Erlebnisbauernhof Rocholl

Rasse war vom Aussterben bedroht: Husumer Schweine fühlen sich in Höhrath sauwohl

Sieben Ferkel wurden jüngst auf dem Erlaubnisbauernhof Rocholl geworfen. Ungefähr alle 20 bis 30 Minuten erblickte ein Ferkel im Schnitt das Licht der Welt. Foto: Kathy Rocholl
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Sieben Ferkel wurden jüngst auf dem Erlaubnisbauernhof Rocholl geworfen. Ungefähr alle 20 bis 30 Minuten erblickte ein Ferkel im Schnitt das Licht der Welt.

Kathy und Sven Rocholl geht es auf ihrem Erlebnisbauernhof um Nachhaltigkeit und den Erhalt bedrohter Nutztierrassen.

Von Stephanie Arens-Licciardi

Solingen. Mutter Hilde hat mit ihrer Kinderschar alle Pfoten voll zu tun. Die muntere Rasselbande aus sieben Ferkeln wuselt emsig in ihrem Koben herum. Hier möchte eines an den Zitzen seiner Mutter trinken, das nächste sucht im Stroh nach Futter. „Die Mama passt genau auf und sorgt sich um ihre Kinder“, sagt Kathy Rocholl. Denn Husumer Schweine sind sehr familienbezogen. „Das Husumer Schwein, eine fast ausgestorbene Rasse, stand 2018 noch auf der Roten Liste“, erzählt Rocholl. Auf ihrem Erlebnisbauernhof, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Sven betreibt, dreht sich alles um Erhalt und Nachhaltigkeit.

Auch Deutsche Sperber, eine Hühnerrasse, deren Gefieder durch schwarz-weiße Federn erkennbar sind, leben bei Familie Rocholl.

„Im Grunde genommen fahren wir hier auf dem Hof zweigleisig“, so Rocholl weiter. Neben dem Landwirtschaftsbetrieb bietet Familie Rocholl auch Angebote für Kinder und Familien an. Vom Ponyreiten, Spaziergängen mit den Tieren über künftige geplante Workshops rund um Nachhaltigkeit ist dem Ehepaar die Vermittlung von Tier und Natur wichtig. „Im Corona-Jahr war hier natürlich Stillstand“, berichtet die ausgebildete Reittherapeutin weiter. Rund anderthalb Jahre warteten die zwei- und vierbeinigen Hofbewohner auf Besuch. Während dieser Zeit haben sich Kathy und Sven Rocholl, die den idyllischen Hof in ihrem achten Jahr betreiben, ein neues Konzept überlegt. „Der Traum meines Mannes war es immer schon, als Bauer zu arbeiten. Aus unserem Hobby wurde dann vor acht Jahren Ernst und wir haben uns während der Pandemie gefragt, wie wir den Bauernhof von einem reinen Nutz- und Spaß- auf einen Erhaltungshof umstellen können.“ So zogen die ersten Husumer Schweine in den Stall ein.

„Das ist schon spannend und aufregend, bei einer Geburt dabei zu sein.“

Kathy Rocholl, Landwirtin

Von Anfang an sei die Faszination für diese alte Rasse da gewesen. Hilde, Else und Eber Karlchen fühlten sich von Anfang an wohl; der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. „Die Geburt mitzuerleben war natürlich aufregend“, schildert Kathy Rocholl. „Auch mein ältester Sohn war dabei.“ Während Hilde auf ihre rund fünf Wochen alte Schweinchen, vier Jungen und drei Mädchen, aufpasst, lässt es die trächtige Else ruhiger angehen. Rund vier bis zwölf Ferkel wirft eine Husumer Sau. „Das ist schon spannend und aufregend, bei einer Geburt dabei zu sein.“ Die dauert bis zu vier Stunden; alle 20 bis 30 Minuten erblickt ein Ferkel im Schnitt das Licht der Welt. Das starke Gebiss, der typische glatte Körper, idealerweise ohne Flecken auf dem Fell, und ein ausgeprägter sozialer Familiensinn sind Merkmale der Rasse.

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„Mich fasziniert der Erhalt alter und fast ausgestorbener Tierrassen“, sagt Rocholl. „Es war immer schon mein Traum, einen Beitrag dazu zu leisten, verschiedene Rassen, die vom Aussterben bedroht sind, zu erhalten und nicht nur als reinen Wirtschafts- und Nutzungsfaktor in der Landwirtschaft zu halten.“ Mittlerweile leben auch Deutsche Sperber, eine Hühnerrasse, deren Gefieder durch charakteristische schwarz-weiße Federn erkennbar sind, bei Familie Rocholl. „Die Deutschen Sperber legen im Jahr, anders als reine Wirtschaftshühner, nur zwischen 120 bis 180 Eier im Jahr.“

In den kommenden Jahren möchte das Ehepaar nach und nach den Erlebnisbauernhof auf Nachhaltigkeit und Nachzucht umstellen. „Wir planen eine Nutztierarche“, berichtet Kathy Rocholl weiter. Auch Workshops und Mitmachangebote zum Thema Nachhaltigkeit für Klein und Groß sollen aufgebaut werden. „Erhalt und ein Gespür für Nachhaltigkeit sind das A und O. Viele Produkte des täglichen Lebens haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft – da ist leider im Denken und Konsumieren verloren gegangen.“

Hintergrund

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) setzt sich seit 1981 für den Erhalt alter und fast ausgestorbener Tierrassen, derzeit etwa 175 Rassen, ein. Neben der Aktualisierung der Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen berät die GEH bundesweit 2200 Mitglieder.

www.g-e-h.de

Infos zum Erlebnisbauernhof Rocholl gibt es im Netz.

erlebnisbauernhof-rocholl.de

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