Theater

Renitente Senioren bekommen viel Applaus

Das Ensemble mit Hermes Schmid, Kathrin Busch, Lea Ellen Stamm, Ibrahim Benedikt, Dietrich Trapp und Carolin Ufer überzeugte in dem Stück „Ewig Jung“. Foto: Kammerspielchen
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Das Ensemble mit Hermes Schmid, Kathrin Busch, Lea Ellen Stamm, Ibrahim Benedikt, Dietrich Trapp und Carolin Ufer überzeugte in dem Stück „Ewig Jung“.

„Ewig jung“ – Inszenierung von Thorsten Hamer feierte im Gräfrather Kammerspielchen Premiere.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Hochbetagt, senil, mehr oder weniger dement und dennoch voller Lebenslust: Sechs ehemalige Schauspieler kommen im zum Altersheim umgebauten ehemaligen Theater zu einem Plausch zusammen und lassen es gemeinsam krachen. Insbesondere wenn ihre Pflegerin – die die Oldies eher als Kindergartenkinder denn als erwachsene Menschen behandelt und mit Mitklatsch-Liedchen traktiert – ihnen den Rücken kehrt, wird die gemeinsame Zeit genutzt, um Erinnerungen an alte und offenbar vielfach wilde Zeiten aufleben zu lassen.

Das ist die inhaltliche Kurzform des Stückes „Ewig jung“ aus der Feder von Eric Gideon. Thorsten Hamer, Schauspieler und Regisseur mit Solinger Wurzeln, brachte es am Montag ins Kammerspielchen. Corona machte diesen zuvor nicht geplanten Tournee-Weg vom Wuppertaler Stadttheater nach Gräfrath möglich.

Hermes Schmid, Kathrin Busch, Lea Ellen Stamm, Ibrahim Benedikt, Dietrich Trapp und Carolin Ufer gaben die greisen Mimen, die zwar einerseits humpelnd und mit offensichtlichen Alterszipperlein ihre Tage fristen, deren Lebensenergie aber wasserfall-artig aufbricht, wenn sie Songs wie „Born to be wild“, „Barbie Girl“ oder „Forever young“ zum Besten geben können.

Sich aneinander festhaltend gelingt auch ein Klammerblues

Urkomisch und tieftraurig zugleich war es anzusehen, wie hungrig die altgewordene Theatergruppe nach ultimativ verklungenem Publikumsapplaus lechzt, wie leidenschaftlich sie nach wie vor Shakespeare- oder Tschechow-Zitate deklamiert und wie sexuelle Lust und Verliebtsein zur blassen Erinnerung geworden ist. Sich mühselig aneinander festhaltend gelingt zum Beispiel ein Klammerblues, für den „Frau Stamm“ sogar ihre frivolen verbalen Unverschämtheiten ein paar Momente aussetzt, die sie ansonsten mit unverhohlenem Vergnügen an ihre Mitbewohner verteilt, oder Herr Trapp seine eisengraue Mähne kess über die Schulter wirft. Statt knisternder Erotik aber steht eine Mischung aus tiefer Rührung und breitem Grinsen ob der Situationskomik im Raum, die sich im Publikum Bahn bricht, so wie sich bei vielen Szenen Amüsement und Gelächter mit Betroffenheit – wegen der Unausweichlichkeit des eigenen Alterungsprozesses – mixt.

Sichtlich genossen die rund 20 Zuschauer die spürbare Spiellust des Ensembles. Die Maske hatte unbestritten ihren Anteil daran, dass das Alter glaubhaft herüberkam und die Schauspieler das Stück derart überzeugend auf die Bühne bringen konnten. Mit dem bekannten Spruch „Altwerden ist nichts für Feiglinge“ brachte es Herr Trapp mit Nachdruck auf den Punkt.

Termine: Weitere Vorstellungen sind für den 15., 16. und 22. Januar – jeweils 20 Uhr – angesetzt sowie am 23. Januar um 15 Uhr. Tickets kosten 26,50 plus Gebühr. Beim Besuch bitte die aktuelle Corona-Bestimmung beachten.

theater-kammerspielchen.de

termine.solinger-tageblatt.de

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