Coronavirus

Quarantäneregeln sollen in Schulen einheitlich sein

Die Schulen verfolgen strenge Hygienekonzepte. Foto: Roland Keusch
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Die Schulen verfolgen strenge Hygienekonzepte.

Lehrer sprechen sich gegen Lockerungen der Schutzmaßnahmen an den Schulen aus.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. 1486 Solingerinnen und Solinger befinden sich derzeit in Quarantäne. Etwa zwei Drittel davon sind Schüler. Auch die Zahl der aktuell Infizierten ist in dieser Altersgruppe überproportional hoch, weil es für Kinder bis zwölf Jahre keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

Alleine an der Alexander-Coppel-Gesamtschule sind 115 Kinder in Quarantäne, knapp 20 infiziert. „Die beiden fünften Klassen, die direkt nach der Einschulungsfeier in Quarantäne mussten, können zum Glück am Montag zurück in die Schule“, so Schulleiter Andreas Tempel. Er hadert mit den aktuellen Quarantäne-Regelungen. „Eigentlich müssen nur direkte Sitznachbarn in Quarantäne, wenn die Kontakte nachverfolgbar sind. Vom Gesundheitsamt haben wir jetzt aber die Auskunft erhalten, dass ab zwei positiv Getesteten in einer Klasse die ganze Klasse in Quarantäne muss“, so Tempel. Das sei nach den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts als „Ausbruch“ zu bewerten. „Das wird nur leider im Schulministerium ignoriert, wenn es immer heißt, ganze Klassen gingen nicht mehr in Quarantäne.“

Er befürchtet weitere umfangreiche Quarantänen. Bis Klasse sechs können die Kinder noch nicht geimpft werden, für ab 12-Jährige laufen die Impfungen erst an. „Wir werden deshalb an der Schule auf jeden Fall in Absprache mit der Schülervertretung weiter Maske tragen“, kritisiert Tempel Lockerungs-Vorschläge. Die Stadt Solingen bietet mittlerweile Impfungen an den Schulen an.

Bei Klassen-Quarantäne keine individuelle Ordnungsverfügung

Er würde sich mehr Tests wünschen, statt bislang zweimal mindestens dreimal pro Woche oder sogar täglich. „Dann könnte man auf umfangreiche Quarantänen verzichten.“ Für die ab 12-jährigen Schüler setzt er auf das Thema Impfen als Weg aus der Pandemie. Am heutigen Freitag findet ein Impfangebot an der Alexander-Coppel-Gesamtschule statt. „Wir haben bei allen Familien dafür geworben. Das hat etwas mit Solidarität in unserer Gesellschaft zu tun.“ 100 Impftermine wurden für heute vereinbart. „Damit keiner seinen Termin vergisst, holen wir die Schüler sogar aus den Klassen ab.“

Verwunderung gab es bei vielen Eltern über die Quarantäne-Benachrichtigung. Muss eine ganze Klasse in Quarantäne, wird die Allgemeinverfügung nämlich nur im Mitteilungsblatt der Stadt veröffentlicht. „Eine individuelle Ordnungsverfügung schickt das Gesundheitsamt nur bei einzelnen Schülern“, erklärt Stadtsprecher Daniel Hadrys. Trotz der hohen Zahl sei die Bearbeitung noch tagesaktuell.

Bezüglich der Regeln halte die Stadt sich an die Vorgaben des Landes-Gesundheitsministeriums. „Darin ist die Möglichkeit des Freitestens nicht vorgesehen, weder als Kontaktperson noch als Infizierte“, so Hadrys. Vollständig geimpfte Schüler sind, sobald sie den vollständigen Impfschutz haben, von der Quarantäne ausgenommen.

Kinder gehen in Isolation

Bei den jüngeren noch nicht geimpften Kindern ist die Quarantäne hingegen weiterhin Thema. Die Mutter eines Drittklässlers schildert die Situation: „Schon drei Tage nach den Ferien gab es in der Klasse meines Sohnes den ersten positiven Fall. Die fünf Tischnachbarn mussten in Quarantäne, die übrigen Schüler wurden per Lolli-Test getestet.“

Da auch das Pool-Ergebnis der Lolli-Tests positiv war, mussten die Einzel-Abstriche nachgereicht werden. Das Ergebnis: Insgesamt sieben Kinder in der Klasse waren infiziert. „Zur Quarantäne kam für die Familien noch, dass die Allgemeinverfügung einen falschen Quarantäne-Start auswies, so dass die betroffenen Eltern noch Probleme beim Nachweis für den Arbeitgeber hatten“, so die Mutter weiter.

„Ich würde mir wünschen, dass in der Quarantäne auch am vierten oder fünften Tag ,freigetestet’ werden kann. Ist der PCR-Test dann positiv, hat das Kind zumindest einen Genesenen-Nachweis und muss zukünftig nicht mehr in Quarantäne“, so die Mutter.

Vor allen Dingen einheitlich sollten die Quarantäneregeln sein, wünscht sich Jens Merten, Solinger Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. Er kritisiert, dass die Gesundheitsminister der Länder erst jetzt, nach Schuljahresbeginn, darüber diskutieren. „Während die Erwachsenen sich durch Impfung schützen können, gehen die Kinder erneut in Isolation.“ Die Schutzmaßnahmen in den Schulen dürften keinesfalls zurückgenommen werden.

Regelungen

Gespräche: Gestern starteten die Bund-Länder-Gespräche zu dem Thema. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will weiter lockern und nur noch Infizierte in Quarantäne schicken. Die SPD plädiert für ein „Freitesten“ nach fünf Tagen.

Standpunkt: Testen statt isolieren

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Dass die negativen Folgen von Quarantänen und versäumtem Schulunterricht für Kinder und Jugendliche groß sind, haben die vergangenen Corona-Monate gezeigt. Das Hauptziel muss es deshalb sein, sicheren Unterricht in den Schulen für Schüler und Lehrer zu ermöglichen. Wie das gelingen kann, darüber hat die Politik die Diskussion unbegreiflicherweise erst wieder nach Ende der Sommerferien gestartet. Also bleiben nur regelmäßige Tests für die Jüngeren und Impfungen für die ab 12-Jährigen – sowie Maskenpflicht für alle in der Schule als Wege aus der Pandemie. Diese Schutzmaßnahmen jetzt zu lockern, wie von der NRW-Schulministerin vorgeschlagen, und von einem „geglückten Schulstart“ zu sprechen, ist angesichts der Familien, die jetzt schon wieder von Infektionen und Quarantänen getroffen sind, blanker Hohn. Im Gegenteil: Es müsste mehr getestet werden, um möglichst tagesgenau infizierte Kinder zu ermitteln, aber auch negativ getestete Schülerinnen und Schüler direkt wieder in den Unterricht schicken zu können. Kinder dürfen nicht schon wieder zu Hause isoliert werden.

Testpflicht an Schulen in Solingen sorgt für Diskussionen.

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