Ohligs

Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: Diagnose ist der erste Schritt

Das Team des Zentrums für seelische Gesundheit des Kinder- und Jugendalters am Standort Zweibrücker Straße (v. l.): Lena Kemper, Melissa Berg, Kevin Pütz, Melanie Fiorillo-Buschhaus und Dr. Barbara Gripp. Foto: Tim Oelbermann
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Das Team des Zentrums für seelische Gesundheit des Kinder- und Jugendalters am Standort Zweibrücker Straße (v. l.): Lena Kemper, Melissa Berg, Kevin Pütz, Melanie Fiorillo-Buschhaus und Dr. Barbara Gripp.

Zentrum für seelische Gesundheit des Kindes- und Jugendalters des Sana-Klinikums hat einen Sitz an der Zweibrücker Straße in Ohligs.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Wenn Kinder und Jugendliche nach Krisen, in schwierigen Lebenssituationen oder bei psychischen Erkrankungen ihre Probleme nicht alleine bewältigen können, brauchen sie Hilfe, um ihr Leben wieder zu meistern und Lebensfreude zurückzugewinnen. „Unser Ziel ist es, Beeinträchtigungen der seelischen Gesundheit möglichst früh zu erkennen, um einer ungünstigen Entwicklung mit größeren Problemen entgegenzuwirken“, erklärt Dr. Barbara Gripp. Sie ist die Ärztliche Leiterin der Institutsambulanz, die zum Zentrum für seelische Gesundheit des Kindes- und Jugendalters im Sana-Klinikum in Remscheid gehört und seit diesem Jahr wieder einen Sitz in Solingen hat.

Bis 2011 gab es solch eine Ambulanz auf dem Gelände des Städtischen Klinikums. Das Sana-Klinikum mit seinen 30 stationären Plätzen sowie den 10 teilstationären Plätzen in Remscheid und 20 in Wuppertal ist als Pflichtversorgung auch für Solingen mit zuständig. „Aber da der Bedarf sehr groß ist, war es auch Wunsch der Stadt, in Solingen wieder eine Anlaufstelle zu schaffen“, so Dr. Gripp.

Dabei geht es bei dem Angebot an der Zweibrücker Straße nicht darum, ambulant zu therapieren. „Wir schauen uns die Kinder hier an, machen die Diagnostik und entscheiden dann“, so die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ganz gleich, ob im Anschluss eine ambulante Psychotherapie oder eine teil- oder vollstationäre Behandlung notwendig wird – „wir begleiten die Kinder bis sie einen sicheren Platz haben“. Voll- oder teilstationäre Plätze für Kinder und Jugendliche gibt es in Solingen nicht. Die stationäre Behandlung findet bei Bedarf in der Sana-Klinik Remscheid statt, die teilstationäre dort oder in der Tagesklinik Wuppertal.

Erkrankung ist für Eltern oft schwer zu erfassen

Die Erkrankung sei für Eltern oft schwer zu erfassen. Zu der Diagnostik im Zentrum für seelische Gesundheit gehöre neben Gesprächen, Tests und Fragebogen mit den Kindern und Jugendlichen deshalb auch, Eltern und Lehrer einzubeziehen. Quasi von 0 bis 21 Jahre reicht das Spektrum der Patienten an der Zweibrücker Straße. „Die Allerjüngsten werden allerdings in der Regel über das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) im Klinikum betreut“, so Dr. Gripp. In Ohligs seien die meisten Patienten zwischen 5 und 18 Jahren alt.

Bei den Grundschulkindern gehe es in der Regel um Probleme, sich zu konzentrieren oder sich an Regeln zu halten. Auch Angststörungen, Essstörungen, Einnässen, Zwangserkrankungen, Verhaltensauffälligkeiten, Autismus und schulische Schwierigkeiten seien Thema. „Andere Kinder sind unglücklich, weil sie unzureichend in die Gleichaltrigen-Gruppe integriert sind“, skizziert die Ärztin die Probleme. Bei den allermeisten reiche aber eine ambulante Therapie.

Bei den 14- bis 18-jährigen Jugendlichen kämen oft Depressionen, Über- und Untergewicht oder Schulvermeidung dazu. „Diese Probleme haben durch die Corona-Pandemie leider deutlich zugenommen“, kann die Kinder- und Jugendpsychiaterin aus ihrer Erfahrung berichten.

Die Nachfrage nach dementsprechender Hilfe ist groß – „leider auch schon größer, als wir zeitnah bewältigen können“, weshalb es bei der Terminvergabe auch schon zu Wartezeiten kommt. Aktuell umfasst das Team an der Zweibrücker Straße neben Dr. Barbara Gripp noch zwei Psychologinnen, drei studentische Hilfskräfte aus dem Bereich Psychologie, zwei Sozialarbeiterinnen, eine Ergotherapeutin sowie zwei Verwaltungskräfte.

Zum Angebot gehört auch die gezielte Diagnostik bei Verdacht auf Fetale Alkohol-Spektrum-Störung (FASD), wenn also Säuglinge bereits durch den Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft geschädigt sind. Oft bleiben bei den betroffenen Kindern Gehirnschäden, die meist mit psychischen Störungen einhergehen. „Auf diese Erkrankung haben wir uns spezialisiert und freuen uns, dass wir demnächst mit dem geplanten FASD-Fachzentrum der Caritas zusammenarbeiten können.“

Auch wenn die Nachfrage schon groß ist, möchte das Team sich und sein Angebot weiter bekannt machen. „Derzeit stellen wir uns bei Kinderärzten und den niedergelassenen Therapeuten vor, denn eine gute Vernetzung ist ganz wichtig“, so Dr. Barbara Gripp. Auch zu den Schulen ist eine Kontaktaufnahme vorgesehen. Positiv für die wichtige Vernetzung sei auch, dass die Erziehungsberatungsstelle der Awo im selben Haus untergebracht sei.

Kontakt

Zentrum für seelische Gesundheit des Kindes- und Jugendalters: Zweibrücker Straße 7, Tel. (02 12) 22 44-64 22

Notfall: Die Notfallnummer des Sana-Klinikums in Remscheid ist rund um die Uhr besetzt: Tel. (0 21 91) 13-0.

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