Landgericht

Raubmord in Schnittert: Schmuck wurde noch am Tattag verkauft

Am Landgericht in Wuppertal läuft zurzeit der Prozess um den Raubmord in Schnittert.
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Am Landgericht in Wuppertal läuft zurzeit der Prozess um den Raubmord in Schnittert.

Der Prozess um den Raubmord in der Ohligser Hofschaft Schnittert wurde fortgesetzt.

Von Dirk Lotze

Solingen. Schmuck einer getöteten 76-jährigen Hausbesitzerin aus Solingen gelangte noch am selben Tag zu einem Juwelier in Wuppertal. Der Geschäftsmann verzeichnete das Ankaufgeschäft um 14.30 Uhr – eine halbe Stunde bevor der erwachsene Sohn der Getöteten seine erschlagene Mutter in deren Hausflur fand und den Notruf wählte. Das sagte eine Polizistin im Landgericht Wuppertal über ihre Ermittlungen zum Verbleib der Beute aus. Für den mutmaßlichen Raubmord vom 7. Februar 2020 in der Hofschaft Schnittert muss sich ein 47 Jahre alter Angeklagter verantworten. Er ist wegen Einbrüchen vorbestraft; von dem Schmuck soll er sich Drogengeld verschafft haben.

Die Anklage geht davon aus, dass sich der 47-Jährige zum Stehlen Zutritt zum Haus verschaffte und von der Besitzerin überrascht wurde. Die Frau soll mit einem kantigen Gegenstand erschlagen worden sein und mindestens elf schwere Schläge gegen den Kopf erlitten haben. Nach der Version des Angeklagten hingegen wären zwei andere Täter zum Stehlen im Haus gewesen, während er draußen aufpasste. Als er dazukam, habe die Frau schon im Flur gelegen. Der Mann hatte vorvergangene Woche erstmals Angaben zu den Vorwürfen gemacht. Er sitzt seit Monaten unter Mordverdacht in Untersuchungshaft.

Die Richter verfolgen jede Spur, die zu den möglichen Mittätern oder Mitwissern führen könnte. Sie offenbaren dabei die Umstände, unter denen der Angeklagte damals lebte, mutmaßlich gemeinsam mit den beiden anderen Männern. Es gibt Fotos von einem Schlafraum mit Matratzen in einem Abbruchhaus im Zentrum von Wuppertal. Darüber verstreut: Kleidung, Taschen, Habe. Eine Polizistin sagte aus, es habe gestunken – nach Schimmel, Kot und Urin. Ein Mann soll einen Schlüssel zum Haus verwahrt und Ermittlern gesagt haben, er „kümmere“ sich um das Gebäude.

Raubmord in Schnittert: Gericht überträgt Fotogalerie auf Großbildschirm

Der Angeklagte sagte, was die beiden Mitbewohner betrifft, könne er nur Vornamen nennen und sagen, dass sie „Bulgaren“ seien. Das Gericht übertrug eine Fotogalerie von Mitgliedern der Wuppertaler Drogenszene auf einen Großbildschirm im Saal. Fast jedes Mal verneinte der 47-Jährige, jemanden zu erkennen. Mit einem der Männer habe er „mal zusammen geraucht“. Laut Gericht gilt dessen Aufenthalt als unbekannt. Das Gericht will am 23. Februar weitere Zeugen vernehmen.

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