Bergisches Wissensforum

„Gute Beziehungen helfen uns durch so manche Krise“

Eva Schulte-Austum ist Wirtschaftspsychologin.
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Eva Schulte-Austum ist Wirtschaftspsychologin.

Die Wirtschaftspsychologin Eva Schulte-Austum erklärt beim Bergischen Wissensforum am 25. Oktober, wie Vertrauen das Leben verlängert.

Frau Schulte-Austum, warum ist Vertrauen nicht nur in einer Partnerschaft, sondern auch im Beruf wichtig?

Eva Schulte-Austum: Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg. Menschen, die vertrauensvolle Beziehungen führen, sind nachgewiesenermaßen nicht nur glücklicher und motivierter, sie leben auch länger. Bei Männern sind es 1,8 Jahre, bei Frauen 1,3. Teams, in denen eine Vertrauenskultur herrscht, sind produktiver und kreativer. Unternehmen, in denen eine Vertrauenskultur herrscht, gestalten Veränderungsprozesse souverän und meistern Krisen erfolgreich – und sind auch finanziell rentabel. Viele Unternehmen machen sich über das Thema Vertrauen noch viel zu wenig Gedanken, weil sie denken, es sei nicht messbar.

Wie gelingt es mir, Vertrauen bei meinem Gegenüber aufzubauen?

Schulte-Austum: Der einfachste Weg, Vertrauen zu bekommen, ist, selbst einen Vertrauenvorschuss zu geben. Zum Beispiel, Mitarbeiter mit Aufgaben zu betrauen, an denen sie wachsen können. Vertrauen setzt an einem ganz sensiblen Punkt an: unserer Ehre.

Kann man Vertrauen lernen?

Schulte-Austum: Ja. Vertrauen kann jeder. Es ist eine Kompetenz, deren Grundlagen uns bereits in die Wiege gelegt wurden. Denn wir sind soziale Wesen. Nur leider gibt es dafür keine Anleitung. Wir lernen zwar Wurzeln ziehen, aber keiner lehrt uns, gute Beziehungen zu führen. Aber genau darauf kommt es an: die Begegnungen, die Beziehungen, die uns Kraft schenken – und die uns durch so manche Krise helfen.

Das ist ja gerade jetzt ein ganz wichtiger Faktor.

Schulte-Austum: Ich sage mal so: Es ist eine große Herausforderung. Die allermeisten wissen nicht, wie es geht, weil sie sich im Vorfeld nie Gedanken gemacht haben. Man kann es sich vorstellen wie eine Seefahrt: Wenn ein Sturm aufzieht, gibt es die, die direkt über Bord gehen – das sind die, die schon innerlich gekündigt haben. Und dann gibt es die, die sich oben festzurren, um nicht unterzugehen, und gemeinsam das Schiff durch den Sturm manövrieren. Hier hat der Kapitän, die Führungskraft, eine wesentliche Rolle: Sie ist in der Lage, Sicherheit, Orientierung und Vertrauen zu stiften. Diese drei Zutaten braucht man, um gut durch die Krise zu kommen.

Sind also Menschen, die das sprichwörtliche „Gottvertrauen“ haben, glücklicher oder erfolgreicher?

Schulte-Austum: Beides. Weil sie sich mehr zutrauen und immer im Hinterkopf haben: Da ist jemand, der passt auf mich auf – das muss nicht Gott sein, es kann auch eine höhere Macht sein oder die Idee, dass am Ende alles gut wird. Es gibt in Deutschland übrigens ein großes Vertrauensgefälle von Nord nach Süd: In Norddeutschland haben die Menschen deutlich mehr Vertrauen als in Süddeutschland. Die Region, die protestantisch geprägt ist, hat mehr Vertrauen als im katholisch geprägten Süden. Bei der Glückskonferenz 2007 in Berlin habe ich den mehrfachen Bestsellerautor Meik Wiking interviewt. Er sagt: „Der wichtigste Faktor für persönliches Glück ist Vertrauen.“ Und wer will nicht glücklich sein?

Gibt es auch so etwas wie „Vertrauensfallen“?

Schulte-Austum: Ja, sogar eine ganze Menge. Es gibt konkrete Dinge, die wir tun können, und Dinge, die wir unterlassen sollten. Zum Beispiel Tratsch. Fakt ist: Wir alle tratschen. In dem Moment glauben wir häufig, durch den Tratsch eine Verbindung zum Gegenüber herzustellen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn in dem Moment, in dem wir tratschen, stellt sich unser Gegenüber garantiert die Frage: Wie redet er über mich, wenn ich nicht im Raum bin? Es gibt eine Lösung: positiver Tratsch. Wenn wir über das reden, was wir mögen, wofür wir dankbar sind, was wir an anderen schätzen. Studien zeigen: Diejenigen, die gut über jemanden reden, werden sympathischer, vertrauensvoller und intelligenter wahrgenommen.

Was erwartet die Gäste bei Ihrem Vortrag?

Schulte-Austum: Ich nehme sie mit in die Hintergründe der Vertrauensforschung. Sie werden erfahren, wie sie Vertrauen aufbauen und was sie von den weltweiten Vertrauenschampions lernen können. Mit diesem Wissen können sie gute, vertrauensvolle, stabile Beziehungen aktiv gestalten und müssen diese nicht mehr dem Zufall überlassen.

Bei diesem Forum tanken die Zuhörer ordentlich Wissen

Hintergrund

Termin: Dienstag, 25. Oktober, 19.30 Uhr, Bürgersaal der evangelischen Stadtkirche in Solingen, Kirchplatz 14, Thema: „Vertrauen“ mit Eva Schulte-Austum. Der Vortrag wird auch live online übertragen, präsentiert von Remscheider General-Anzeiger, Solinger Tageblatt, Volksbank im Bergischen Land, Walbusch und der Agentur Sprecherhaus.

Karten: Die Präsenz- als auch die Online-Teilnahme kostet je Abend 49 Euro. Exklusiv für Inhaber der ST-Karte gibt es 10 Euro Rabatt.

www.sprecherhaus-shop.de

Zur Person: Eva Schulte-Austum (37) ist Wirtschaftspsychologin, Coach, Speakerin und gefragte Expertin im Fernsehen, Radio, Zeitungen. Sie bereiste etliche Länder der Welt von Schweden über Kanada bis Vietnam und führte mehr als 350 Interviews zum Thema Vertrauen. Im Mai 2019 erschien ihr Buch „Vertrauen kann jeder“ bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Sie lebt in Münster.

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