allem auch seinem Team trotzdem nach. „Die Wipperaue war auf einem richtig guten Weg“. Und Nostalgie schwingt mit, Zimmermanns Eltern hatten einst in der Wipperaue geheiratet.

Gastronomie wird von Flut getroffen

Die Wipperaue ist nicht die einzige gastronomische Adresse an der Wupper, die in der Flutnacht zerstört wurde. In Unterburg soll es im Café Meyer Anfang Januar wieder losgehen, Gegenüber in den Wupperterrassen hofft man auf einen früheren Start. Glück hatten die Betriebe in Rüden, die alle geöffnet sind. Auch die Haasenmühle ist wieder für Gäste offen.

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