Nach Vorschlag von IHK-Präsident Henner Pasch

Das denken die Solinger über den Radweg auf der „Vieh“

Noch fast drei Jahre bleibt die Viehbachtalstraße in beiden Richtungen einspurig. Grund sind umfangreiche Arbeiten am Kanalsystem „Viehbachsammler“. IHK-Präsident Henner Pasch sieht die Einspurigkeit als Modell für eine Nutzung der Landesstraße durch Fahrradfahrer. Foto: Christian Beier
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Noch fast drei Jahre bleibt die Viehbachtalstraße in beiden Richtungen einspurig. Grund sind umfangreiche Arbeiten am Kanalsystem „Viehbachsammler“. IHK-Präsident Henner Pasch sieht die Einspurigkeit als Modell für eine Nutzung der Landesstraße durch Fahrradfahrer.

Eine Spur weniger für die Autofahrer auf der Stadtautobahn und dafür eine Fahrradspur? Auf der Facebook-Seite des ST sorgte dieser Vorschlag für viele Reaktionen.

Solingen. Der Vorschlag von IHK-Präsident Henner Pasch, in beiden Fahrtrichtungen der Viehbachtalstraße je eine Spur für Radfahrer auszubauen und die Spuren für den Autoverkehr zu reduzieren, sorgt auf der Facebook-Seite des Solinger Tageblatts für viele Reaktionen. Das Meinungsspektrum reicht von „Tolle Idee“ bis hin zum Verdacht, der Präsident habe den „Knall nicht gehört“ oder nicht „alle Latten am Zaun“, einen solchen Vorschlag öffentlich zu machen – seit Mittwoch ist die für soziale Netzwerke gewohnt „muntere“ Diskussion im Gange.

In der Summe der Vorschläge geht es konstruktiv zu. Daher veröffentlicht das Solinger Tageblatt einige der Reaktionen, die die Breite der Meinungen von weit mehr als 200 Kommentaren (Stand: Donnerstagnachmittag) auf den Vorschlag des IHK-Präsidenten widerspiegeln.

René Regier, der Vorsitzende des Cow Clubs, des Vereins für junge Kultur, wirft ein: „Sinnvolle Idee, da es für Fahrradfahrer bisher keine gute und sichere Strecke von Ohligs nach Mitte gibt.“

Michael Roden vom Kommunalen Integrationszentrum erklärt zum IHK-Vorschlag: „Grandiose Idee. Ein Velohighway wäre für die Ohligs-Mitte-Achse eine super Alternative zur Merscheider-Beethovenstraße-Route, die im Berufsverkehr mit dem Rad nervig zu fahren ist.“ Das sieht auch Monika Gross so: „Super Idee! Perfekte Verbindung mehrerer Stadtteile.“

Katrin Buschs Einwurf fasst die Reaktion vieler Facebook-Nutzer der ST-Seite zusammen: „Würde die Viehbach endlich an die A3 angeschlossen, würde sich auf den umliegenden Straßen der Verkehr deutlich beruhigen. Dann wäre dort attraktives Radfahren möglich – mit wesentlich mehr Sicherheit. Fände ich intelligenter.“ Auch Benedikt Wiemer würde „lieber die leidige L141n (Viehbachtalstraße, die Red.) ans Autobahnnetz anschließen und dafür die aktuell völlig überlasteten sonstigen Straßen beruhigen und fahrradtauglich machen.“

Radfahrer neben Autos, die 100 km/h fahren? Unzumutbar, finden viele ST-Leser auf Facebook

Die Bergische IHK hat sich im Zuge des Radweg-Vorschlags von der A-3-Anbindung verabschiedet – es gebe aktuell keine realistische Perspektive. Auch angesichts der Herausforderungen von Klimaschutz und Mobilitätswende müsse die Kammer Pläne und Forderungen überdenken.

IHK fordert mehr Mut zur Veränderung.

Bei Facebook gibt es weitere generelle Kritik. So sagt Volker Vogt mit ironischem Unterton: „Super durchdacht.“ Etwa an der Ausfahrt Schwarze Pfähle kreuzten dann die Autofahrer zunächst den neuen Radweg. „Gibt sicher keine Unfälle.“ Da setzt auch die Überlegung von „Mönchen Husti“ an: „Wie soll das dann mit den Auf- und Abfahrten funktionieren? Muss man dann immer anhalten und die Radfahrer durchlassen?“

Viele halten das Projekt deshalb für undurchführbar, weil auf der Landesstraße Tempo 100 direkt neben der Radspur gefährlich sei. So erklärt Dominik Urfels: „Bestimmt ein schönes Gefühl, wenn Autos mit 100, oder manchmal sogar mehr, an einem vorbei brettern.“

Marc Albert wendet dazu ein, auf dem IHK-Empfang sei auch angesprochen worden, dass es eine Umwandlung der „Stadtautobahn“ in eine normale Straße mit neuen Einfahrten für die Wohn- und Industriegebiete geben müsse – ein Fakt, der sich auch im ursprünglichen ST-Bericht wiederfindet. Nicht nur Sascha Frank Blavius bringt eine Alternative zur Viehbachtalstraße ins Gespräch: „Wie wäre es mit einer Verlängerung der Korkenziehertrasse neben der Bahnlinie bis Ohligs?“

Vorschlag von IHK-Präsident Henner Pasch: Es gibt auch positive Kritik

Doch es gibt bei weitem nicht nur Widerspruch zu den Plänen für die Viehbachtalstraße. Lukas Kurowski sagt, als „passionierter Radfahrer“ würde er sich „sehr freuen, wenn das von der Mehrzahl gewünscht wird. Die Viehbach habe ich nie ausgelastet gesehen in all den Jahren.“

Von der Notwendigkeit des Vorschlags sind andere dagegen nicht überzeugt, weil sie einen Vergleich mit dem Pop-up-Radweg auf der Straße „Schwarze Pfähle“ ziehen, so wie Joshua Herke. Er habe, seitdem es den Weg gibt „nicht einen Radler gesehen, der dort fährt“.

Abschließend seien noch die Argumente von Lutz Migenda genannt, die deutlich machen, was noch erörtert werden muss: „Das eigentliche Problem ist, so glaube ich, die Kombination von schnellen und langsamen Verkehrsteilnehmern auf engem Raum. Die langsamen Radfahrer müssten eigentlich zur Sicherheit vor fließendem Autoverkehr geschützt werden.“

Und auch das sei nicht verschwiegen: Es geht in der Facebook-Debatte zum Radweg auf der Tageblatt-Seite auch immer wieder humorvoll zu. So stellt die Solinger Mundart- und Theaterstück-Autorin Renate Kollig trocken fest: „11.11. – Aff hüt send de Jecken wier los.“

Lesen Sie auch: Der ADFC befürwortet die Idee von Henner Pasch.

Viehbachtalstraße bleibt noch lange einspurig

Einspurige Straße: Auf die Idee, die Viehbachtalstraße einspurig für den Radverkehr zu verengen, kam IHK-Präsident Henner Pasch wegen der aktuellen Situation auf der Straße. Denn durch notwendige Bauarbeiten am Viehbachsammler, einem großen Kanalbauprojekt unter der Straße, wird die Schnellverbindung zwischen Mitte und Ohligs noch fast drei Jahre nur einspurig in beiden Richtungen zu benutzen sein. Dazu begann die Stadt im Juli mit Sperrungen und baute Überführungen zwischen den beiden Fahrstreifen. Das sei auch alles nicht neu, erklärte das Rathaus. „Solche Regelungen mit je einer Fahrspur für jede Fahrtrichtung gab es bereits mehrfach während der vorangegangenen Bauabschnitte“, sagt Stadtsprecherin Sabine Rische. So gab es bereits in den Vorjahren immer wieder längere Verkehrsverengungen auf der Landesstraße für die Kanalbauarbeiten.

Ziel der Kanalarbeiten: Ist der dritte Bauabschnitt des Viehbachsammlers fertig, wird er insgesamt viereinhalb Kilometer lang sein. Das Entwässerungssystem wird künftig Regen- und Schmutzwasser aus dem Einzugsgebiet Ohligs sowie Teilen von Höhscheid und Wald aufnehmen. Die Stadt setzt dazu auch innovative Bautechniken ein.

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