Krankenhaus

Register erfasst Notfälle bei Schwangeren

Prof. Dr. Thomas Standl, Ärztlicher Direktor des Klinikums, stellt das Register vor, mit dem intensivmedizinische Behandlungen von Schwangeren oder Frauen kurz nach der Entbindung erfasst werden sollen.
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Prof. Dr. Thomas Standl, Ärztlicher Direktor des Klinikums, stellt das Register vor, mit dem intensivmedizinische Behandlungen von Schwangeren oder Frauen kurz nach der Entbindung erfasst werden sollen.

Prof. Dr. Thomas Standl bringt bundesweite Erfassung von Intensivbehandlungen bei Schwangeren auf den Weg.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Wer sich auf die Schwangerschaft und die Geburt des Kindes freut, der rechnet in der Regel nicht damit, noch vor oder während der Geburt auf der Intensivstation zu landen. Aber medizinische Notfälle gibt es auch bei jungen Müttern. Wie oft das passiert, bei welchen Krankheitsfällen welche Therapien eingesetzt werden – darüber gibt es bislang aber kaum eine Statistik.

Das neue „Schwangeren-Intensivregister“ der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) möchte das jetzt ermitteln. Federführend auf den Weg gebracht hat das Prof. Dr. Thomas Standl, Ärztlicher Direktor des Klinikums Solingen. Das bundesweite Projekt hat Prof. Standl, Sprecher der „DIVI-Sektion Schock“, jetzt bei einem Kongress in Hamburg vorgestellt.

„Bei einer Geburt kann es beispielsweise dramatische Komplikationen geben“, erklärt Prof. Stand. Starke Blutungen etwa, weil sich die Gebärmutter nicht zusammenzieht oder die Placenta sich nicht ablöst. „In wenigen Minuten kann eine Frau da zwei bis drei Liter Blut verlieren.“ Eine schnelle Schock-Behandlung, Blutkonserven, spezielle Nahttechniken oder ein eingeführter Ballon, der in der Gebärmutter einen Gegendruck erzeugt, sind Methoden, um im Notfall Leben zu retten.

Aber nicht nur die Starkblutung rund um die Geburt (Peripartale Hämorrhagie) soll in dem Register erfasst werden. Auch eine der anderen Schockformen können Schwangere zum Intensivfall werden lassen. (siehe unten) Bislang wisse aber niemand genau, wie viele Frauen vor oder nach der Geburt auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Das aber seien wichtige Daten für die Versorgung und die Krankenhausplanung – nicht nur für die gynäkologischen Kliniken. Neben Notfällen rund um die Geburt seien auch Infektionen wie Sepsis, Influenza oder Corona sowie andere Krankheiten oder Unfälle bei Schwangeren immer eine besondere Herausforderung.

Etwa 4,5 Prozent der Schwangeren sind betroffen

Das bundesweite DIVI-Register soll jetzt diese Daten bei den etwa 1400 Kliniken bundesweit, die eine Intensivstation haben, sammeln. Schätzungsweise seien 4,5 Prozent der jährlich eine Million Schwangeren deutschlandweit von einer Intensivbehandlung betroffen. In Solingen, bei jährlich etwa 1400 Geburten, über 60 Fälle.

Das von Prof. Standl vorgestellte Register ermittelt Zahlen zur Größe der Klinik und der jährlichen Geburtenanzahl. Anonym werden Alter der Frau, Art ihrer Erkrankung, Therapie und Daten zum Gesundheitszustand des Kindes ermittelt. „Diese Erfassung wollen wir jetzt ein Jahr lang durchführen, erste Ergebnisse dann im kommenden Jahr bei dem DIVI-Kongress in Hamburg vorstellen.“

Prof. Dr. Thomas Standl sieht als Chefarzt der Anästhesie, dass Komplikationen bei werdenden Müttern zunehmen, „auch, weil Schwangere immer älter werden“. Der Anteil der Risiko-Schwangerschaften sei in Unikliniken mit Perinatalzentren Level I noch höher. Die Frauenklinik im Solinger Klinikum ist Perinatalzentrum Level II. Schwangere mit erwarteter Geburt ab der 29. Schwangerschaftswoche oder einem geschätzten Gewicht des Neugeborenen ab 1250 Gramm können dort entbinden.

Schockformen

Hämorrhagie: Volumenmangelschock, z.B. nach starker Blutung oder Durchfall

Septischer Schock: Bakterien im Blut

Kardiogener Schock: etwa bei Herzinfarkt

Anaphylaktischer Schock: Allergieschock etwa nach Wespenstich

Neurogener Schock: z.B. Schlaganfall oder Hirnblutung

Standpunkt von Simone Theyssen-Speich: Auf Datenlage stützen

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Optimale medizinische Versorgung auf der einen Seite und wirtschaftlich funktionierende Kliniken auf der anderen – um diesen Spagat einigermaßen zu schaffen, ist es notwendig, genau zu wissen, welche Therapie-Angebote notwendig sind. Bei medizinischen Schnittstellen, wie der Behandlung von Schwangeren aufgrund anderer zusätzlicher Erkrankungen oder eines Notfalls, ist das eine besondere Herausforderung. Sich auf eine gute Datenlage stützen zu können, ist da wichtig.

Deshalb ist der Ansatz aus Solingen, die intensivmedizinische Behandlung von Schwangeren bundesweit statistisch zu erfassen, sinnvoll. Liegen Ergebnisse vor, muss man daraus aber auch die Erfahrung ziehen, etwa wenn es darum geht, dass sich Kliniken auf spezielle Behandlungen spezialisieren. Medizinische Behandlung wird immer besser, damit aber auch komplexer und teurer. Angesichts der Kostenlage und des momentanen Fachkräftemangels wird es nicht mehr möglich sein, dass alle Krankenhäuser alle Behandlungen anbieten.

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