Suche nach Defekt geht weiter

S 7: Noch immer fallen Fahrten auf der Strecke des Müngsteners aus

Am Hauptbahnhof und den anderen S-7-Haltepunkten müssen sich Fahrgäste auf längere Wartezeiten einstellen. Foto: Roland Keusch
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Am Hauptbahnhof und den anderen S-7-Haltepunkten müssen sich Fahrgäste auf längere Wartezeiten einstellen.

Die Ursache für den Radverschleiß bleibt unklar. Mitte Juni war das Problem erstmals aufgetaucht.

Solingen/Remscheid. „Wir suchen momentan die Stecknadel im Heuhaufen“, bekennt Franka Spiekermann, Sprecherin der Abellio Rail GmbH, die den „Müngstener“ auf der Strecke zwischen Solingen, Remscheid und Wuppertal betreibt. „Einen Verschleiß in einem solchen Ausmaß haben wir noch nicht erlebt.“ Mitte Juni war erstmals ein außergewöhnlich hoher Radverschleiß an einigen Fahrzeugen der S 7 aufgefallen – aktuell ist das Problem noch immer nicht behoben beziehungsweise die Ursache nicht gefunden. Mit der Folge, dass es weiter verstärkt zu Fahrtausfällen auf der Linie kommt. Zeitweise müsse laut Abellio jede dritte Fahrt gestrichen werden. Kunden haben die Möglichkeit, für Zeitverluste in einem gewissen Rahmen entschädigt zu werden.

Angesichts der Ausfälle und Verspätungen sah sich das Eisenbahnunternehmen zuletzt häufig mit Beschwerden konfrontiert, wenngleich sich die Gemüter inzwischen etwas beruhigt hätten, so Spiekermann. Abellio werbe um Verständnis, dass die Einschränkungen zurzeit alternativlos seien. „Wir können die betroffenen Fahrzeuge unter den gegebenen Umständen nicht einfach fahren lassen. Dabei geht es auch um die Sicherheit unserer Fahrgäste.“ Ein Schienenersatzverkehr, etwa in Form von Bussen, sei im Fall des Müngsteners nicht sinnvoll, da die Busse quasi keine Zeitersparnis für die Fahrgäste brächten. „Da kommt man schneller ans Ziel, wenn man auf die nächste Zugfahrt wartet.“

In den vergangenen Wochen hätten Expertenteams von Abellio, der Deutsche Bahn Netz AG sowie dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit Hochdruck daran gearbeitet, die Ursache für den erhöhten Radverschleiß zu finden und zu beheben – bislang ohne Erfolg. Nachdem es Mitte Juli zuletzt hieß, dass die Fahrten nun wieder im 20-Minuten-Takt stattfinden könnten, räumt Abellio nun erneute Ausfälle ein. Für die Untersuchungen hatte das Eisenbahnunternehmen unter anderem Kamera-Messfahrten durchgeführt, bei denen ein verstärkter Spanabrieb an den Radsätzen festgestellt worden sei. „Das ist für uns nur ein Ansatzpunkt, aber nicht der Grund für den Radverschleiß“, so Spiekermann. Eine Prognose, wann die Einschränkungen behoben sein werden, sei aktuell nicht möglich – Abellio werde aber über eine mögliche Entspannung der Situation unverzüglich informieren.

Wir suchen momentan die Stecknadel im Heuhaufen.

Franka Spiekermann, Abellio

Dabei hatte das Verkehrsunternehmen zu allem Überfluss kürzlich noch mit hochwasserbedingten Problemen zu kämpfen, als Gleise am Hauptbahnhof in Ohligs unterspült worden waren. Dieses Problem zumindest sei inzwischen behoben.

Dennoch ist bei Bahnkunden weiter Geduld gefragt, da die Strecke der S 1 zwischen Solingen und Hilden noch voraussichtlich bis Montag, 9. August gesperrt bleibt. Grund ist laut Bahn-Angaben ein infolge des Unwetters instabiler Funkmast, der stabilisiert werden müsse.

Entwarnung kann vorerst National Express geben, nachdem die Linien RB 48 und RE 7 ebenfalls nach dem Hochwasser von Störungen betroffen waren. „Zwischen Opladen und Leichlingen waren auf knapp sechs Kilometern Signalkabel beschädigt, so dass die Züge dort nur eingleisig fahren konnten und es zu hohen Verspätungen kam. Hinzu kam noch ein Hangrutsch kurz hinter Opladen. Beide Störungen sind inzwischen behoben“, heißt es aus der Pressestelle. Auch Probleme mit den Signalanlagen seien mittlerweile beseitigt. „Aktuell gibt es auf beiden Linien keine betrieblichen Einschränkungen.“

Erstattung

Bei Ausfällen und Verspätungen von mehr als 20 Minuten können Fahrgäste im NRW-Nahverkehr laut Abellio auch einen Fernverkehrszug, ein Sharing-Angebot oder ein Taxi zum Ziel nehmen und sich tagsüber bis zu 30 Euro, abends und nachts (20 bis 5 Uhr) sogar bis zu 60 Euro der Kosten erstatten lassen. Weitere Informationen dazu sowie zu Ausfällen und Verspätungen gibt es online.

abellio.de

Standpunkt: Sicherheit geht vor

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

In diesen Tagen drängt sich zuweilen die Frage auf, wie die dringend benötigte Verkehrswende jemals zu schaffen sein soll, wenn sich Fahrgäste auf angekündigte Fahrzeiten einfach nicht verlassen können oder Züge in großem Umfang gleich ganz ausfallen. Dass sich beim Öffentlichen Nahverkehr in Sachen Pünktlichkeit generell noch einiges tun muss, ist ein offenes Geheimnis. Die derzeitigen Probleme der Bahnunternehmen lassen sich dennoch zu einem gewissen Teil unter der Rubrik „höhere Gewalt“ verbuchen. So ist mancher Unwetterschaden wie etwa im Falle des instabilen Funkmasts bei der Bahn erst im Nachhinein aufgetaucht. Auch die andauernden Einschränkungen bei Abellio aufgrund eines technischen Defekts mögen ärgerlich sein – das Unternehmen würde aber grob fahrlässig handeln, wenn es Fahrzeuge mit verschlissenen Radsätzen einfach auf die Schiene schicken und eine Gefährdung der Fahrgäste in Kauf nehmen würde. Insofern muss der Betrieb eingeschränkt laufen, solange die Ursache für das Problem nicht gefunden ist. Die Sicherheit von Kunden und Personal geht vor.

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