Vermarktung hat noch nicht begonnen

Rasspe: Annäherung an ersten Investor

Der Entwurf der Renaissance AG: In diesem Modell steht der Betrachter ungefähr an der Position des Schornsteins (siehe Drohnenaufnahme unten). Er blickt auf die Gebäudefront, die auf dem unteren Foto im rechten, oberen Teil zu sehen ist – Blickrichtung: Bärenloch. Entwurf: Renaissance AG
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Der Entwurf der Renaissance AG: In diesem Modell steht der Betrachter ungefähr an der Position des Schornsteins (siehe Drohnenaufnahme unten). Er blickt auf die Gebäudefront, die auf dem unteren Foto im rechten, oberen Teil zu sehen ist – Blickrichtung: Bärenloch.

Unterschiedliche Vorstellungen gibt es darüber, welche Gebäude abgerissen werden sollen.

  • Die Vorstellungen der Parteien liegen teils deutlich auseinander.
  • Der Abriss von Teilen des Karrees ist schon beschlossene Sache.
  • Auf dem Gelände in Solingen müssen Höhenunterschiede ausgeglichen werden.

Von Björn Boch

Solingen. Es gibt einen ersten Investor, der konkrete Pläne für Teile des früheren Rasspe-Geländes vorgelegt hat.

Der Abriss auf dem früheren Rasspe-Gelände ist in vollem Gang. Das Foto entstand am 20. Mai.

Zwischen der Renaissance AG, die in Krefeld und Wuppertal sitzt und dort bereits mehrere Projekte mit historischen Gebäuden angeschoben hat, und der Solinger Wirtschaftsförderung laufen Gespräche. Die Vorstellungen der Parteien liegen allerdings teils deutlich auseinander.

„Wir möchten erhalten, sanieren und restaurieren, nicht abreißen und planieren“.
Christian Baierl, Investor

Christian Baierl, Geschäftsführer des potenziellen Investors, schwebt vor, „das komplette Karree der Bauten im vorderen Bereich zu erhalten und zu restaurieren“. Die Gebäude zwischen Verwaltung und Lehrwerkstatt würden mit den benachbarten Gebäuden ein Innenhof-Ensemble bilden, wie man es beispielsweise von den Hackeschen Höfen in Berlin kenne.

Solingen: „Wir möchten erhalten, sanieren und restaurieren“

Dies sei eine gewachsene Struktur, die erhaltenswert sei und sich nicht einfach wieder herstellen lasse. „Wir möchten erhalten, sanieren und restaurieren, nicht abreißen und planieren. Wir sehen keinen Sinn darin, ein gewachsenes Karree aus Backsteinbauten abzureißen und an gleicher Stelle Gebäude mit der gleichen Nutzung neuzubauen“, so Baierl.

Das Problem: Der Abriss von Teilen dieses Karrees ist schon beschlossene Sache. Frank Balkenhol, Chef der Wirtschaftsförderung, bestätigt Gespräche mit der Renaissance AG, fügt aber hinzu: „Wir haben sehr deutlich gesagt, dass der Plan nicht mehr umzusetzen ist. Das kommt drei bis vier Jahre zu spät.“

Die Gründe, auf den Abriss nicht verzichten zu können, seien vielfältig. Zum einen sei mit Gutachtern geprüft worden, welche Gebäude erhaltenswert seien. Einige Teile des Karrees zählten nicht dazu. Das vordere Verwaltungsgebäude steht unter Denkmalschutz, ein paar weitere Gebäude werden überdies stehenbleiben.

Solingen: Auf dem gesamten Gelände Altlasten entsorgen

Außerdem müssten auf dem Gelände Höhenunterschiede ausgeglichen werden, davon sei auch das fragliche Areal betroffen. Und es gelte, auf dem gesamten Gelände Altlasten zu entsorgen. Die Wirtschaftsförderung zeichnet dafür gemeinsam mit dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung verantwortlich. Der stellt nicht nur seine Expertise bereit, sondern finanziert auch 80 Prozent der Kosten vor – „das ist eine wichtige Risikoabsicherung für die Stadt“, betont Balkenhol.

Überdies steht ein Teil des Gebäude-Ensembles einer Erschließungsstraße für weitere Baufelder im hinteren Bereich des Geländes im Weg – insbesondere die quer zur Straße Stöcken stehenden Gebäude in Richtung Bärenloch. Insofern sei es auch nicht richtig, dass geplant sei, an gleicher Stelle Gebäude mit gleicher Nutzung zu bauen. Das gesamte Projekt, erklärt Balkenhol, sei unter Bürgerbeteiligung entwickelt und ohne Gegenstimme im Rat beschlossen worden.

„Prinzipiell ist die Idee gut, neben Büroräumen – zum Beispiel für Coworking – auch Gastronomie zu entwickeln. Zumal geplant ist, das Gelände an die Radwege anzuschließen. Da ist Aufenthaltsqualität wichtig“, sagt Balkenhol. Erhofft, sich mit Christian Baierl nun auf die Dinge konzentrieren zu können, die umsetzbar seien. „Es gibt genug zu entwickeln, auch nach den geplanten Abrissen.“

Grundsätzlich bestätigt Christian Baierl von der Renaissance AG Interesse an dem Areal. „Es steht und fällt jetzt nicht mit einem oder zwei Gebäuden.“ Dennoch findet er die Argumente nicht überzeugend. „Verständnis habe ich für die Entscheidung der Stadt nicht – weil die Gebäude ja noch stehen.“ 

Baufelder

Die Pläne der Wirtschaftsförderung sehen für das Rasspe-Gelände drei Baufelder vor. Eines umfasst im wesentlichen den vorderen Teil mit dem denkmalgeschützten Gebäude, zwei weitere befinden sich im hinteren Bereich. Die Felder sind unterteilbar, um möglichen Interessenten passende Angebote machen zu können. Die Vermarktung hat noch nicht begonnen.

Standpunkt: Beide Parteien sind gefragt

Von Björn Boch

Der Vergleich dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. Das frühere Rasspe-Areal in einem Atemzug mit den Hackeschen Höfen in Berlin zu nennen, soll zeigen:

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Hier hat ein Investor Großes vor. Nun hat Solingen in jüngster Zeit keine guten Erfahrungen mit spektakulär angekündigten Projekten gemacht – man denke an die geplante Oldtimer-Welt auf dem Omega-Gelände, die krachend scheiterte. Und doch ist diesmal ein entscheidender Punkt anders: Der Investor, der sich für Teile des ehemalige Rasspe-Geländes interessiert, hat Erfahrung mit vergleichbaren Objekten in der Region und kann im Immobilien-Bereich Erfolge aufweisen. Die Pläne sind also kein Hirngespinst, die nötige Finanzkraft darf unterstellt werden. 

Dass die Stadt aber einen jahrelangen Planungsprozess nicht mehr so einfach über den Haufen werfen kann, ist auch angesichts der hohen Investitionen in das Projekt nachvollziehbar. Es liegt nun an beiden Parteien, auszuloten, in welcher Form die Pläne umgesetzt werden können. Mit der Nähe zu beliebten Biker-Strecken, einer geplanten Anbindung an Radtrassen – und mit vielen Mitarbeitern, die hoffentlich bald auf dem Gelände arbeiten werden – ist die Hoffnung auf Gastronomie und Aufenthaltsqualität berechtigt. Es müssen ja nicht gleich die zweiten Hackeschen Höfe werden. 

Von oben entsteht ein guter Überblick über das Rasspe-Gelände. Etwa ein Viertel der Gebäude sind bereits abgerissen.

Eine ganz besondere Einsicht in das Rasspe-Gelände erhielt eine Gruppe Instagrammer: Sie nahmen an einem einmaligen Fotowalk durch den faszinierenden „Lost Place“ teil.

Wegen seines Flairs wurde das Rasspe-Gelände auch schon mehrfach als Kulisse für Dreharbeiten genutzt. Die erfolgreiche deutsche Serie „Babylon Berlin“ wurde beispielsweise hier gedreht.

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