Im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig

Räderhersteller Borbet: Verhandlung dauert an

Welche Folgen die Verhandlung für die Beschäftigten hat, ist noch unklar. 
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Welche Folgen die Verhandlung für die Beschäftigten hat, ist noch unklar. 

Der Poker um die Zukunft des Solinger Borbet-Standorts dauert an.

Solingen. Die IG Metall Remscheid-Solingen hatte in der vergangenen Woche in den sozialen Netzwerken verlautbaren lassen, bis zu 300 Arbeitsplätze seien an der Weyerstraße in Gefahr. Der übrige Teil der Belegschaft solle auf 20 bis 25 Prozent seines Gehalts verzichten, ansonsten drohe die Schließung. Ein Borbet-Sprecher erklärt auf ST-Anfrage dazu: „Zu den laufenden Verhandlungen möchten wir uns aus Respekt vor den konstruktiven Gesprächen nicht äußern.“ Man kommentiere keine Gerüchte und beteilige sich nicht an Spekulation. Stattdessen zeigen sich die Verantwortlichen zuversichtlich, „dass es uns gemeinsam gelingt, ein Konzept für das Werk zu erarbeiten“.

Borbet Solingen schreibe seit Jahren hohe Verluste und sei im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Seit Ende 2021 befindet sich die Gesellschaft daher in einem Schutzschirmverfahren, eine im Insolvenzrecht vorgesehene Form der Eigenverwaltung. Die Betriebsrenten seien dabei vom Pensionssicherungsverein abgesichert, erklärt Borbet. -böh-

Unser Artikel vom 4.12.2021

„Hohe Verluste“: Schutzschirmverfahren bei Räderhersteller Borbet

Die Borbet Solingen GmbH befindet sich seit dieser Woche in einem Schutzschirmverfahren. Das Amtsgericht Wuppertal habe einem entsprechenden Antrag stattgegeben.

Solingen. Das teilte der Räderhersteller am Freitag mit. Welche Folgen der Schritt für die 644 Beschäftigten hat, ist noch unklar. Einstweilen laufe die Produktion unverändert weiter.

 Zu hohe Kosten bei steigendem Preisdruck machten Borbet Solingen schon lange zu schaffen.

Das Schutzschirmverfahren ist in der Insolvenzordnung vorgesehen. Es setzt drohende Zahlungsunfähigkeit voraus, erklärt Robert Fliegner. Der in Solingen tätige Fachanwalt für Insolvenzrecht betont, dass die Geschäftsführung in dieser Lage einen Insolvenzantrag mit dem Ziel einer frühzeitigen, nicht aussichtslosen Sanierung stellen könne.

Das strebt Borbet nach eigenen Angaben an. Der Standort Solingen schreibe seit Jahren hohe Verluste und sei im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig, vor allem in Sachen Personalkosten. Die Pandemie, steigende Energie- und Materialpreise sowie die Halbleiterkrise hätten die Lage zusätzlich verschärft.

Marko Röhrig hält diese Begründung für vorgeschoben. Die Geschäftsleitung habe es versäumt, das Werk rechtzeitig zukunftsfähig aufzustellen. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Remscheid-Solingen zeigte sich überrascht von dem Schritt: „Wir wussten, dass etwas passieren wird. Aber das ist das Worst-Case-Szenario.“

IG Metall kritisiert Borbets Informationspolitik

Am Donnerstag habe die Geschäftsführung eine Belegschaftsversammlung angekündigt. Erst kurz vor deren Start sei der Betriebsrat über den Inhalt in Kenntnis gesetzt worden. Details zum Sanierungsplan liegen Röhrig zufolge noch nicht vor. Er fordert: „Wir brauchen jetzt Infos.“ Die gibt es wohl erst Anfang 2022. Im Januar ist ein Gespräch zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern geplant.

„Wie jedes Insolvenzverfahren ermöglicht das Schutzschirmverfahren die Möglichkeit, unter erleichterten Bedingungen arbeitsrechtliche Maßnahmen durchzuführen“, erklärt Robert Fliegner. Vor diesem Hintergrund befürchtet Röhrig deutlichen Personalabbau an der Weyerstraße.

Unterstützung erhält Borbet vom als „Restrukturierungsexperten“ angekündigten Marc-Philippe Hornung. Das neue Mitglied der Geschäftsführung gibt als Ziel aus, „möglichst viele Arbeitsplätze“ zu erhalten. Dazu müsse man die Kosten reduzieren und sich auf rentable Räder konzentrieren.

Die Borbet GmbH beteilige sich „mit einem Darlehen in signifikanter Höhe“ an der Sanierung. Als Eigentümerin habe sie in den vergangenen drei Jahren 40 Millionen Euro in Solingen investiert und seit Anfang 2020 Verluste in Höhe von 30 Millionen Euro getragen. Auch für 2022 sei mit einer Unter-Auslastung zu rechnen.

Vorabmeldung von 14 Uhr

Borbet in Solingen leitet Schutzschirmverfahren ein

Der Standort in Solingen schreibe bereits seit Jahren hohe Verluste und sei im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig, heißt es. Bei Borbet in Solingen arbeiten 644 Menschen.

Solingen. Die Geschäftsführung der Borbet Solingen GmbH hat beim Amtsgericht Wuppertal einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Das Gericht hat dem Antrag stattgegeben. Weitere Gesellschaften der Borbet Gruppe sind von dem eingeleiteten Schutzschirmverfahren nicht betroffen. Das teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Ziel des Verfahrens in Eigenverwaltung sei die Nutzung rechtlicher Möglichkeiten, um das Unternehmen zu sanieren und nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen. Der Standort in Solingen schreibe bereits seit Jahren hohe Verluste und sei im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Zu hohe Kosten bei steigendem Preisdruck machten Borbet Solingen schon lange zu schaffen. Die Corona-Pandemie, massiv steigende Energie- und Materialpreise sowie die globale Halbleiter-Krise haben die Lage nun zusätzlich verschärft.

Personalkosten in Solingen sind höher als in anderen Borbet-Standorten

Die bestehende Geschäftsführung behalte im Rahmen des Schutzschirmverfahrens die Kontrolle, heißt es in der Mitteilung. Sie werde dabei durch den erfahrenen Restrukturierungsexperten Marc-Philippe Hornung unterstützt, der mit Anordnung des Schutzschirmverfahrens mit in die Geschäftsführung eintrat. Winfried End, Geschäftsführer Borbet Solingen GmbH: „Das Schutzschirmverfahren ist der richtige Schritt. Die gesamte Zulieferbranche kämpft derzeit mit weltweiten Herausforderungen. Zudem spitzt sich die Lage in der Räderbranche durch Anbieter, die hauptsächlich in China und Nordafrika produzieren, weiter zu. Daher muss die Sanierung von Borbet Solingen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens schnell umgesetzt werden – im Interesse der Kunden, Lieferanten und nicht zuletzt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Der Eigentümer, die Borbet GmbH, unterstütze den Schutzschirm-Prozess und die Sanierung mit einem Darlehen in signifikanter Höhe. In den letzten drei Jahren hatte er bereits 40 Millionen Euro in den Standort Solingen investiert und Verluste in Höhe von 30 Millionen Euro allein seit Anfang 2020 getragen. In Solingen seien die Personalkosten deutlich höher als im Branchen-Schnitt und den anderen Borbet Standorten. Bereits im kommenden Jahr sei mit einer weiteren Unter-Auslastung des Werkes zu rechnen. Marc-Philippe Hornung: „Der Standort Solingen erwirtschaftet Verluste. Das Werk kann nicht langfristig abhängig von Hilfen durch Schwesterwerke und den Eigentümer, die Borbet GmbH, sein. Um den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze zu ermöglichen, müssen wir Kosten reduzieren und das Produktportfolio auf Räder fokussieren, die rentabel sind.“

Während des Schutzschirmverfahrens geht die Produktion in Solingen unverändert weiter, auch für die Kunden ändert sich nichts. Die Lieferfähigkeit ist gesichert. red

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