Razzia und bundesweites Verbot

Rocker der United Tribuns blieben weitgehend unauffällig

In der Nachbarstadt Remscheid stürmten Kräfte der Polizei kürzlich ein Clubheim der United Tribuns.
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In der Nachbarstadt Remscheid stürmten Kräfte der Polizei kürzlich ein Clubheim der United Tribuns.

United Tribuns: Polizei erklärt die Rolle der verbotenen Gruppierung im bergischen Städtedreieck.

Von Kristin Dowe

Solingen. Bis zum Verbot der Rockergruppe durch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), verbunden mit einer bundesweiten Razzia in Clubheimen und Privatwohnungen vor gut einer Woche, sagte der Name wohl nicht unbedingt jedem etwas. Dabei waren die United Tribuns im Bergischen Städtedreieck durchaus aktiv: Beide in NRW durchsuchten Vereinsheime befinden sich in Remscheid. Auch in Solingen gab es Durchsuchungen, dabei stellten die Ermittler in zwei Privatwohnungen unter anderem Kutten mit Vereinsaufnähern sicher.

Die Teilorganisationen „United Tribuns South West MC“ und „United Tribuns Remscheid“ seien „in rocker-typischer Weise organisiert“ gewesen, berichtet Polizeisprecher Stefan Weiand. Das Vereinsverbot habe vor allem die beiden vormals in Remscheid ansässigen Chapter betroffen, deren Arme auch nach Solingen und Wuppertal reichten. So habe die Polizei Vereinsverbote an Mitglieder der Gruppierung verschickt, die im gesamten Städtedreieck wohnen. Ein weiteres Chapter namens „Rhein District“ mit vier gelisteten Mitgliedern befand sich in Köln.

Sowohl im Bergischen als auch im Rheinland habe sich die Rockergruppe bislang weitgehend unauffällig verhalten. „Die betroffenen Personen sind bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Zu einem geringeren Teil liegen uns Erkenntnisse über Straftaten wie Körperverletzungs- und Betäubungsmitteldelikte oder auch Bedrohungen vor“, so Weiand weiter.

Verbot der United Tribuns: Feuerwehr musste Polizei bei der Razzia unterstützen

Möglich sei es aber, dass die Gründung eines weiteren Chapters in Remscheid, das „United Tribuns South West MC“, und die Eröffnung von dessen Clubheim „eine Rivalität der beiden Gruppen eröffnet oder verstärkt“ habe, heißt es. Bei einer Auseinandersetzung sei es in einem Fall zu einer Körperverletzung eines Mitglieds gekommen. Inwiefern das strukturelle Geflecht der Gruppe bei dem Streit eine Rolle gespielt hat, sei noch unklar – die Ermittlungen dazu dauerten an.

Die Durchsuchungen in den Remscheider Clubheimen und in Solingen seien aufwendig gewesen, weil die Polizei eine große Zahl an Vereinsabzeichen und vom Verbot erfasster Kennzeichen beschlagnahmen musste, teilt der Sprecher weiter mit. „In einem Fall musste mit Unterstützung der Feuerwehr ein Plakat von der Hausfassade in circa sieben Meter Höhe abgenommen werden.“

Doch auch wenn die Mitglieder im Bergischen bislang nicht gravierend negativ auffielen, werden der Organisation schwerste Straftaten wie versuchte Tötungsdelikte, Menschenhandel und Sexualstraftaten vorgeworfen. Zudem sollen die Anhänger enge Verbindungen ins Rotlichtmilieu besitzen. Ob das Verbot ausreicht, um diesen kriminellen Strukturen den Nährboden zu entziehen, muss sich zeigen.

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