Mobilität

Parkende Autos blockieren Gehwege öfter als E-Roller

Wie auf der Schulstraße in Gräfrath (oben), blockieren geparkte Autos häufig Bürgersteige. Dies ist nach städtischer Einschätzung ein größeres Problem als das mit den Elektrorollern – zum Beispiel am Osteingang des Hauptbahnhofs (unten).
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Parkende Autos sind nach städtischer Einschätzung ein größeres Problem als parkende Elektroroller, die zum Beispiel gehäuft am Osteingang des Hauptbahnhofs stehen.

Laut Stadtverwaltung sind Anlaufschwierigkeiten mit E-Scootern überwunden – dennoch wird nachgebessert.

Von Andreas Tews

Solingen. Über achtlos abgestellte Miet-Elektroroller, die Bürgersteige blockieren, beschweren sich Fußgänger immer wieder gegenüber der ST-Redaktion. Zuletzt beklagte ein ST-Leser die Situation im Bereich der Sauerbreystraße auf der Ostseite des Hauptbahnhofs in Ohligs. Im Rathaus führt man die Klagen der Bürger unter anderem darauf zurück, dass die E-Scooter noch ein relativ neues Verkehrsmittel seien und dadurch mehr auffallen. Dennoch werde bei den Regeln für die Roller nachgebessert.

Das weitaus größere Problem im Bezug auf Falschparken auf Bürgersteigen seien aber die Autofahrer. Doch daran, so berichtet Rathaussprecher Daniel Hadrys, hätten sich viele Bürger gewöhnt. Darum gebe es darüber weniger Beschwerden.

Die mittlerweile 1200 Elektroroller einiger Vermieter erregen seit ihrer Einführung im Mai 2021 die Gemüter. Die Roller sind an vielen Stellen in der Stadt stationiert. Wer einen benötigt, kann ihn über eine Smartphone-Anwendung mieten. Am Ende der Fahrt kann er einfach an Ort und Stelle abgestellt werden. Mitarbeiter der Unternehmen orten die Fahrzeuge, sammeln sie ein, laden sie auf und positionieren sie wieder an den Ausgangspunkten.

Elektroroller dürfen nicht überall abgestellt werden

Probleme treten auf, wenn Nutzer die Roller nach Gebrauch so abstellen, dass sie andere behindern. An neuralgischen Punkten wurden deswegen inzwischen Bereiche eingeführt, in denen die Roller nicht abgestellt werden dürfen. Dort können Kunden die Mietphase nicht beenden.

Sehbehinderte üben Kritik an E-Rollern

Falsch abgestellte Fahrzeuge müssen die Anbieterfirmen laut Hadrys schnell entfernen, wenn sie Kenntnis davon haben. Hinweise zu Kontaktmöglichkeiten per Telefon oder E-Mail seien an den Rollern angebracht. Wenn eine grobe Verkehrsgefährdung vorliege, schreiten laut Hadrys auch Ordnungsamt oder Polizei ein.

Grundsätzlich können Nutzer, die einen Roller verbotenerweise abgestellt hätten, dafür auch belangt werden. Oft sei aber nicht nachzuweisen, ob der letzte Nutzer den Roller falsch abgestellt habe oder ob der Roller nach Ende der Fahrt von jemand anderem umgestellt wurde. Darum müsse bei Beendigung der Miete immer ein Foto von dem abgestellten Elektroroller gemacht werden.

An falsch parkende Autos haben sich viele Menschen bereits gewöhnt.

Daniel Hadrys, Rathaussprecher

Dass geparkte Fahrzeuge vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen ein Problem darstellen, ist nach Rathausangaben aber kein neues Phänomen. Hadrys: „Dies gilt für Autos in weit größerem Maß als für E-Roller. Autos parken häufig auf Gehwegen oder Radwegen, so dass Personen mit Kinderwagen oder auch Rollstuhlfahrerinnen und –fahrer nicht durchkommen.“

Wie auf der Schulstraße in Gräfrath, blockieren geparkte Autos häufig Bürgersteige.

Zwischen Autos und Elektrorollern gibt es nach seinen Angaben einen entscheidenden Unterschied: E-Tretroller müssen nach den bundesweit gültigen Verkehrsregeln auf dem Gehweg geparkt werden, bei Autos sei dies nur bei entsprechender Beschilderung zulässig. Sowohl bei Autofahrern als auch bei Nutzern von Elektrorollern komme es vor, dass sie „nicht über ihr Parkverhalten und die damit verbundenen Einschränkungen für andere nachdenken“, sagt Hadrys. Er ergänzt: „An falsch parkende Autos haben sich viele Menschen bereits gewöhnt und beschweren sich erst gar nicht mehr.“

Obwohl es über die Roller weniger Beschwerden gebe als noch zu Beginn vor einem Jahr, bemühe sich die Stadt zusammen mit den Anbietern um Nachbesserungen. Untersucht würden zum Beispiel die Orte, an denen die Fahrt am häufigsten beginnt oder endet. Das Ziel sei, das Angebot an ausgewiesenen E-Tretroller-Parkplätzen auszuweiten, berichtetet Hadrys.

Die Wuppertaler Idee, bei der dort für den Herbst geplanten Einführung, das Abstellen der Roller auf festgelegte Flächen zu beschränken, halten die Fachleute im Rathaus laut Hadrys nicht für sinnvoll. Das System lebe davon, dass die Roller fast überall übernommen und abgestellt werden könnten. Eine solche Regelung würde das Angebot unattraktiv machen.

Mit dem E-Scooter nachhaltig unterwegs? 

Elektroroller für die „letzte Meile“

Die Miet-Elektroroller sind nach Auffassung des Rathauses eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln und mehr als nur „Spaßmobile“. Nach einem Bericht von Fachleuten der Verwaltung, der Technischen Betriebe und der Stadtwerke bieten sie die Möglichkeit, die „letzte Meile“ vom Bus oder von der Bahn zum Ziel ohne Auto zurückzulegen und würden dafür immer häufiger genutzt.

Lesen Sie auch: Gräfrath: Verkehr im alten Ortskern wird neu sortiert

Standpunkt von Andreas Tews: Jeder kann mitmachen

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Bei der Einführung neuer Verkehrsmittel ist die Aufregung mindestens seit 1835, als die Lokomotive „Adler“ den ersten Eisenbahnzug Deutschlands auf den sechs Kilometern zwischen Nürnberg und Fürth zog, immer wieder groß. Natürlich ist die Bedeutung der vor gut einem Jahr in Solingen eingeführten Miet-Elektroroller bei weitem nicht mit der des Verkehrsmittels Eisenbahn zu vergleichen.

Es gibt dennoch Parallelen. Etwas Ungewohntes fällt den Menschen in besonderem Maß auf. Darum neigen sie eher dazu, sich darüber zu beschweren. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Viel mehr als bei der Eisenbahn spielt bei den Rollern, wie auch bei Autos, auch der Faktor Rücksichtslosigkeit eine große Rolle. Oft werden Fahrzeuge so genutzt oder abgestellt, dass sie andere gefährden oder behindern. Dabei ist es so einfach: Wenn sich jeder an die geltenden Regeln hält, ist allen anderen geholfen. Und das Schöne ist: Dabei kann jeder von uns mitmachen.

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