Externes Gutachten beauftragt

Verbesserter Hochwasserschutz: So will der Wupperverband reagieren

Diese Aufnahme vom Burger Brezelbäcker entstand am 15. Juli. In der Nacht zu jenem Donnerstag erlebten die Anwohner an der Wupper und vielen anderen Flüssen eine nie dagewesene Hochwasser-Katastrophe. Schnell wurde Kritik laut, unter anderem am Wupperverband. Der will reagieren – und hat unsere Fragen ausführlich beantwortet. Foto: Michael Schütz
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Diese Aufnahme vom Burger Brezelbäcker entstand am 15. Juli. In der Nacht zu jenem Donnerstag erlebten die Anwohner an der Wupper und vielen anderen Flüssen eine nie dagewesene Hochwasser-Katastrophe. Schnell wurde Kritik laut, unter anderem am Wupperverband. Der will reagieren – und hat unsere Fragen ausführlich beantwortet.

Erste Schritte zu mehr Hochwasserschutz seien unternommen.

Von Björn Boch

Solingen. Die Stadtspitzen von Wuppertal, Solingen und Remscheid haben gemeinsam mit dem Wupperverband ein Vorgehen vereinbart, wie extreme Hochwasser künftig besser vorhergesagt und kommuniziert werden können. In einer Mitteilung hieß es: „Die Stadtspitzen und der Wupperverband einigten sich auf wesentliche Punkte für das weitere Vorgehen. Die internen Informations- und Meldeketten sowie das Alarmsystem sollen unter der Nutzung digitaler Möglichkeiten kurzfristig verbessert werden. Außerdem soll ein Frühwarnsystem aufgebaut werden. Gleichzeitig soll ein nachhaltiges Wassermanagement entwickelt werden, das die zum Teil gegenläufigen Ziele der Talsperren des Wupperverbands einbezieht: Wasserbevorratung für Dürrephasen und Wasserrückhalt bei Hochwasserereignissen.“

Zu dieser Mitteilung hat unsere Redaktion den drei bergischen Großstädten sowie dem Wupperverband einen umfangreichen Fragenkatalog zugeschickt. Ausführlich geantwortet hat der Wupperverband. Schriftlich heißt es: „Beim Wupperverband läuft die Aufarbeitung des Hochwassers, sowohl intern in unseren Fachabteilungen als auch mit Hilfe eines externen Gutachtens, das unser Verbandsrat bei der RWTH Aachen in Auftrag gegeben hat. Das externe Gutachten wird im kommenden Jahr vorliegen. Wir arbeiten also bereits jetzt an vielen Themen, werden im Laufe der Zeit aber immer weitere Erkenntnisse gewinnen, die ebenfalls einfließen werden.“

Wir dokumentieren hier unsere Fragen und die Antworten des Verbandes im – leicht gekürzten – Wortlaut.

Hochwasserportal informiert im Ernstfall über die Lage

Interne und externe Kommunikation: Wie liefen die internen Meldeketten bislang ab? Wie sollen sie organisatorisch konkret verändert werden? Wer hat bei dieser Umsetzung die Verantwortung? Wird dafür neue Technik angeschafft? Falls ja, welche? Welche Technik kommt beim Frühwarnsystem zum Einsatz? An welchen Stellen? Wo laufen die Informationen zusammen? Wer informiert die Medien und die Bevölkerung – und auf welchen Wegen? Ist auch hier neue Technik im Gespräch?

Das sagt der Wupperverband: „Seitens des Wupperverbandes informiert im Fall von Starkregen oder Hochwasser unsere Bereitschaft – der Hydrologe vom Dienst – per Mail und über unser Hochwasserportal (das im Internet für alle – auch Bürgerinnen und Bürger – verfügbar ist) die relevanten Stellen in den Kommunen über Starkregen, mögliche Überflutungen und steigende Pegelstände. Im Hochwasserportal wird dann regelmäßig die Situationsanalyse angepasst, darüber hinaus erfolgen bei Bedarf telefonische Absprachen.

Die Meldewege und den Inhalt von Meldungen werden wir gemeinsam mit den Kommunen aufarbeiten und optimieren. Dies reicht von der Überprüfung vorhandener Warnwerte (ab welchem Pegelstand erfolgt eine Information an die Kommune) bis zur Festlegung neuer oder weiterer Meldeschwellen, wenn erforderlich. Die Zielsetzung ist, das Meldewesen so weiterzuentwickeln, dass die Situation, etwa das Steigen von Pegeln, von den Akteuren – etwa Krisenstäben und Feuerwehren – besser bewertet werden kann. Die Kommunikationswege müssen klar und eindeutig sein und dies muss auch geübt werden. Organisatorische und technische Veränderungen werden wir gemeinsam erarbeiten. Auch welcher Technik wir uns hierbei bedienen, werden wir mit den Kommunen besprechen. Wir haben selbst bereits ein Netz von rund 60 Pegeln im Wuppergebiet (Gewässerpegel, Talsperrenpegel). Die Daten werden bereits seit Jahren online über das Sensorweb oder das Hochwasserportal bereitgestellt und im Hochwasserportal inhaltlich so aufbereitet, dass sie auch für Laien verständlich sind (Links: t1p.de/e6vl, t1p.de/xbiw).

Darüber hinaus wird das Messnetz sinnvoll ergänzt, für noch gezieltere Informationen und Meldungen an die Kommunen im Wuppergebiet sollen weitere Pegel und Sensoren hinzukommen. Weitere Informationen einzubinden ist auch Bestandteil unseres langfristigen Ziels eines „digitalen Zwillings“ (also das digitale Abbild) für das Einzugsgebiet der Wupper, mit einem Datennetzwerk aus internen und externen Akteuren.“

Neben dem generellen Hochwasserschutz gilt auch, den Eigenschutz zu verbessern

Prävention: Eine nachhaltige Weiterentwicklung der Hochwasserprävention solle stärker im Fokus stehen. Dies bedürfe einer wassersensiblen Stadtplanung und einer Sensibilisierung der Bevölkerung zu den Themen Risiken von Hochwasser und Starkregen sowie Eigenvorsorge. Sind hier Pläne skizzierbar? Und was bedeutet das konkret aus Sicht des Wupperverbandes?

Das sagt der Wupperverband: „Der Blick richtet sich nicht allein auf die Wupper, sondern auch auf die Nebengewässer. Hier gibt es zum Teil bereits Konzepte und Maßnahmen, seien es Hochwasserrückhaltebecken oder auch Schutzmaßnahmen am Gewässer. Mit Blick auf die Klimafolgen und künftig häufigeren und intensiven Wetterextremen muss dies weiterentwickelt werden. Sind zum Beispiel an Nebengewässern Retentionsflächen vorhanden oder können sie geschaffen werden? Kann der Bach selbst so gestaltet werden, dass er nicht nur in Sachen Ökologie oder auch Hochwasserschutz besser gerüstet ist und mehr Wasser aufnehmen und abführen kann? Bei der Planung von Bebauung in den Kommunen muss das Thema Wasser (Speicherung von Regenwasser, Fließwege) mitgedacht und mitgeplant werden, auch die Versiegelung von Flächen spielt eine Rolle, je mehr Versiegelung vermieden wird, umso besser.

Wichtig ist uns zu vermitteln, dass bei extremen Regenmengen, wie wir sie im Juli flächendeckend im Wuppergebiet erlebt haben, technische Maßnahmen zwangsläufig an ihre Grenzen stoßen. Wir müssen uns als Gesellschaft darauf einstellen und uns besser vorbereiten. Wir sprechen hier auch das Thema Eigenvorsorge und Objektschutz an. Durch das Hochwasser wird deutlich, es kann jeden treffen und jederzeit. Hier gibt es Möglichkeiten, dass man sein eigenes Risiko bei Überflutungen vielleicht durch bauliche Maßnahmen etwas verringern kann.

Auch müssen wir als Gesellschaft lernen, aufmerksam zu sein und auf Warnungen zu reagieren. Also ist auch das Verhalten im Ereignisfall von Bedeutung.“

Sensoren in der Wupper sollen künftig Wasserstände ermitteln und übertragen

Zeitplan: Der Wupperverband hat angekündigt, schnellstmöglich sinnvolle Standorte für weitere Sensoren entlang der Wupper und der Zuflüsse zu definieren, um einen ersten Schritt zur Installation jenes Systems zu machen, dass die Firma Berger in der Kohlfurth entwickelt hat, um die bestehenden Pegel des Wupperverbandes zu ergänzen. Wann ist hier mit ersten Ergebnissen zu rechnen?

Das sagt der Wupperverband: „Die Firma Berger hat ein Konzept vorgestellt, entlang der Wupper Sensoren zu installieren, die ergänzend Wasserstände messen und übertragen. Dieses Vorhaben unterstützt der Wupperverband, wir stehen bereits im Kontakt mit der Firma Berger und besprechen gemeinsam die konkreten weiteren Schritte. Seitens des Wupperverbandes werden wir sinnvolle Standorte für zehn weitere solcher Sensoren an der Wupper und den Nebengewässern definieren und die Sensoren in Kooperation mit der Firma Berger installieren. Dies soll sehr zeitnah erfolgen. Anschließend kann der Test des Systems erfolgen. Dieses System kann ein Bestandteil eines ganzheitlichen Hochwasserwarnsystems sein.“

So sieht ein nachhaltiges Wassermanagement aus

Nachhaltiges Wassermanagement: Welche Lehren wurden aus den Ereignissen im Juli gezogen? Was wird ein „nachhaltiges Wassermanagement“ der Zukunft, das Sie ankündigen, anders machen?

Das sagt der Wupperverband: „Unsere Brauchwassertalsperren wie die Wupper-Talsperre und die Bever-Talsperre als größte Brauchwassertalsperren am Oberlauf der Wupper haben die Aufgaben, in Trockenphasen die Mindestwasserführung in der Wupper zu gewährleisten (Niedrigwasseraufhöhung) und Wasserrückhalt zu leisten (Hochwasserschutz). Diese zwei Aspekte der Talsperrenbewirtschaftung vor dem Hintergrund zunehmender Wetterextreme (Trockenphasen, Starkregen) in Einklang zu bringen, ist eine wachsende Herausforderung. Dies erfordert eine Anpassung der bestehenden Bewirtschaftungskonzepte für die Talsperren, in die die Erfahrungen aus dem aktuellen Extremereignis – ein Ereignis, wie es in der flächendeckenden Ausprägung im Wuppergebiet noch nicht vorgekommen ist – einbezogen werden.

Wir werden die bestehenden Betriebsregeln auf den Prüfstand stellen und anpassen, um den Hochwasserschutz in den Sommermonaten zu verbessern. Es muss ausbalanciert werden, wie viel Stauraum im Sommerhalbjahr künftig in den Brauchwassertalsperren freigehalten werden soll und kann, unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Wasserbedarfs für die behördlich festgelegte Niedrigwasseraufhöhung der Wupper (3,5 m³/s am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal). Diese ist von großer Bedeutung für die Ökologie im Fluss, für Wasserentnehmer sowie für die Kläranlagen (die gereinigtes Abwasser in die Wupper einleiten). Dies werden wir erarbeiten und gemeinsam mit Behörden und unseren Mitgliedern abstimmen.“

Strafanzeige

Interessengemeinschaft: Rund 50 Haushalte aus Solingen und Wuppertal haben sich in der Interessengemeinschaft Kohlfurth gegen den Wupperverband organisiert. Der Vorwurf: Der Wasserwirtschaftsverband hätte die dramatischen Ereignisse des 14. Juli teilweise verhindern können. Es wurde Strafanzeige gestellt, die Staatsanwaltschaft prüft, ob auch ermittelt wird.

Kritik: Der Verband habe die Kommunen und deren Feuerwehren deutlich zu spät alarmiert. Zudem werfen die Kläger dem Wupperverband eine falsche Regulierung der Talsperren vor – sie seien zu voll gewesen.

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